{"id":1556,"date":"2014-08-18T11:16:09","date_gmt":"2014-08-18T09:16:09","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1556"},"modified":"2014-08-18T11:21:24","modified_gmt":"2014-08-18T09:21:24","slug":"herrscherin-des-alten-marktplatzes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1556","title":{"rendered":"Herrscherin des alten Marktplatzes"},"content":{"rendered":"<p><b>&#8222;Alt&#8216; M\u00fcnz&#8220; und ehemaliges Kaufhaus &#8211; Nach Stadtbrand gebaut und 1749 bezogen<\/b><\/p>\n<p>Auf ihrer Webseite stellt die Speyerer Stadtverwaltung\u00a0 zehn bauliche Sehensw\u00fcrdigkeiten der Domstadt vor. Dazu geh\u00f6rt die &#8222;Alt&#8216; M\u00fcnz&#8220;. Als Kaufhaus vor 265 Jahren wieder errichtet, beherrscht das m\u00e4chtige Geb\u00e4ude in der Nachbarschaft zum Stadthaus den fr\u00fcheren Markplatz.<\/p>\n<p>&#8222;Das Bauwerk ist \u00fcber seine bau- und stadtgeschichtliche Bedeutung hinaus als Gestalt gebender Mittelpunkt in der\u00a0 Maximilianstra\u00dfe von hohem st\u00e4dtebaulichen Rang&#8220; hei\u00dft es in<!--more--> &#8222;Die Kunstdenkm\u00e4ler der Pfalz&#8220; von Bernhard H. R\u00f6ttger. Mindestens genau so oft wie das Haus selbst fotografieren Touristen eine Tafel \u00fcber einem der zwei Toreing\u00e4nge \u00fcber den Arkaden. Denn die Inschrift gew\u00e4hrt einen kurzen Einblick in die wechselvolle Geschichte der Stadt.<\/p>\n<p>Auf der 1852 angebrachten Tafel steht: &#8222;Hier stand die M\u00fcnz, in\u00a0 uralten Zeiten das Genossenschaftshaus der M\u00fcnzer und Hausgenossen weiland der reichst\u00e4dtischen Patrizier, von 1289 bis 1340 zu Rathversammlungen verwendet, zerst\u00f6rt 1689, an des alten Geb\u00e4udes Stelle ward erbaut das Kaufhaus 1748&#8220;. Die letzte Jahreszahl irritiert, denn sie bezieht sich auf den Baubeginn. Bezugsfertig war das Haus erst 1749.<\/p>\n<p>Das ist die Kurzfassung einer interessanten Vergangenheit, die einiges vom fr\u00fchen Speyerer Wirtschaftsleben offenbart. Denn dank k\u00f6niglicher Freibriefe und anderer Privilegien hatten die Speyerer Kaufleute viele Rechte. Unter anderem mussten alle auf dem Land- und Wasserweg an der Stadt vorbeif\u00fchrten Waren zun\u00e4chst einmal auf Stapelpl\u00e4tzen am Rhein und seinen Seitenarmen sowie in Kaufh\u00e4usern wie in der Hundsgasse (Gutenbergstra\u00dfe) und an der Ecke der heutigen Juden- und Pfaffengasse angeboten werden.<\/p>\n<p>Wie der Speyerer Kleinverleger Hermann G. Klein in einem Beitrag der Vierteljahreshefte des Verkehrsvereins darlegte, &#8222;trug sich der Rat der Stadt 1723 mit dem Gedanken, an Stelle des bauf\u00e4lligen alten Kaufhauses am Altp\u00f6rtel&#8220; (wohl an der Ecke zur heutigen Gutenbergstra\u00dfe) ein neues Kaufhaus bauen zu lassen. Das aber haute nicht hin. Weil &#8222;das gemeine Wesen nicht mit Geld bespannt war&#8220; &#8211; das Stadts\u00e4ckel war ziemlich geschrumpft, der vorsorglich erstellte Bauplan des\u00a0 Bauschaffners (st\u00e4dtischen Architekten) Christian Dathan damit hinf\u00e4llig.