{"id":1706,"date":"2014-12-08T08:44:24","date_gmt":"2014-12-08T06:44:24","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1706"},"modified":"2014-12-08T08:44:24","modified_gmt":"2014-12-08T06:44:24","slug":"ueberblick-und-system-fuer-die-turmnamen-der-innenstadt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1706","title":{"rendered":"\u00dcberblick und System f\u00fcr die Turmnamen der Innenstadt"},"content":{"rendered":"<p>Bei den 22 Namen f\u00fcr die Innent\u00fcrme k\u00f6nnen wir unterscheiden nach<\/p>\n<ul>\n<li>Nachbarschaft von Kirchen (Heiligennamen),<\/li>\n<li>einem b\u00fcrgerlichen Nachbarn,<\/li>\n<li>der Lage,<\/li>\n<li>Geschichte, Funktion, Aussehen,<\/li>\n<li>einer Zunft oder Personengruppe (Juden).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei f\u00fcnf T\u00fcrmen waren neuere Zunftnamen gegen die Heiligen- und Personennamen entweder gar nicht (Eyrich, St.Guido, St. Nikolaus) oder nur teilweise angekommen (Uto, Alle Heiligen). Dass au\u00dferdem der Rote Turm nicht zum Weberturm wurde, zeigt, wie alt und angepasst der Name war.<\/p>\n<p>In den Zunftlisten von 1327, 1352, 1377, 1432, 1514, 1553 und im Inventar von 1611 wechseln Z\u00fcnfte immer wieder ihre Pl\u00e4tze; bei dem B\u00fcrgerstolz der damaligen Zeit war die Platznummer keineswegs beliebt, sondern Abbild des zahlen- oder umsatzm\u00e4\u00dfigen Ranges. Beim Vergleich dieser Listen mit den acht zunftabh\u00e4ngigen Turmnamen zeigt sich zun\u00e4chst keinerlei Kongruenz. Nat\u00fcrlich ist auch nicht zu erwarten, dass die erste T\u00fcrmung der Z\u00fcnfte, die Christoph Lehmann f\u00fcr das Jahr 1470 meldet, mit dem Altp\u00f6rtel begonnen h\u00e4tte und im Uhrzeigersinn fortgeschritten w\u00e4re, wie unsere Liste der 22 Innenstadtt\u00fcrme.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Innenstadtt\u00fcrme.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1708\" alt=\"Innenstadtt\u00fcrme\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Innenstadtt\u00fcrme-201x300.jpg\" width=\"201\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Innenstadtt\u00fcrme-201x300.jpg 201w, http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Innenstadtt\u00fcrme-687x1024.jpg 687w\" sizes=\"auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Man hat also irgendwann die Z\u00fcnfte auf die Turmreihe verteilt, in Reihenfolge der in diesem Jahre X gerade g\u00fcltigen Rangliste. Bei acht T\u00fcrmen wurde die Verteilung des Jahres X namensbildend, bei anderen kennen wir die T\u00fcrmung f\u00fcr das Jahr 1611 und nehmen an, dass sie auch im Jahre X so war. Finden wir den richtigen Anfang, so k\u00f6nnen wir umgekehrt aus unserer Reihe der 22 Turmnamen die im Jahre X gerade g\u00fcltige Zunftliste abgreifen.<\/p>\n<p>Am Weidenp\u00f6rtel begann die Zuweisung. Eine Reihe von Z\u00fcnften schied dabei aber von vornherein aus; sie waren schon gesetzt. Z\u00fcnfte, die sich aus einem Stadtviertel benannten, blieben bei ihrem &#8222;Haus-Turm&#8220;, also die Lauer beim Lauerturm, die Salzg\u00e4ssler beim Salzturm. \u00c4hnliches galt auch f\u00fcr die Vorst\u00e4dte; ihre Z\u00fcnfte waren im Alarmfall dorthin ausgesperrt, also die G\u00e4rtner (Gilgenvorstadt), Altspeyerer, Hasenpf\u00fchler, Fischer (Marxenvortsadt). Ein Sonderfall war der Armbrusterturm, wo der st\u00e4dtische Zeugmeister sa\u00df. Hier d\u00fcrften die M\u00fcnzer und Hausgenossen ein Vorrecht aus der Zeit vor 1349 beibehalten haben, als sie noch allein das Stadtregiment innehatten und nicht nur die Nummer eins unter 13 anderen Z\u00fcnften waren.<\/p>\n<p>Gehen wir also, diesmal entgegen des Uhrzeigersinns, die T\u00fcrme der Innenstadt vom Weidenp\u00f6rtel ab durch:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Tabelle-Tuerme.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1730\" alt=\"Tabelle Tuerme\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Tabelle-Tuerme-1024x935.jpg\" width=\"530\" height=\"483\" srcset=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Tabelle-Tuerme-1024x935.jpg 1024w, http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Tabelle-Tuerme-300x274.jpg 300w, http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Tabelle-Tuerme.jpg 1893w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der Schneiderzunft k\u00f6nnen wir annehmen, sie sei urspr\u00fcnglich ans Neup\u00f6rtel get\u00fcrmt worden. Sp\u00e4ter muss sich die Ordnung ge\u00e4ndert haben; 1611 jedenfalls waren die Schneider dem Nikolausturm zugeordnet. Den hatte man wohl zun\u00e4chst ebenso \u00fcbergangen, wie seine Nachbarn Tr\u00e4nktor und Holztor. Im Tr\u00e4nktor wohnte ein Turmwart, im Holztor 1430 ein Oleier. Die Metzger wurden nach Aufgabe des Metzgerturms zun\u00e4chst auf den Turm im Maulbronner Garten umgesetzt; nach dessen Umr\u00fcstung zum Pulverturm kamen sie auf das Neup\u00f6rtel (1611).