{"id":167,"date":"2012-06-27T20:22:32","date_gmt":"2012-06-27T18:22:32","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/?p=167"},"modified":"2020-05-17T08:17:00","modified_gmt":"2020-05-17T06:17:00","slug":"der-tafelsbrunnen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=167","title":{"rendered":"Der Tafelsbrunnen"},"content":{"rendered":"<p>Der Tafelsbrunnen zwischen Speyer und Berghausen war fr\u00fcher ein beliebtes Ausflugsziel der Speyerer Bev\u00f6lkerung. Im Laufe der Jahre hat sich aber viel ge\u00e4ndert. Man muss aber dankbar anerkennen, dass die Brunnenanlage selbst in gutem Zustand ist. Eine \u00dcberdachung mit Sitzm\u00f6glichkeiten bietet sich zur willkommenen Rast an.<\/p>\n<div><a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Tafelsbrunnen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Tafelsbrunnen\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Tafelsbrunnen-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"><\/a><\/div>\n<p>Der verdiente Speyerer Flurnamenforscher Gymnasialprofessor Dr. Engelhardt konnte nachweisen, dass der Tafelsbrunnen im Mittelalter St.-Afra-Brunnen hie\u00df \u2013 in der N\u00e4he stand ja einst eine Kapelle zu Ehren von St. Ulrich und St.Afra (der Flurnamen \u201chinter St. Ulrich\u201d erinnert daran) \u2013 und urkundlich 1295 zum ersten Male genannt wird (N\u00e4heres bei Engelhardt: Geschichtliche Erinnerungen). Von der Quelle erz\u00e4hlt eine fromme Legende: Der hl. Servatius (zwischen 348 und 384, Bischof von Tongern) habe, \u201cals er in der Speyerer Mark durch brennenden Durst gequ\u00e4lt wurde, mit dem Finger ein Kreuzzeichen auf die Erde gemacht, worauf eine lebendige Quelle aus dem Boden sprudelte, welche von da an nie versiegte\u201d (nach Joh. Geissel). Der Speyerer Geschichtsschreiber Wilhelm Eysengrein (1564), der zum ersten Mal von dieser Legende berichtete (ohne allerdings, wie das bei ihm \u00fcblich ist, eine Quelle anzugeben), gab aber keine n\u00e4her bezeichnete \u00d6rtlichkeit an, und so brachte man den hl. Servatius, da es in neuerer Zeit in der Speyerer Gemarkung au\u00dfer dem Tafelsbrunnen keine Quelle mehr gab, mit ihm in Verbindung. Bemerkenswert ist der Fund einer r\u00f6mischen M\u00fcnze: \u201c1894 gefunden beim Tafelsbrunnen\u201d. Die M\u00fcnze tr\u00e4gt die Aufschrift: \u201cSabina Augusta Hadriani Augusti\u201d. Sie war also zu Ehren der Kaiserin Sabina, der Gemahlin Hadrians (117-138), gepr\u00e4gt worden.<br \/>\nIn einem Vortrag, den Dr. Engelhardt 1911 \u00fcber die Speyerer Flurnamen hielt, f\u00fchrte er u.a. \u00fcber den Tafelsbrunnen aus: \u201cDie Benennung nach St. Afra war zur Verdr\u00e4ngung der Erinnerung an die heidnische G\u00f6ttin, die hier die Seelen der kleinen Kinder barg, bis sie der Storch der gl\u00fccklichen Ehefrau zutrug, nur n\u00fctzlich\u201d. Sp\u00e4ter kam Dr. Engelhardt offenbar von dieser Meinung ab. Wie dem auch sei, jedenfalls behaupten die Speyerer, der Storch w\u00fcrde die neugeborenen Kinder am Tafelsbrunnenweiher \u2013 er liegt unterhalb der Quelle und wird von ihr gespeist \u2013 holen.<\/p>\n<div><a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Tafelsbrunnenauslass.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Tafelsbrunnenauslass\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Tafelsbrunnenauslass-300x206.