{"id":1112,"date":"2014-01-15T11:25:29","date_gmt":"2014-01-15T09:25:29","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1112"},"modified":"2014-01-20T11:47:19","modified_gmt":"2014-01-20T09:47:19","slug":"speyer-im-mittelpunkt-der-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1112","title":{"rendered":"Speyer im Mittelpunkt der Wissenschaft"},"content":{"rendered":"<p><b>Friedrich Magnus Schwerd zieht vor 150 Jahren zum Teil weltber\u00fchmte Kollegen an <\/b><\/p>\n<p>Das in den letzten Jahrzehnten mehr denn je\u00a0festefrohe Speyer war vor \u00fcber 150 Jahren Ort einer Veranstaltung, wie sie in dieser Bedeutung in der Pfalz nie wiederholt worden ist.<\/p>\n<p>Im Herbst 1861 hielt die heute um die 4000 Mitglieder gro\u00dfe Gesellschaft Deutscher Naturforscher und \u00c4rzte ihre 36. mehrt\u00e4gige Jahresversammlung in Speyer ab. Das war ein Ereignis, \u00fcber das Zeitungen und wissenschaftliche Bl\u00e4tter in ganz Deutschland berichteten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Rudolf_Virchow.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-1113\" alt=\"Rudolf_Virchow\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Rudolf_Virchow-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more-->Speyer als Tagungsort hatte einen bekannten F\u00fcrsprecher. Der als Arzt und Naturwissenschaftler in Berlin ber\u00fchmt gewordene Rudolf Karl Ludwig Virchow hatte die kleine Stadt am Rhein vorgeschlagen. Nicht etwa, weil Speyer damals die Verwaltungszentrale des bayerischen Rheinkreises Pfalz war, sondern weil ein ebenfalls bekannter Wissenschaftler hier lebte und wirkte. Friedrich Magnus Schwerd (1792 &#8211; 1871). Vielleicht aber auch, weil Virchow als ehemals M\u00e4rz-Revolution\u00e4r von 1848 die Stadt kennenlernen wollte, die von dem Pf\u00e4lzer Aufstand 1849 gepr\u00e4gt war.<\/p>\n<p>Schwerd, Mathematik- und Physikprofessor der K\u00f6niglichen Studienanstalt in Speyer (heute\u00a0 Gymnasium am Kaiserdom), hatte mit seinen Forschungen auf dem Gebiet der Erd- und Landvermessung (Geod\u00e4sie), Physik und Astronomie hohes Ansehen erworben. Virchows Vorschlag, die Tagung in &#8222;tiefer Provinz&#8220; abzuhalten, wurde vermutlich auch deswegen angenommen, weil K\u00f6nig Maximilian II. von Bayern dem in Osthofen geborenen Speyerer 1860 das Ritterkreuz I. Klasse des\u00a0 Verdienstordens vom Heiligen Michael verliehen hatte. Einen derart geehrten Kollegen zu haben,\u00a0 \u00fcberzieht jeden Verein mit Glanz.<\/p>\n<p>So folgten denn weitere teils weltbekannte Wissenschaftler dem Vorschlag Virchows, unter anderem die Chemiker Robert Bunsen,\u00a0 Justus Freiherr von Liebig und Friedrich W\u00f6hlert, die Botaniker Heinrich Zoller und Andreas Schimper, die Fachmediziner Matthias Volz und Caspar Max Brosius. Insgesamt fanden sich 611 Pers\u00f6nlichkeiten f\u00fcr eine Woche zum Wissens- und Informationsaustausch in Chemie, Physik, Geowissenschaft, Biologie, Medizin und Technik in Speyer ein.<\/p>\n<p>Schwerd nutzte die Gelegenheit, um den &#8222;Vereinskollegen&#8220; seine Entwicklungen in der Erd- und Landvermessung vorzustellen, die er als &#8222;Die kleine Speyerer Basis&#8220; bekannt gemacht hatte. Seine Erfindung wurde bis zu der in den 1960-ern eingef\u00fchrten Vermessung durch Satelliten angewendet.<\/p>\n<p>Speyer war von dem Besuch sehr angetan. B\u00fcrgermeister G. J. Haid unterzeichnete ein Inserat in dem &#8222;Anzeige-Blatt der Kreis-Hauptstadt Speyer&#8220; mit folgendem Text: &#8222;Unsere Stadt wurde von vielen auserkoren, die 36. Versammlung deutscher Naturforscher und \u00c4rzte in ihrer Mitte tagen zu sehzen. Der unterfertigte B\u00fcrgermeister ist \u00fcberzeugt, dass die gesamte Einwohnerschaft diese Ehre wohl zu sch\u00e4tzen wei\u00df und mit gewohnter Opferwilligkeit alles aufbieten wird, um durch \u00e4u\u00dferen Schmuck der H\u00e4user das Ihrige zur Verherrlichung der zu erwartenden festlichen Tage beizutragen&#8220;.<\/p>\n<p>In folgenden Artikel des besagen Blatts war von einem &#8222;verst\u00e4rkten Droschkendienst vom Bahnhof aus&#8220; zu lesen, von einem Ausflug im &#8222;Extrazug der Pf\u00e4lzischen Ludwigsbahn nach Neustadt an der Haardt&#8220; und von einem &#8222;von der Stadt ausgerichteten Feuerwerk beim eigens vorverlegten Gartenfest in Berghausen&#8220;. Die Vortr\u00e4ge der verschiedenen Fachschaften waren in &#8222;Volkschulhaus, Gewerbeschule und Lyceum&#8220;.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend schmeichelte Virchow der Stadt wie folgt: &#8222;Die Ortsauswahl lieferte den Beweis, das Pflege und Anbau der Wissenschaft heute nicht mehr an Universit\u00e4ten gebunden ist&#8220;. \u00a0<b>&#8211;<b>Wolfgang Kauer (aus der Reihe: Stadtgeschichte(n) in der RHEINPFALZ, 2013); Bild: wikipedia<\/b><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Friedrich Magnus Schwerd zieht vor 150 Jahren zum Teil weltber\u00fchmte Kollegen an Das in den letzten Jahrzehnten mehr denn je\u00a0festefrohe Speyer war vor \u00fcber 150 Jahren Ort einer Veranstaltung, wie sie in dieser Bedeutung in der Pfalz nie wiederholt worden ist. 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