{"id":1336,"date":"2014-03-28T20:06:47","date_gmt":"2014-03-28T18:06:47","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1336"},"modified":"2014-03-28T20:08:14","modified_gmt":"2014-03-28T18:08:14","slug":"das-handbetriebene-karussell","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1336","title":{"rendered":"Das handbetriebene Karussell"},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\">\u201e<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>De Sauers Ferdnand\u201c\u00a0 war Besitzer einer &#8222;Reitschul&#8220; und ein Speyerer Original <\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Klein von Gestalt, doch als Schlitzohr gro\u00df war ein Original, dessen namentliche Erw\u00e4hnung bei \u00e4lteren Speyerern noch heute eine Mischung von Staunen, Schmunzeln und Mitleid ausl\u00f6st. Besonders zu den Zeiten der Fr\u00fchjahrs- und Herbstmessen erinnern sich noch manche Leute an \u201ede Sauers Ferdnand\u201c.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><!--more--><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Denn Ferdinand Sauer (1876 &#8211; 1956) ist vorwiegend als Besitzer einer \u201eReitschul\u201c bekannt geworden, und zwar einer von Hand betriebenen. Bewegte sich die von ihm in Anmeldungen an Beh\u00f6rden als \u201eKinderkettenfliegerkarussell\u201c beschriebene Ger\u00e4tschaft n\u00e4mlich nur dann, wenn sie von ein paar Schulbuben in Gang gesetzt wurde. F\u00fcr einige Pfennige kurzfristig engagiert, hatten sie sich im \u201eObergescho\u00df\u201c des Karussells gegen Querbalken zu stemmen und sie so lange im Kreis zu dr\u00fccken, bis es dem Besitzer f\u00fcr eine Tour genug d\u00fcnkte.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Gelegentlich pries er seine \u201eReitschul\u201c schriftlich als \u201ebeliebt und einzigartig\u201c an. Und versah zum Beispiel im Juli 1947 die Bewerbung f\u00fcr die Kerwe in Duttweiler mit dem Hinweis, \u201edas bei Alt und Jung unermessliche Freude ausl\u00f6sende Karussell\u201c solle von der Gemeinde selbst aufgestellt und von zwei bis vier Mann bewacht werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Mit \u201eFerdi Sauer, Diplom-Dolmetscher, staatlich gepr\u00fcfter Baader und Friseurmeister, anerkannter Hundetrimmer\u201c schloss er &#8211; neben dem nochmaligen Hinweis auf sein Karussell\u00a0 &#8211; den besagten Brief. \u201eEr ist charakteristisch daf\u00fcr, wie Sauer es verstand, Briefe zu schreiben\u201c hei\u00dft es dazu in einem 1983 in den Vierteljahresheften des Verkehrsvereins erschienenen Beitrag \u00fcber das Speyerer Original.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ziemlich besch\u00f6nigt zwar, doch im Grunde nicht geschwindelt war die Schlussanmerkung dieses Schreibens, in dem er zudem noch \u201eein kr\u00e4ftiges Mittagessen mit reichlich Fleisch und Naturwein, Nachmittagskaffee mit Milch und Sahne und Abendessen\u201c verlangte.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Denn der ab seinem achten Lebensjahr ohne Mutter (gestorben) und meist ohne Vater (als Wanderbarbier unterwegs) aufgewachsene Ferdinand Sauer hatte in der Tat Friseur gelernt. Den\u00a0 \u201eDiplom-Dolmetscher\u201c bezog der zeitweise Speyerer \u201eOrtsarme\u201c auf das Franz\u00f6sisch, das er bei der Fremdenlegion gelernt hatte. Und als Hundetrimmer versuchte er sich,\u00a0 weil sein Einkommen als Inhaber von nacheinander sechs Friseurl\u00e4den in Speyer nicht ausreichte. Das mit dem \u201eBaader\u201c bezog er vermutlich darauf, dass er zeitweise auch als \u201eHeilgehilfe\u201c zu ein wenig Geld kommen wollte. Der in seinen \u00e4lteren Jahren meist mit Hut, Zwicker und in einem abgeschabten Gehrock erscheinende schnauzb\u00e4rtige \u201eSauers Ferdnand\u201c kam 1905 zu seiner ersten \u00a0\u201eReitschul\u201c, vermutlich dank seiner zweiten Frau.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ferdinand Sauer war dreimal verheiratet und hatte insgesamt f\u00fcnf Kinder. Die Stadt Speyer verdankte ihm \u00fcber 60 Jahre hinweg eine Menge Bittbriefe, in denen sich \u201eUntert\u00e4nigkeit\u201c, Forderungen, Drohungen, Beschimpfungen und Entschuldigungen abwechselten und die in ihrem Formulierungen verbl\u00fcfften. &#8211;\u00a0<b><b>Wolfgang Kauer <b>(aus der Reihe: Stadtgeschichte(n) in der RHEINPFALZ, 2014)<\/b><\/b><\/b><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDe Sauers Ferdnand\u201c\u00a0 war Besitzer einer &#8222;Reitschul&#8220; und ein Speyerer Original Klein von Gestalt, doch als Schlitzohr gro\u00df war ein Original, dessen namentliche Erw\u00e4hnung bei \u00e4lteren Speyerern noch heute eine Mischung von Staunen, Schmunzeln und Mitleid ausl\u00f6st. 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