Vortrag vom 10.9.12: Sportpolitik und Parteiideologie im Großdeutschen Reich

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Sportpolitik und Parteiideologie im Großdeutschen Reich: Der Konflikt der kurpfälzischen Trainerlegende Sepp Herberger mit dem oberbayerischen NS-Sportfunktionär Karl Oberhuber

Joseph „Sepp“ Herberger, der bedeutendste Trainer in der ruhmreichen Historie des Deutschen Fußball-Bundes, hatte sich in der NS-Zeit mehrfach mit politischen Eingriffen in seine Arbeit auseinanderzusetzen. Allgemein bekannt sind die Ereignisse nach dem „Anschluss“ Österreichs im Frühjahr 1938. Herberger wurde von der Reichssportführung angewiesen, für die in Paris ausgetragene Fußballweltmeisterschaft 1938 kurzfristig eine „Großdeutsche Nationalmannschaft“ mit Spielern aus der „Ostmark“ (Österreich) und dem „Altreich“ aufzustellen. Politische Willkür hatte über sportlichen Sachverstand gesiegt: Deutschland schied bereits im Achtelfinale gegen die Schweiz aus.

 

Bald darauf musste sich Herberger erneut eines politischen Gegners erwehren: Deutsche Truppen hatten bereits halb Europa im Sturm genommen, als ein bayerischer Sportfunktionär und tiefbrauner Parteibonze sich anschickte, seine Vision eines wahrhaft deutschen Angriffsfußballs durchzusetzen. Es war der Bereichssportführer Karl Oberhuber, Stellvertreter des Reichssportführers in Bayern und Chefadjutant des bayerischen Innenministers und Gauleiters Adolf Wagner, der mit superoffensivem, völkischem „Blitzkriegfußball“ Sportgeschichte schreiben wollte. Nach anfänglichen Erfolgen Oberhubers gelang es Herberger jedoch, mit dem ihm eigenen diplomatischen Geschick, seine „Defensivtaktik“ beizubehalten und den Rivalen ins sportpolitische Abseits laufen zu lassen.
Von besonderem Interesse für die pfälzische Regionalgeschichte ist die Tatsache, dass Oberhuber im Schulterschluss mit Gauleiter Josef Bürckel und gegen den Willen Herbergers das junge Spielergenie Fritz Walter vom 1. FC Kaiserslautern zum Fußball-Verein Metz nach Lothringen transferieren wollte. Aber auch mit dieser Initiative ist Oberhuber gescheitert.Der Referent: Dr. Markwart Herzog ist Sporthistoriker und leitet als Direktor die Schwabenakademie Irsee.

