{"id":1069,"date":"2014-01-07T11:40:56","date_gmt":"2014-01-07T09:40:56","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1069"},"modified":"2020-08-28T15:08:37","modified_gmt":"2020-08-28T13:08:37","slug":"auswanderer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1069","title":{"rendered":"Auswanderer"},"content":{"rendered":"<p><b>Meist aus zwei Gr\u00fcnden Speyer verlassen<\/b><\/p>\n<p><b>Wirtschaftliche und politische Zw\u00e4nge die Ursachen der Auswanderungen<\/b><\/p>\n<p>Hungersnot war die Hauptursache f\u00fcr Massenauswanderungen, die im 17. und 18. Jahrhundert die Pfalz zu entv\u00f6lkern drohten. Speyerer setzten sich meist erst sp\u00e4ter ab, auch aus wirtschaftlichen, aber auch aus politischen Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Der offenbar aus Nordfrankreich vertriebene Hugenotte Louis Bevier und die mit ihm in Speyer getraute Frau Marie Le Blanc waren die Ersten, deren Auswanderung registriert wurde. Sp\u00e4ter erreichten Heinrich M\u00fchlberger alias Henry Mulberger als Anwalt, Bankier und B\u00fcrgermeister sowie Heinrich Hilgard, der sich als &#8222;Eisenbahnk\u00f6nig&#8220; und Million\u00e4r Henry Villard nannte, Ansehen und Wohlhabenheit, nachdem sie Speyer verlassen hatten. In seinem von der Speyerer Freiwilligenagentur &#8222;spefa&#8220; initiierten Vortrag &#8222;Amerika ist (k)ein Schlaraffenland&#8220; im historischen Ratsaal nannte Roland Paul, Direktor des Instituts f\u00fcr pf\u00e4lzische Geschichte, Beispiele aus der Speyerer Auswandererszene.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/220px-Henry_Villard.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-1070\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/220px-Henry_Villard-150x150.jpg\" alt=\"220px-Henry_Villard\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a><\/p>\n<p>Louis Bevier und seine Frau waren 1675 mit mehreren anderen hugenottischen Familien in die englische Kolonie New York zogen. Sie geh\u00f6rten zu denen, die im Tal des Hudson von Indianer ein St\u00fcck Land erwarben und die Siedlung &#8222;New Paltz&#8220; gr\u00fcndeten.<\/p>\n<p>Die erste Massenflucht aus der Pfalz mit etwa 15.000 Menschen \u00fcber Rotterdam England und Irland in Richtung Nordamerika setzte 1709 ein. Es waren offenbar nur wenige Speyerer dabei,&nbsp; denn diese Auswanderung war eine \u00fcberwiegend reformiert-lutherisch-mennonitische Angelegenheit. Vorwiegend Katholiken dagegen folgten im sp\u00e4ten 18. Jahrhundert den Einladungen von Kaiserin Maria Theresia und der Zarin Katharina der Gro\u00dfen zur Kolonisierung im Habsburger Reich und in Russland.<\/p>\n<p>Damals suchte auch Frankreich in der Pfalz nach Auswanderern. Ziel war Cayenne in Guayana an der Nordk\u00fcste von S\u00fcdamerika. Die Aussicht, dort zu siedeln, entfachte in den f\u00fcrstbisch\u00f6flichen Speyererischen D\u00f6rfern &#8222;eine allgemeine Seuche&#8220;, wie es in einem zeitgen\u00f6ssischen Bericht hie\u00df.<\/p>\n<p>Die Auswanderung nach Amerika kam erste wieder nach der pf\u00e4lzischen Franzosenzeit (1797 &#8211; 1814) in Gang. Um 1820 warb das unabh\u00e4ngig gewordene Brasilien verst\u00e4rkt um Emigranten. So sehr, dass dem Werbeoffizier Georg Anton Sch\u00e4ffer von der in Speyer ans\u00e4ssigen bayerischen Pfalz-Regierung &#8222;die Arretierung&#8220; angedroht wurde.<\/p>\n<p>Das Hambacher Fest 1832 und die folgenden Unterdr\u00fcckungsma\u00dfnahmen durch den Deutschen Bund und die bayerische Regiung forcierten die Auswanderung, bzw. Flucht nach Nordamerika. Unter den Emigranten waren der Speyerer Apotheker und Burschenschaftler Friedrich Braun (New York) und die Familie Ehinger (Cleveland).