{"id":1261,"date":"2014-03-21T10:18:22","date_gmt":"2014-03-21T08:18:22","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?page_id=1261"},"modified":"2014-03-21T17:40:45","modified_gmt":"2014-03-21T15:40:45","slug":"prinzipien-der-turmbenennung","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?page_id=1261","title":{"rendered":"Prinzipien der Turmbenennung"},"content":{"rendered":"<p>Inzwischen wei\u00df man \u00fcber die Entwicklung der Namen mehr und kann sich hie und da Berichtigungen erlauben. Sollte man etwa Beckers Schreibfehler Rohrturm\/Phorturm weitertragen? Soll anstatt B\u00e4ckerturm Totengr\u00e4berturm bevorzugt werden, wo doch der Turm erst nach 1500 so hie\u00df? Bei Birkenturm\/Siechenturm ist es das gleiche. Wo es ging, w\u00e4hlte ich die \u00e4lteren Namen.<\/p>\n<p>Auch die Namenszusammensetzung ist einer \u00dcberlegung wert. Bei Turm zum Falken oder Falkenturm, Turm zum Farren oder Farrenturm haben die Gassennamen des letzten Jahrhunderts die Kurzform angenommen. In den alten Urkunden sind sie dann nicht zusammengezogen, wenn der Turm nach einer Tier- oder Baumart, vereinzelt auch nach einer Sache oder einem nahen Bau benannt ist. Man liest dann &#8222;Turm zum &#8230;&#8220;, etwa Turm zum Adler, zum Engel, zur Linde, zum Doppelhaken, zum Halben Dach, zum Heiligen Kreuz; es gibt Ausnahmen, wie Farrenturm und Birkenturm. Darf man schlie\u00dfen, dass bei Euwenturm, Schleicherturm, Rohrturm Personen- oder Gruppennamen dahinterstehen, wie bei Eurichsturm, Nikolausturm, Utenturm oder Zimmerleutturm? Sind die Namen auch nicht immer folgerichtig gebildet, so kann ihre Form doch Fingerzeige liefern.<\/p>\n<p>Einen Taufakt f\u00fcr jeden Turm, etwa die Anbringung einer Namenstafel beim Richtfest wird man nat\u00fcrlich nicht erwarten. Die benachbarten Einwohner oder auch die jungen Wehrpflichtigen bei den Alarm\u00fcbungen, der Volksmund also, d\u00fcrften so manchen Namen erfunden haben. Noch nicht einmal die mit der &#8222;Stadtarmatur&#8220; betrauten Bauschaffner und Zeugmeister waren bei den 76 Turmnamen immer ganz sicher. Dabei ist eine gewisse amtliche Namensgebung unverkennbar. In der Barockzeit, in den Listen von 1611, 1773 und im Stadtplan von 1730, hat man Namen festgeschrieben, als mancher Turm schon zerfallen war. Einige sind falschen Objekten zugeordnet, einige verballhornt.<\/p>\n<p>Die Innenstadt-T\u00fcrme sind vornehmlich nach Z\u00fcnften benannt. Kein Wunder, berichtet doch Christoph Lehmann in seiner Stadtchronik zum Jahre 1470: &#8222;So hat auch der Rath denen sechszehen Z\u00fcnfften 16 der st\u00e4rcksten Th\u00fcrn an der innern Stadtmaurn, jeder einen, angewiesen, denselben zu versorgen und zu bewahren.&#8220; Ein Zunftname findet sich indes auch in einer Vorstadt: Fischertor. Bei der Innenstadt sind B\u00e4cker, Juden, K\u00fcrschner, Lauer, Metzger, Salzg\u00e4sse, Schmiede, Schuster, Zimmerleute vertreten. Doch waren den anderen Z\u00fcnften ebenfalls T\u00fcrme und Alarmpl\u00e4tze zugewiesen: Die G\u00e4rtner hatten die Gilgenvorstadt, die Kohlhenger oder Altspeyerer die Vorstadt Altspeyer, die Hasenpf\u00fchler ihre Vorstadt, die Fischer die Marxenvorstadt zu verteidigen.<\/p>\n<p>Die in der Aufz\u00e4hlung noch fehlenden Hausgenossen (M\u00fcnzer), Kr\u00e4mer, Leinenweber, Schneider, Tuscher (Wollweber) blieben nicht unbeteiligt: Die Tuscher stellten um 1500 die Wache auf dem\u00a0Eurichsturm, die Weber besetzten den Roten Turm, die Kr\u00e4mer das Weidentor, die Schneider den Nikolausturm, die Hausgenossen den Armbrusterturm. Diese T\u00fcrme behielten aber ihre \u00e4lteren Namen. Die Zuordnung der Z\u00fcnfte wechselte, die Namen blieben.<\/p>\n<p>Beim Vorstadt-Mauerbau des 14. Jh. galten Namensprogramme: Die Gilgenvorstadt weist bei den 19 Mauert\u00fcrmen 17 Vogelnamen aus, genau gesagt Namen von gefl\u00fcgelten Wesen; denn Drache, Engel und Greif sind schlie\u00dflich auch dabei. Die Vorstadt Altspeyer bringt bei ihren f\u00fcnf Mauert\u00fcrmen Baum-Namen. Ihre drei (sp\u00e4teren) Wachth\u00e4user st\u00f6ren freilich mit Fuchs (Hase), Wolf und Pfau die sch\u00f6ne Ordnung.\u00a0\u00dcberm Hasenpfuhl tragen die vier Mauert\u00fcrme Namen von Vierbeinern verschiedenster Wildheit, vom L\u00f6wen bis zum Widder; dass auch ein Tor (K\u00fchtor) hier nach einem Vierbeiner\u00a0benannt ist, hat seinen besonderen Grund. Bei der zuletzt befestigten Marxenvorstadt sind die Namen der f\u00fcnf Mauert\u00fcrme aus der Nachbarschaft entnommen. Bekanntlich vergeben noch heute die Ratssaussch\u00fcsse Stra\u00dfennamen f\u00fcr Neubaugebiete gerne nach thematischer Ordnung. Die Ordnung der Speyerer Turmnamen bemerkt man freilich erst richtig, wenn man alle Tor und Pforten wegl\u00e4sst, auch die sp\u00e4ter vermauerten (Alexpforte, Allmendtore, Germanst\u00f6rlein). Die Tore selbst sind n\u00e4mlich zu einem Drittel nach einer benachbarten Kirche benannt (St. Weiden Tor), sonst meist nach anderer Nachbarschaft (Tr\u00e4nktor). Pr\u00fcfen wir also die Namen einmal durch auf Herkunft und Bedeutung, und ob sie zu den gezeigten Benennungsprinzipien passen!<\/p>\n<p><a title=\"Turmnamen der Stadtmauer\" href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?page_id=1257\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1292\" alt=\"Pfeil\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Pfeil.jpg\" width=\"50\" height=\"50\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inzwischen wei\u00df man \u00fcber die Entwicklung der Namen mehr und kann sich hie und da Berichtigungen erlauben. 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