{"id":1153,"date":"2014-02-04T08:34:57","date_gmt":"2014-02-04T06:34:57","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1153"},"modified":"2014-03-16T13:14:14","modified_gmt":"2014-03-16T11:14:14","slug":"das-zentrum-des-brezelfestes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1153","title":{"rendered":"Das Zentrum des Brezelfestes"},"content":{"rendered":"<p><b>115 Jahre Speyerer Festplatz &#8211; Historischer Unterbau<\/b><\/p>\n<p>Ab dem Brezelfest-Donnerstag l\u00f6st er die Maximilianstra\u00dfe f\u00fcr fast eine Woche wieder als Speyerer Bummel-Meile ab. Der Festplatz ist seit 115 Jahren das zeitweise meist betretene Gel\u00e4nde der Domstadt.<\/p>\n<p>Ohne viel Aufhebens hatte die Stadt 1898 beschlossen: Weg mit den zweimal j\u00e4hrlich aufgeschlagenen Messbuden vom heutigen alten Markplatz auf der Maximilianstra\u00dfe und hin mit ihnen auf das gerade aufgesch\u00fcttete, zuvor sumpfige Wiesengebiet der Klipfelsau.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Emering-Festplatz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-1155\" alt=\"Emering Festplatz\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Emering-Festplatz-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more-->Die Verlegung folgte aus zwei praktischen Gr\u00fcnden. Zum einen wurden die Messbuden immer mehr und begannen offenbar, das ruhige\u00a0 Leben der &#8222;Beamtenstadt&#8220; zu st\u00f6ren. Zum anderen war vor dem Marxdamm, sp\u00e4ter Karl-Leiling-Allee, endlich ein Gel\u00e4nde gefunden, das Steine und Bauschutt aus dem Rest der ehemals 21 Innenstadt- und 47 Vorstadt-T\u00fcrme sowie der Stadtmauern aufnehmen konnte.<\/p>\n<p>In der \u201eKleinen Stadtgeschichte\u201c von Fritz Klotz hei\u00dft es dazu: \u201eDa die napoleonischen Kriege den Stadts\u00e4ckel leer gemacht hatten, schlug 1816 der B\u00fcrgermeister Claus dem Stadtrat vor, die noch vorhandenen T\u00fcrme, Tore und Stadtmauern niederzurei\u00dfen und das Abbruchmaterial zu Geld zu machen. Von Fall zu Fall genehmigte das Landkommissariat derartige Abbrucharbeiten. Manches mag auch ohne Genehmigung abgerissen worden sein. 1820 gab es noch 16 Vorstadtt\u00fcrme, heute (um 1970; die Red.) sind es nur noch sechs\u201c.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter kam weiteres gebrauchtes Baumaterial hinzu: Reste der Brauerei &#8222;zur Sonne&#8220;. Sie wurde nach ihrem Verkauf 1897 abgerissen, um Platz zu machen f\u00fcr das Geb\u00e4ude des k\u00f6niglich-bayrischen Oberpostamtes, heute Postgalerie.<\/p>\n<p>Wurde anf\u00e4nglich nur ein Teil des neu erschlossenen Gel\u00e4ndes f\u00fcr die Mess&#8216; und ab 1910 auch f\u00fcr die Brezelfeste gebraucht, so breiten sich bei diesen Anl\u00e4ssen heute rund 100 Schausteller-Gesch\u00e4fte \u00fcber alle 40.000 Quadratmeter des Festplatzes aus. Au\u00dferhalb der Brezelfest-, Mess&#8216;- und Zirkuszeiten ist er mit 720 Stellpl\u00e4tze der gr\u00f6\u00dfte st\u00e4dtische Parkraum (Technikmuseum 1050). Nach dem Brezelfest 1995 wurde er geb\u00fchrenpflichtig.<\/p>\n<p>Im Laufe vieler Jahrzehnte \u00fcberstand der in den 1950-ern entw\u00e4sserte, neu befestigte, weitgehend\u00a0 asphaltierte und seitdem mehrmals sanierte Festplatz auch Ausstellungen, Tanzvergn\u00fcgen, Ballonaufstiege, Fu\u00dfballspiele, Radrennen, Autoslaloms, Reitturniere. Er bew\u00e4hrte sich auch bei Paraden, Aufm\u00e4rschen und Mitte der 1980-er bei der vor\u00fcbergehenden &#8222;Belagerung&#8220; durch rund 100 Sinti, die in 20 Autos mit Wohnanh\u00e4ngern aus dem K\u00f6lner Raum nach Speyer gezogen waren. Und er \u00fcberstand auch den vom Fernsehen live \u00fcbertragenen Gro\u00dfen Zapfenstreich zum Abschied des Bundeskanzlers Kohl.<\/p>\n<p>Von 1912 bis 1940 stand auf dem Festplatz eine 70 m lange und 30 m breite h\u00f6lzerne Halle. Der Speyerer Oberbaurat Collein hatte sie auf einer St\u00e4dtebau-Ausstellung in D\u00fcsseldorf entdeckt, die Stadt kaufte sie und lie\u00df sie auf dem Rhein nach Speyer kommen. Die Festhalle war Schauplatz von Ausstellungen, Versammlungen, S\u00e4ngerfesten und auch von Teilen des Brezelfestes. Bis Januar 1940. Da brannte sie vermutlich wegen eines \u00fcberhitzten Ofens ab und wurde nie ersetzt. &#8222;Der Festplatz hat an Weite und Sch\u00f6nheit gewonnen&#8220;, meinte die &#8222;Speyerer Zeitung&#8220; dazu.<\/p>\n<p>Einmal aber war der Festplatz-Ort in Frage gestellt. 1989 wollte ihn der Disterkreis (ein B\u00fcrgergremium mit Vorschl\u00e4gen zur Stadtentwicklung) auf das Gel\u00e4nde der von den Franzosen ger\u00e4umten Spahi-Kaserne verlegen. Nach Protesten aus der Bev\u00f6lkerung und vom Schaustellerverband blieb er da, wo er war und ist. \u00a0<b>-Wolfgang Kauer <b>(aus der Reihe: Stadtgeschichte(n) in der RHEINPFALZ, 2013); Bild: Emering<\/b><\/b><\/p>\n<div id=\"ShortCode_Div\">[osm_map lat=&#8220;49.314&#8243; lon=&#8220;8.445&#8243; zoom=&#8220;16&#8243; width=&#8220;600&#8243; height=&#8220;450&#8243; marker=&#8220;49.31441,8.44461&#8243; marker_name=&#8220;wpttemp-red.png&#8220; type=&#8220;Mapnik&#8220;]<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>115 Jahre Speyerer Festplatz &#8211; Historischer Unterbau Ab dem Brezelfest-Donnerstag l\u00f6st er die Maximilianstra\u00dfe f\u00fcr fast eine Woche wieder als Speyerer Bummel-Meile ab. Der Festplatz ist seit 115 Jahren das zeitweise meist betretene Gel\u00e4nde der Domstadt. 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