<\/p>\n<p>Da man ja weit mehr T\u00fcrme als verf\u00fcgbare Z\u00fcnfte hatte, musste man bei der Zuordnung einige T\u00fcrme \u00fcberspringen. Sie blieben aber nicht unbesetzt, sondern wurden mitbetreut. Das ist beim Holzturm greifbar, f\u00fcr den offenbar die Oleier sorgten; sie geh\u00f6rten als Teilgruppe zu den Salzg\u00e4sslern im Salzturm. Beim Judenturm ist es ebenfalls zu sehen, denn er war 1611 in Obhut der B\u00e4cker; freilich hatten sie im benachbarten B\u00e4ckerturm den Schustern weichen m\u00fcssen, als der Schusterturm im Halben Dach Pulvermagazin wurde.<\/p>\n<p>Viele T\u00fcrme hatten bestallte T\u00fcrmer, besonders die Gef\u00e4ngnist\u00fcrme Altp\u00f6rtel, Roter Turm, Judenturm, Salzturm und Neup\u00f6rtel, aber auch Eurichsturm, Weidenp\u00f6rtel, Tr\u00e4nktor, Utenturm, Schmiedturm und Rheinp\u00f6rtel. In einigen wohnten Handwerker: Holzturm, Nikolausturm, Armbrusterturm. Die Zuweisung einer Zunft hing davon nicht grunds\u00e4tzlich ab. Die T\u00fcrme waren ja nicht nur Wachstationen, sondern vor allem Sammel- und Waffenpl\u00e4tze.<\/p>\n<p>L\u00f6sen wir aus obiger Aufstellung unsere Zunftliste zum Jahre X heraus! Die Folge hei\u00dft: Kr\u00e4mer &lt; Weber &lt; Tucher &lt; Schmiede &lt; Metzger &lt; Zimmerer &lt; K\u00fcrschner &lt; Schneider &lt; B\u00e4cker. Fest liegen die <strong>M\u00fcnzer und Hausgenossen<\/strong>, die\u00a0<strong>Salzg\u00e4ssler<\/strong>, die\u00a0<strong>Lauer<\/strong> und, an sie als Halbzunftgenossen gekoppelt, die\u00a0<strong>Schuster<\/strong>. Aus der Innenstadt ausgeschlossen sind die G\u00e4rtner, die Hasenpf\u00fchler, die Fischer. Die Altspeyerer kommen als Zunft gar nicht mehr vor.<\/p>\n<p>Schon an den Zunftnamen sieht man, dass hier keine Liste aus dem 14. Jahrhundert zugrunde liegen kann. 1432hatte man n\u00e4mlich alle Berufsgruppen neu in zw\u00f6lf Hauptz\u00fcnfte eingeordnet, in acht ganze und acht halbe Z\u00fcnfte. 1470, bei der ersten Turmzuweisung, war es auch noch so und es blieb bis zuletzt; nur die Rangordnung wechselte.<\/p>\n<p>Keine der \u00fcberlieferten Zunftlisten von 1432, 1514, 1553 passt ohne Retusche zu unserer Turmliste. V\u00f6llig aus der Reihe fallen die Schneider auf dem Nikolausturm, wie 1611, zwischen K\u00fcrschnern und B\u00e4ckern. Unter der Annahme, ihr Platz sei das Neup\u00f6rtel gewesen, r\u00fccken sie zwischen Tucher und Schmiede; und pl\u00f6tzlich haben wir eine Zunftliste vor uns, die genau zwischen jene von 1514 und 1553 passt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Tabelle-Tuerme-02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1744\" alt=\"Tabelle Tuerme 02\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Tabelle-Tuerme-02-1024x679.jpg\" width=\"530\" height=\"351\" srcset=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Tabelle-Tuerme-02-1024x679.jpg 1024w, http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Tabelle-Tuerme-02-300x199.jpg 300w, http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Tabelle-Tuerme-02.jpg 1857w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Als einzige Inkongruenz beim Vergleich mit der Liste von 1514 bleibt das Paar Schmiede\/Metzger. Mit der naheliegenden Annahme, die Schmiede und die Zimmerer h\u00e4tten ihren Rang vom Jahre 1514 nicht gleichzeitig um einen verbessert, sondern zun\u00e4chst, etwa im Jahre 15XX, die Schmiede und danach erst, etwa 1553, die Zimmerer, lie\u00dfe sich diese Unebenheit erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Jene Zunftliste, nach welcher die acht noch freien Innenstadtt\u00fcrme so von Dauer verteilt wurden, dass sie f\u00fcr deren Namensbildung ma\u00dfgeblich war, stammt aus der Zeit zwischen 1514 und 1553. Die f\u00fcr 1470 erstmals berichtete, uns im einzelnen unbekannte Verteilung der T\u00fcrme auf die Z\u00fcnfte hatte sich also nach einigen \u00c4nderungen in der ersten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts eingependelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei den 22 Namen f\u00fcr die Innent\u00fcrme k\u00f6nnen wir unterscheiden nach Nachbarschaft von Kirchen (Heiligennamen), einem b\u00fcrgerlichen Nachbarn, der Lage, Geschichte, Funktion, Aussehen, einer Zunft oder Personengruppe (Juden). Bei f\u00fcnf T\u00fcrmen waren neuere Zunftnamen gegen die Heiligen- und Personennamen entweder gar nicht (Eyrich, St.Guido, St. Nikolaus) oder nur teilweise angekommen (Uto, Alle Heiligen). 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