<\/p>\n<p>Nach dem Pf\u00e4lzer Aufstand von 1848\/49 folgten deren Mitb\u00fcrger Ludwig Arras, Heinrich Ballreich, Philipp Bauer, Ludwig Brunner, Eduard Flory, Eduard Heeren, Nikolaus und Georg Hollhorst, Franz Kohl, Nikolaus Ruppert, Johannes Schmidlhuber, Georg Sens und Albert Zimmermann. Sie fl\u00fcchteten ebenso \u00fcber Frankreich und die Schweiz in die USA wie der Pr\u00e4sident der provisorischen Regierung der Pfalz, der Speyerer Notar Joseph Martin Reichard (lie\u00df sich in Philadephia nieder).<\/p>\n<p>Nach dem B\u00fcrgerkrieg in den USA (1861 &#8211; 1865) wanderten Karl (Charles) und Franz Helfrich aus Speyer nach Cincinnati aus, in dem dortigen Stadtteil &#8222;Over the Rhine&#8220; wurde Franz Helfrich Gastwirt und Weinh\u00e4ndler. Es folgten mehrere Mitglieder der Speyerer Familie Bardua (Daniel, Margarethe, Carl).<\/p>\n<p>Wie nach dem Zweiten, kamen auch nach dem Ersten Weltkrieg viele Care-Pakete nach Speyer, abgeschickt meist von ehemaligen B\u00fcrgern. Und wie sp\u00e4ter, besuchten auch nach 1918 einige fr\u00fcherer Domstadt-Bewohner die alte Heimat. So Katharina Becker aus Elmhurst\/New York, Louis Danzel (San Franzisco), Julius Fabricius (Kingston\/New York, Alfred Reeb (New Jersey). In dieser Zeit zog es aber auch einige Speyerer in die USA. So Hans und K\u00e4the (Colchester\/Connecticut), Maximilian Ebel (Boston), Maria Joos) (Chicago), Mathilde Dauenhauer (Syracuse\/New York).<\/p>\n<p>Die Nazi-Repressalien zwangen auch Speyerer Juden zur Flucht. Emigrieren konnten der Rechtsanwalt Wilhelm Kahn und seine Frau (Hartford\/Connecticut), der Lehrer und Kantor Leo Waldbott samt Familie (Detroit), der Kaufmann Gustav Adler mit mehreren Geschwistern (New Orleans), der Musiker Dr. Karl Haas, der in Detroit eine popul\u00e4re Radiosendung moderierte und Alfred Cahn. Er machte Karriere als Musikdirektor und Komponist. Cahn besuchte 2000 seine alte Heimat, eingeladen von der Stadt Speyer und dem Historischen Verein der Pfalz.<\/p>\n<p>Wieviel Speyerer ihre Heimat nach dem 2. Weltkrieg in Richtung Ausland&nbsp; verlassen haben und wohin sie auswanderten, erschlie\u00dft sich nur unvollst\u00e4ndig. Zum einen f\u00fchrt die Stadt nach Auskunft ihrer Pressestelle dar\u00fcber nicht Buch und verweist an das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz. Das teilt mit, dar\u00fcber erst seit 2000 die Benachrichtigungen dar\u00fcber computerm\u00e4\u00dfig so erfasst zu haben, dass sie ohne gro\u00dfe M\u00fche mitgeteilt werden k\u00f6nnen. Allerdings sei nicht vermerkt, ob es sich bei den Abmeldungen um Auswanderungen oder l\u00e4nger-, bzw. kurzfristige Wegz\u00fcge handele.<\/p>\n<p>Somit ergibt sich: In den zw\u00f6lf Jahren zwischen 2000 und 2011 meldeten sich&nbsp; insgesamt 1285 Deutsche aus der Domstadt f\u00fcr einen st\u00e4ndigen oder zeitlich begrenzten Aufenthalt im Ausland ab. Der Spitzenwert wurde 2003 mit 190 Wegz\u00fcgen registriert. Bevorzugtes Ziel in diesen Jahren war Kanada mit 169 Vermerken vor der Schweiz (116), den USA (102) und Frankreich (71).<\/p>\n<p>Ziele mit unbekannter Dauer f\u00fcr jeweils einen oder eine Deutsche aus Speyer waren in diesen zw\u00f6lf Jahren die Slowakei, Kasachstan, Iran, Saudi-Arabien, Kuwait, Pakistan, Myanmar, Taiwan, Kuba, Costa Rica, Antigua&amp;Barbuda und Uruguay. &nbsp;<b>&#8211; Wolfgang Kauer (aus der Reihe: Stadtgeschichte(n) in der RHEINPFALZ, 2013), Bild: wikipedia (Henry Villard)<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meist aus zwei Gr\u00fcnden Speyer verlassen Wirtschaftliche und politische Zw\u00e4nge die Ursachen der Auswanderungen Hungersnot war die Hauptursache f\u00fcr Massenauswanderungen, die im 17. und 18. Jahrhundert die Pfalz zu entv\u00f6lkern drohten. Speyerer setzten sich meist erst sp\u00e4ter ab, auch aus wirtschaftlichen, aber auch aus politischen Gr\u00fcnden. 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