Von der Galgmühle zum Sägewerk

Außerhalb der Stadtmauer standen hier zwei Mühlen, die erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt wurden, die Galgmühlen. Dabei hatte dieser Name nichts mit dem Galgen zu tun, zu dem nämlich der Armensünderweg führte. Das alte Wort “Galgo” bedeutet Kreuz. Vermutlich hat ein dort stehendes Feldkreuz die Bezeichnung verursacht. Später waren die Mühlen als die obere und untere “Schießberger Mühle” bekannt. Diese beiden Mühlen, die in ihrer letzten Form erst 1889 durch einen Mühlengroßbrand eingeäschert wurden, hatten ein wechselvolles Schicksal, das mit dem der Stadt Speyer eng verbunden war. Alte Urkunden weisen aus, dass sie am 5. Juli 1462 in der sogenannten “Mainzer Bischofsfehde” niederbrannten. Im Jahre 1554 wird von neuer Zerstörung und Wiederaufbau berichtet. Im Dreißigjährigen Kriege fielen sie zweimal den Kriegsstürmen zum Opfer. 1687 waren sie wieder aufgebaut, 1689 teilten sie das Schicksal der alten Kaiserstadt. Da die Urkunden lückenhaft sind, werden die Mühlen in den Zwischenzeiten sicherlich noch mehrfach zerstört sein. Aber immer wieder erstanden sie neu und imer wieder war der Speyerbach es, dessen Wasserkraft ihnen neues Leben schenkte.
Dass überhaupt so viele Urkunden gerade über diese Mühlen erhalten sind, verdanken wir den mannigfaltigen Streitigkeiten, meist um eben diese Wasserkraft, die aufgezeichnet sind. Da waren Mühlen im Oberlauf und am Woogbach, die das Wasser abschnitten, Querbäume, die zur Wiesenbewässerung oberhalb gelegt wurden, Holzflößerei auf dem Rehbach, die zu Verstopfungen führte. Hinzu kam, dass Domstift und Allerheiligenstift, die ursprünglichen Besitzer, oft mit der Stadt in Streit lagen um die Abgaben der Mühlen, um die Besetzung mit neuen Müllern, um das “Bachfegen”, die Bachreinigung, um die Rechte neuer städtischer Mühlen und so weiter. So entstanden viele Urkunden von Verhandlungen und Vergleichen, die heute noch von dem Schicksal der “Galgmühlen” erzählen.
Es blieb auch nicht dabei, dass die Wasserkraft des Speyerbachs nur zum Mahlen des Getreides, zur Herstellung von Mehl benutzt wurde. Während des Dreißigjährigen Krieges war hier auch eine Pulvermühle im Gang, die den Getreidemühlen das Wasser fortnahm, aber in diesen Kriegszeiten bevorzugt war. 1712 wird auch erstmals eine Ölmühle erwähnt und ebenso eine Schneidmühle zum Holzschneiden, erste Vorläuferin also des Sägewerkes, das endgültig im Jahre 1864 errichtet wurde.
Es steht ja fest, dass der Speyerbach ein künstlicher Wasserlauf ist, während der ursprüngliche Lauf des Baches weiter nördlich im Zuge des Woogbachs verlief. Nur über die Zeit, in der dieser Bach entstand, besteht keine Einigkeit. Manche Forscher führen ihn schon auf die Römer zurück, die wahrscheinlichste Deutung ist aber wohl, dass er zur Zeit des Dombaues, also im 11. Jahrhundert, angelegt wurde, um Baumaterial zum Dom zu transportieren. Die Wasserkraft, damals die einzige Kraftquelle, wurde außer von den Galgmühlen, von einer ganzen Reihe von Mühlen im Stadtgebiet ausgenutzt. Es war also durchaus verständlich, dass die Nutznießer dieser Kraft eifersüchtig darüber wachten, dass an der Hanhofer Scheid genügend Wasser in den Speyerbach floss, dass der Wasserzulauf des Gesamtbaches nicht schon oberhalb durch willkürliche Entnahmen oder Ableitungen geschmälert wurde.


Noch bis in die Neuzeit hinein haben sich Gerichte mit solchen “Wasserschikanen” beschäftigen müssen. Wer Zeit hat, sich in alte Akten zu versenken, kann mancherlei Kuriositäten über diese “Wasserkämpfe”, die mit allen Mitteln geführt wurden, ausgraben. Selbst die beiden Mühlen, die später Mauer an Mauer grenzten, standen oft miteinander in hitzigem Streit, weil einer dem anderen “das Wasser abgrub”.
1828 taucht dann in der Geschichte der Mühlen erstmals der Name Steiner auf, der dem Sägewerksbetrieb den Namen gibt. Johann Jakob Steiner aus Böchingen heiratete damals die Tochter des Besitzers der Untermühle, Reinhard. Er ging sofort mit großer Tatkraft daran, die offensichtlich verwahrloste Mühlenanlage einzureißen und 1835 wieder neu aufzubauen. Im Laufe der Jahe wurde dann ein umfangreicher Landbesitz hinzuerworben und 1869 kam dann auch die Obermühle mit Wohnhaus in den Besitz der Familie Steiner. Schon fünf Jahre früher, 1864 wurde das Sägewerk errichtet, das sich, ständig weiter ausgebaut, besonders auch nach dem Brand 1889, der die beiden alten Getreidemühlen einäscherte, zu dem heutigen Anwesen entwickelte.

Neuerscheinung zur Speyerer Geschichte mit Unterstützung der Bezirksgruppe

Mit Hilfe eines Druckkostenzuschusses der Bezirksgruppe ist vor kurzem eine wichtige historisch-volkskundliche Abhandlung veröffentlicht worden: Wolfgang Kleinschmidt, Essen und Trinken in der frühneuzeitlichen Reichsstadt Speyer: Die Rechnungen des Spitals St. Georg (1514-1600), Münster 2012, 320 Seiten, broschiert, 34,90€, ISBN:978-3-8309-2587-3.

Der Autor hat als Quellengrundlage die reiche Rechnungsüberlieferung des Stadtarchivs Speyer verwendet. Weitere Informationen: http://www.waxmann.com/index.php?id=buecher&no_cache=1&tx_p2waxmann_pi1%5Boberkategorie%5D=OKA999999&tx_p2waxmann_pi1%5Bbuch%5D=BUC121445