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"206\"><\/a><\/div>\n<p>Wer sich die M\u00fche macht und den Tafelsbrunnen aufsucht, findet \u00fcber den drei Brunnenr\u00f6hren die Jahreszahl 1857 eingemei\u00dfelt. Wie kam es dazu? Das beliebteste Ausflugsziel in damaliger Zeit war Berghausen, \u201cda sich hier eine Gartenanlage im englischen Geschmack befindet, die in der Tat des Besuches in ihrer reizenden, idyllischen Lage wert ist, wie denn auch das Wirtshaus dabei nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4sst\u201d (August Becker: Pfalz und Pf\u00e4lzer \u2013 1857). Der Weg zur Mattern\u2019schen Wirtschaft (sp\u00e4ter \u201cPf\u00e4lzer Hof\u201d) \u2013 diese meinte August Becker n\u00e4mlich \u2013 war f\u00fcr manche stattliche Speyerer B\u00fcrgerfamilie schon weit und der Durst oft gro\u00df. Da half nun der Tafelsbrunnen auf dem Wege aus: dem einen schenkte er ein klares, k\u00fchles Nass, dem anderen gew\u00e4hrte er beschauliche Ruhe.<br \/>\nDamals lebte in Speyer ein wohlhabender Junggeselle, der Stadtrat und Gutsbesitzer Daniel Friedrich Heppenheimer (1798-1860). In einer Stadtratssitzung (1855) hatte er den Vorschlag gemacht, man m\u00f6ge das Wasser des Tafelsbrunnens zum K\u00f6nigsplatz leiten und dort einen Laufbrunnen zu Ehren K\u00f6nig Ludwigs I. von Bayern errichten. Die notwendigen Gelder k\u00f6nnte man durch eine Subskription unter den B\u00fcrgern aufbringen. Er selbst erbot sich, zu diesem Zweck 500 Gulden zu geben. Das war in jener Zeit eine ansehnliche Summe.<br \/>\nDie Stadtr\u00e4te waren nicht abgeneigt, holten aber zuerst ein Gutachten des bekannten Speyerer Mathematikers Schwerd ein. Dieser teilte dem Stadtrat mit, dass nach seiner Messung vom Jahre 1822 \u2013 Schwerd begann seine Messung zur kleinen Speyerer Basis \u201cauf dem Damme, welcher von dem sogenannten Davidsbrunnen bis zum Rheindamme hinzieht\u201d \u2013 das Pflaster des Altp\u00f6rteldurchganges 4,32 Meter h\u00f6her liege als die mittlere Ausflussr\u00f6hre des Tafelsbrunnens (1820 bezeichnete ihn Schwerd als Davidsbrunnen!). Da bekanntlich Wasser nicht den Berg hinaufl\u00e4uft und es damals weder Wasserwerk noch Wasserturm gab, wurde dieser Plan fallengelassen. Heppenheimer erbot sich nun, \u201cdiese Summe von 500 Gulden zur Versch\u00f6nerung an dem Tafelsbrunnen selbst zu verwenden, wann es der Stadtrat genehmigt, demselben den Namen Ludwigs-Tafelsbrunnen zu geben\u201d. Diesem Plan stimmte der Stadtrat einstimmig zu. Damit nun die Quelle und Umgebung ihrem neuen Namen auch entspr\u00e4che, hatte Heppenheimer einen Plan und Kostenvoranschlag fertigen lassen. In einem weiteren Angebot versprach er sogar 700 Gulden, wenn die Stadt diese \u201cPl\u00e4ne so schnell als m\u00f6glich ausf\u00fchre\u201d und ihm die Mitwirkung bei der Ausf\u00fchrung gestatte.<br \/>\nNach einem Sitzungsprotokoll vom 26.8.1856 war \u201cein Teil der projektierten Arbeiten\u201d schon zur Ausf\u00fchrung gekommen, ohne dass man \u201cfeststellen konnte, wer eigentlich diese Ausf\u00fchrungen angeordnet hatte\u201d. Offenbar hatte Heppenheimer von sich aus mit den Arbeiten begonnen.