{"id":1788,"date":"2015-02-10T18:58:58","date_gmt":"2015-02-10T16:58:58","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1788"},"modified":"2015-02-10T18:59:34","modified_gmt":"2015-02-10T16:59:34","slug":"als-der-oberbuergermeister-den-notstand-ausrief","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1788","title":{"rendered":"Als der Oberb\u00fcrgermeister den Notstand ausrief"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hochwasser 1955: Bei einem Rhein-Pegel von 8,67 m Teile von Speyer unter Land &#8211; Internationale Hilfe<\/strong><\/p>\n<p>Vater Rhein geb\u00e4rdet sich immer wieder einmal wild, aber derzeit bleibt er brav in seinem Bett. Der Speyerer Pegel zeigt Mittelwasser an, das sind <!--more-->nicht ganz vier Meter. Das war vor 60 Jahren anders die Stadt stand kurz vor einer Katastrophe.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzliches Tauwetter und starker Regen hatten\u00a0 die von Main und Neckar gef\u00fchrten Wassermassen den Rhein bis s\u00fcdlich Speyer gestaut. Dazu kamen die von einem Orkan begleitetem, geradezu gewaltigen Niederschl\u00e4ge im Schwarzwald. Der Strompegel stieg \u00fcber 8,55 m auf 8,67 m,\u00a0 Teile des Hasenpfuhls und andere niedrig gelegene Stadtgebiete waren \u00fcberflutet. In der Nacht vom 16. auf 17. Januar 1955 rief Oberb\u00fcrgermeister Paulus Skopp den \u00f6ffentlichen Notstand aus.<\/p>\n<p>Der wurde mit Sirenengeheul angek\u00fcndigt und \u00fcber Lautsprecherwagen verk\u00fcndet. In Band III der &#8222;Geschichte der Stadt Speyer&#8220; wird Skopps &#8222;polizeiliche Anordnung&#8220; so wiedergegeben: &#8222;Zur Abwendung der durch das Hochwasser der Bev\u00f6lkerung der Stadt Speyer drohenden Gefahren ordne ich den sofortigen Einsatz aller \u00fcber 18 Jahre alten arbeitsf\u00e4higen M\u00e4nner der Stadt an&#8220;. Das f\u00fchrte unter anderem dazu, dass Aniliner am fr\u00fchen Morgen am Bahnhof abgefangen wurden. Sie hatte sich umgehend ins &#8222;Notstand-Hauptquartier&#8220; der Stadtverwaltung zu begeben.<\/p>\n<p>Das befand sich im st\u00e4dtischen Tiefbaulager am &#8222;Heringsee&#8220;. Dort wurde Hunderte von Helfern in ihre Rettungsvorsorge-Arbeiten eingewiesen. Ebenso ausw\u00e4rtige Feuerwehrleute, die mit Spezialwagen, Schlauchmaterial und Sands\u00e4cken anger\u00fcckt waren. Angeh\u00f6rige der amerikanischen und franz\u00f6sischen Streitkr\u00e4fte\u00a0 sowie des aus Ausl\u00e4ndern bestehenden US-Labor-Service wurden mit den Gegebenheiten Speyers und seiner Umgebung vertraut gemacht (die Bundeswehr bestand damals noch nicht). Ortskundige leiteten die Soldaten mit ihren Amphibienfahrzeugen und Motor-Lastk\u00e4hnen zu den gef\u00e4hrdeten Stellen.<\/p>\n<p>In einer st\u00e4dtischen Statistik hei\u00dft es zu den Merkmalen der Rettungsarbeiten und ihren Auswirkungen: Kontrolle der Hauptrheind\u00e4mme auf undichte Stellen und drohende Untersp\u00fclung; Abf\u00fcllen von 25.000 Sands\u00e4cken; Evakuierung von etwa 100 Personen aus besonders gef\u00e4hrdeten Stra\u00dfen; Einrichtung von Notunterk\u00fcnften in Schulen; auf K\u00e4hnen Versorgung der Bev\u00f6lkerung mit warmen Speisen und Getr\u00e4nken in unzug\u00e4nglichen Wohnungen; Versorgung der zahllosen Helfer aus Gulaschkanonen; Aufruf zu Spenden und Einrichtung eines Spendenkontos.<\/p>\n<p>Der H\u00f6chststand von 8,67 m hielt bis zum Tageswechsel 17.\/18. Januar 1955, dann ging das Hochwasser langsam zur\u00fcck. Am 20. Januar sank der Rheinpegel unter acht Meter, der Hasenpfuhl war am Nachmittag v\u00f6llig hochwasserfrei und am 21. Januar wurde der Notstand aufgehoben.<\/p>\n<p>Die Beinahe-Katastrophe verursachte laut st\u00e4dtischer Statistik einen Gesamtschaden zwischen 250.000 und 300.000 Mark. 650 Haushalte wurden in Mitleidenschaft gezogen. Ob Personen verletzt wurden, blieb unbekannt. Dagegen vermerkt wird: &#8222;Zur Bilanz geh\u00f6rt auch das kameradschaftliche Miteinander von Franzosen, Amerikanern und Deutschen &#8211; nicht einmal zehn Jahre nach Kriegsende&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Voraussage nicht m\u00f6glich\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Die 8,67 Meter vom Januar 1955 waren der h\u00f6chste Rhein-Wasserstand des 20. und 21. Jahrhunderts. Nach Auskunft von Jens Abendroth, Leiter des Au\u00dfenbezirks Speyer des Wasser- und Schifffahrtsamtes Mannheim, wurde am 4. Juni 2013 mit 8,34 m seit den 8,55 m im Mai 1999 der h\u00f6chste Pegelstand erreicht.<\/p>\n<p>Die Frage nach der\u00a0 M\u00f6glichkeit eines Hochwassers 2015 beantworte Abendroth so: &#8222;Das ist abh\u00e4ngig von Niederschl\u00e4gen in den n\u00f6rdlichen Alpen, in den Vogesen und im Schwarwald&#8220;. Eine Voraussage sei daher nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Abgesehen von den nicht exakt aktenkundig gemachten Hochwassern vergangener Jahrhunderte mit manchmal verheerenden Folgen f\u00fcr Menschen, Tiere und bestellte Felder hatte der Rhein zum Jahresende 1882 seinen Pegel-Spitzenwert erreicht. Das waren nach Auskunft der Hydrologischen Abteilung des f\u00fcr Speyer zust\u00e4ndigen Wasser- und Schifffahrtamtes Mannheim 8,82 Meter. (wk\/Die Rheinpfalz)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hochwasser 1955: Bei einem Rhein-Pegel von 8,67 m Teile von Speyer unter Land &#8211; Internationale Hilfe Vater Rhein geb\u00e4rdet sich immer wieder einmal wild, aber derzeit bleibt er brav in seinem Bett. 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