<\/p>\n<p>So dauerte bis 1748. Dann wurde der Platz der beim gro\u00dfen Stadtbrand 1689 schwer in Mitleidenschaft gezogenen &#8222;M\u00fcnz&#8220; f\u00fcr den Bau eines neuen Kaufhauses gew\u00e4hlt. Wer den Auftrag dazu erhielt, war lange nicht klar. Erst wurde\u00a0 der kurpf\u00e4lzische Hofbaumeister Sigismund Zeller genannt, dann stellt es sich heraus, da der 1746 neu eingestellt Johann Georg Pallant der\u00a0 Bauschaffner war.<\/p>\n<p>Die Bauarbeiten jedenfalls gingen flott voran. Unfreiwillige Helfer waren einige Metzgerknechte, die aus heute unbekanntem Grund zu \u00f6ffentlichen Arbeiten verurteilt worden waren.<\/p>\n<p>Bezogen wurde das zun\u00e4chst zweigeschossige Kaufhaus am 10. September 1749. Als die Pfalz 1798 franz\u00f6sisch wurde, verlor es seine Bedeutung als Mittelpunkt des Speyerer Handels. Das nunmehr alte, das hei\u00dft ehemalige Kaufhaus bekam nun wechselweise anderweitige Bedeutung. Als Gewerbeschule, Friedensgericht und Amt f\u00fcr die st\u00e4dtische Waage. Sp\u00e4ter zog das Oberpostamt f\u00fcr die Pfalz ein.<\/p>\n<p>Erst 1874 erhielt das Haus die heute bekannte Gestalt: Der st\u00e4dtische Baumeister Heinrich Jester stockte es um eine Etage auf. Was auf Kosten eines bildhauerischen Meisterwerks ging: Die 1748 auf Vinzenz M\u00f6hring geschaffene Fortuna musste weichen, die Statue steht heute im Historischen Museum. Der Umbau schaffte Raum f\u00fcr (1902) die Polizei im Erdgescho\u00df, die Stadtkasse im ersten und eine Frauenarbeitsschule im zweiten Obergeschoss. Sp\u00e4ter zogen die Stadtsparkasse, das Stadtbauamt und die Kfz-Zulassungsstelle ein. Heute sind in die Stadtk\u00e4mmerei und &#8211; im Erdgeschoss &#8211; drei Ladengesch\u00e4fte untergebracht.<\/p>\n<p>Aufgefrischt wurde die &#8222;Alte M\u00fcnz&#8220; in den Jahren 2001 und 2002. Der damalige Oberb\u00fcrgermeister Werner Schineller freute sich: &#8222;Die Sanierung l\u00e4sst die Pfeilerarkaden, die Sandsteingliederung im klassischen Formenkanon und die Hauptfassade mit ihrem klassischen Rollwerkgiebel und ihren Bildhauerarbeiten mit Figuren von Gottfried Renn und Johann Sch\u00e4fer wieder zur Geltung kommen.&#8220;<\/p>\n<p>Was selbst manche Speyerer nicht wissen: Das pr\u00e4chtige Haus hat auch eine &#8222;Unterwelt&#8220;. Eine ziemlich feuchte. Flie\u00dft doch unter der &#8222;Alten M\u00fcnz&#8220; der kanalisierte Speyerbach durch &#8211; in Richtung Hasenpfuhl. Dort vereinigt er sich mit dem zum Nonnenbach gewordenen Woogbach und flie\u00dft nun zum Rhein. &#8211; Wolfgang Kauer\/DIE RHEINPFALZ 2014<\/p>\n<p>[osm_map lat=&#8220;49.318&#8243; lon=&#8220;8.437&#8243; zoom=&#8220;17&#8243; width=&#8220;600&#8243; height=&#8220;450&#8243; marker=&#8220;49.31746,8.43735&#8243; marker_name=&#8220;wpttemp-green.png&#8220; type=&#8220;Mapnik&#8220;]<\/p>\n<p><span style=\"color: #333333; font-family: sans-serif; font-size: 12px; line-height: 16.799999237060547px; background-color: #f5f5f5;\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Alt&#8216; M\u00fcnz&#8220; und ehemaliges Kaufhaus &#8211; Nach Stadtbrand gebaut und 1749 bezogen Auf ihrer Webseite stellt die Speyerer Stadtverwaltung\u00a0 zehn bauliche Sehensw\u00fcrdigkeiten der Domstadt vor. Dazu geh\u00f6rt die &#8222;Alt&#8216; M\u00fcnz&#8220;. 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