<br \/>\nIn einer weiteren Sitzung legte Heppenheimer einen Plan samt Kostenvoranschlag von 1449 Gulden vor. Er meinte dazu, die Stadt k\u00f6nnte 500 Gulden geben und den Rest von 249 Gulden auch \u00fcbernehmen. Der Stadtrat war damit einverstanden und \u00fcbertrug ihm die Leitung der Arbeiten. Die Regierung genehmigte am 15.1.1857 den Kostenvoranschlag und bestimmte, dass \u201cdie Arbeiten auf st\u00e4dtischen Kosten zur Ausf\u00fchrung\u201d zu bringen seien. Sie erm\u00e4chtigte die Stadt, \u201cdas Anerbieten des Stadtratsmitgliedes Heppenheimer nach vollzogener Herstellung dieser Arbeiten, die Summe von 700 Gulden in die Stadtkasse einzuschie\u00dfen\u201d anzunehmen und \u201cwenn der Stadtrat beabsichtigen wollte, dem Tafelsbrunnen in Zukunft den Namen Ludwigsbrunnen beizulegen, so sieht man einem weiteren wohlmotivierten Antrage derselben entgegen\u201d. Die Rechnungsb\u00fccher der Stadt geben einigen Aufschluss \u00fcber die Ausgestaltung der Brunnenanlage. Im Rechnungsbuch 1856\/57 wird zum Beispiel unter \u201cAu\u00dferordentlichen Ausgaben\u201d angef\u00fchrt: \u201c1. Heppenheimer Friedrich als Leiter der Arbeiten am Tafelsbrunnen \u2013 132 Gulden (im folgenden Text abgek\u00fcrzt \u2013 fl). Weitere Auslagen entstanden durch die Einebnung des umliegenden Gel\u00e4ndes und die Herstellung eines \u201cAbtritts\u201d. Die Planierungsarbeiten erledigten \u201cSchopp, Bausch und Consorten\u201d. Im ganzen wurden in diesem Rechnungsjahr 285 fl verausgabt. Das Rechnungsbuch des Jahres 1857\/58 f\u00fchrt unter \u201cVersch\u00f6nerung des Tafelsbrunnens\u201d an: \u201cStegmayer Matthias, Zimmermann, f\u00fcr die Ausf\u00fchrung der Zimmermannsarbeiten an der Vorhalle des Tafelsbrunnens 108 fl, W\u00fcst Andreas, Blecharbeiter, f\u00fcr Blecharbeiten an der Trinkhalle 123 fl, Lang Matthias, Maurer, f\u00fcr Maurerarbeit 882 fl, Hollinger Wilhelm, Maurer, f\u00fcr Arbeiten an der Vorhalle 11 fl, Guttermann Jakob, Schlosser, f\u00fcr Beschlag an der Abtrittt\u00fcr 1 fl, Wingerter Konrad, T\u00fcncher, f\u00fcr \u00d6lfarbanstrich des Abtritts 1 fl, Weber Christian, Schreiner, f\u00fcr eine Sitzbank 5 fl. Im ganzen wurden in diesem Rechnungsjahr f\u00fcr den Tafelsbrunnen 1135 Gulden und 2 Kreuzer ausgegeben. Nach einer bei den Akten liegenden Rechnung erhielt der Schlosser Friedrich Steinbauer f\u00fcr die Herstellung von \u201cdrei R\u00f6hren mit St\u00fctzen\u201d 12 fl. Der Zahn der Zeit hat seine kunstvolle Arbeit zerst\u00f6rt. Sie wurde aber durch eine neue ersetzt.<br \/>\nIm letzten Krieg wurde die Trinkhalle \u2013 man brauchte Alteisen \u2013 abgerissen.<br \/>\nHeute steht dort ein aus Holz gebauter Pavillon mit Sitzgelegenheit und l\u00e4dt wieder zur Rast ein.<\/p>\n<p>Quelle: Beitr\u00e4ge zur Speyerer Stadtgeschichte Heft 1, Fritz Klotz, Stadtgeschichtliche Miszellen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tafelsbrunnen zwischen Speyer und Berghausen war fr\u00fcher ein beliebtes Ausflugsziel der Speyerer Bev\u00f6lkerung. Im Laufe der Jahre hat sich aber viel ge\u00e4ndert. Man muss aber dankbar anerkennen, dass die Brunnenanlage selbst in gutem Zustand ist. Eine \u00dcberdachung mit Sitzm\u00f6glichkeiten bietet sich zur willkommenen Rast an. Der verdiente Speyerer Flurnamenforscher Gymnasialprofessor Dr. Engelhardt konnte nachweisen, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-167","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-stadtgeschichte"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/167","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=167"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/167\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3083,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/167\/revisions\/3083"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=167"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=167"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=167"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}