{"id":1681,"date":"2014-10-29T14:29:19","date_gmt":"2014-10-29T12:29:19","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1681"},"modified":"2014-10-29T14:29:19","modified_gmt":"2014-10-29T12:29:19","slug":"heidenturm","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1681","title":{"rendered":"Heidenturm"},"content":{"rendered":"<p><strong>Heidenturm\u00a0<\/strong>(1768); Heident\u00fcrmlein (1773). Das &#8222;T\u00fcrmlein hinter der Pfaffenstube&#8220; wird erstmals 1546 genannt, ist auch bei Sebastian M\u00fcnster (1550) und auf dem Kl\u00fcpfelsauplan von 1574 zu sehen. Wegen seiner malerischen Form fehlt es auf keiner Ostansicht der Stadt. Auch der Stadtplan von 1730 zeigt es in einer Vogelschau-Ansicht, die Legende f\u00fchrt es aber nicht auf. Selbst das gewissenhafte Inventar von 1611 erw\u00e4hnt den Turm mit keinem Wort, genausowenig wie die Turmliste in den Speierer Mannigfaltigkeiten von 1783. Kurz, dieser langezeit namenlose Turm war h\u00fcbsch anzusehen, aber unwichtig.<\/p>\n<p>1768 hei\u00dft es erstmals &#8222;das Heidenth\u00fcrnlein&#8220;. &#8222;Die Heydenth\u00fcrnlein ist ein uraltes Monument&#8220;, sagt Becker, und auch Friedrich Blaul berichtet: Man &#8222;h\u00e4lt es f\u00fcr das \u00e4lteste Geb\u00e4ude der Stadt&#8220;. Und das neben dem Dom! Eine Sage erkl\u00e4rt den Namen; Blaul hat sie bei seiner Reise von 1836 nach der Erz\u00e4hlung eines alten Mannes aufgezeichnet: Ein Riese mit seinem Weib, zwei Heiden also, h\u00e4tten sich vorzeiten hier niedergelassen und den Turm gebaut. Die zweite Namenserkl\u00e4rung stammt wohl von Konrad Engelhardt. Das Vorland des Turms, diesseits vom Spich und jenseits, auf der Kl\u00fcpfelsau, sei urspr\u00fcnglich w\u00fcstes, vom Hochwasser versumpftes Land, also eine Heide gewesen. Engelhardt datiert den Bau ins 12. Jahrhundert. Abgesehen davon, dass die drei gr\u00f6\u00dferen Nachbart\u00fcrme derselben &#8222;Heide&#8220; gegen\u00fcberlagen, war dort zur Bauzeit des T\u00fcrmchens geordnetes Wiesenland, zum Beispiel &#8222;Kl\u00fcpfels Au&#8220;, und nicht st\u00e4rker hochwassergef\u00e4hrdet, als die anderen Wiesen der Rheinniederung.<\/p>\n<p>Eine angemessenere Deutung ber\u00fccksichtigt, dass der Turm noch im 17. Jahrhundert namenlos war. Die Zeitgenossen der anschlie\u00dfenden Aufkl\u00e4rung interessierten sich lebhaft f\u00fcr das Alte; sie vermuteten in vielen Bauten und Fundst\u00fccken R\u00f6misches, also Heidnisches, und vergriffen sich noch ma\u00dflos beim Datieren. Man braucht nun beim Heidenturm nur die beiden &#8222;uralten&#8220; Kopfkonsolen (an der Feldseite) als Leitbilder f\u00fcr die Sage aufzufassen, dann sieht man, wie Heide und Heidin, jeder f\u00fcr sich, ein zierliches Treppent\u00fcrmchen tragen; man hat wortw\u00f6rtlich\u00a0<strong>zwei\u00a0<\/strong>Heident\u00fcrmlein vor sich. Johannes Becker jedenfalls kannte 1773 die Legende schon, denn ersagt in der Stadtbeschreibung ausnahmslos (achtmal) &#8222;die Heydenth\u00fcrnlein&#8220;. Der Plural ist ungew\u00f6hnlich: Er kann nur von den beiden flankierenden &#8222;Stiegenth\u00fcrnlein&#8220; und von deren Kopfkonsolen herr\u00fchren. Im Altp\u00f6rtel ruhten die Gew\u00f6lberippen der Durchfahrt ebenfalls auf Figurenkonsolen, bei anderen Toren wohl auch; nur hatten diese T\u00fcrme l\u00e4ngst feste Namen.<\/p>\n<p>Das Speyerer Heident\u00fcrmchen verl\u00e4ngert die Liste der Heidenmauern, Heident\u00fcrme, Heidenw\u00e4lle usw. um ein besonderes Beispiel, indem &#8211; zweifellos mehr poetisch, als ernst gemeint &#8211; sogar ein gotischer Bau in die Vorzeit datiert ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heidenturm\u00a0(1768); Heident\u00fcrmlein (1773). Das &#8222;T\u00fcrmlein hinter der Pfaffenstube&#8220; wird erstmals 1546 genannt, ist auch bei Sebastian M\u00fcnster (1550) und auf dem Kl\u00fcpfelsauplan von 1574 zu sehen. Wegen seiner malerischen Form fehlt es auf keiner Ostansicht der Stadt. Auch der Stadtplan von 1730 zeigt es in einer Vogelschau-Ansicht, die Legende f\u00fchrt es aber nicht auf. 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