{"id":1826,"date":"2015-04-30T16:53:47","date_gmt":"2015-04-30T14:53:47","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1826"},"modified":"2015-04-30T16:54:06","modified_gmt":"2015-04-30T14:54:06","slug":"der-speyerer-weinkrieg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1826","title":{"rendered":"Der Speyerer Weinkrieg"},"content":{"rendered":"<p>Speyer war im Jahre 2015 zum dritten Male Gastgeber der Messe &#8222;Wein am Dom&#8220;. Das pf\u00e4lzische Weinforum verlief wiederum zur Zufriedenheit der meisten Beteiligten. Das war im Mittelalter nicht so. Wegen des Rebensafts <!--more-->gab es sogar Krieg.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4338.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1827\" alt=\"IMG_4338\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4338-200x300.jpg\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4338-200x300.jpg 200w, http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4338-682x1024.jpg 682w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Wein und seine Steuer war f\u00fcr Speyer eine gute Einnahmequelle. Die Ratsherren \u00e4rgerten sich gewaltig \u00fcber die Domherren, die dank des weitreichenden bisch\u00f6flichen Anbaugebiets die Stadt mit gutem und preiswertem Wein f\u00f6rmlich \u00fcberschwemmten: Der auf das Getr\u00e4nk erhobene Zuschlag, das Ungeld,\u00a0 floss n\u00e4mlich nicht ins st\u00e4dtische S\u00e4ckel, sondern in die Truhen der Geistlichkeit.<\/p>\n<p>1282 reichte es dem Stadtrat. Er verbot, \u201e\u00f6ffentlich oder heimlich bei den Geistlichen Wein zu holen oder in deren Schenken zu trinken\u201c. Im Gegenzug zu diesem Affront lie\u00df der Bischof die Gottesdienste einstellen, die Kirchen schlie\u00dfen und hie\u00df das Domkapitel, die Stadt zu verlassen.<\/p>\n<p>Die Speyerer waren au\u00dfer sich. Domherren-H\u00e4user wurden gepl\u00fcndert, in den D\u00f6rfern der Umgebung liegende Besitze des bisch\u00f6flichen Hochstifts heimgesucht. Der Bischof antwortete mit Raub\u00fcberf\u00e4llen auf st\u00e4dtisches und b\u00fcrgerliches Eigentum im Speyergau und lie\u00df es danach zerst\u00f6ren. Das rief K\u00f6nig Rudolf von Habsburg auf den Plan &#8211; er sprach ein Machtwort. Rat und Bischof gaben bei, die Geistlichkeit zog wieder in Speyer ein.<\/p>\n<p>Aber es schwelte weiter, und 1302 kam es zum ganz gro\u00dfen Krach. Bischof Sigibodo bot seine Kriegsknechte auf. Angef\u00fchrt von Heinrich von Fleckenstein, \u00fcberfielen Knechte Besitzt\u00fcmer der Stadt und ihrer B\u00fcrger beiderseits des Rheins. Im Gegenzug brandschatzten st\u00e4dtische S\u00f6ldner die Domherrenh\u00f6fe. Der Bischof gab nach und bat um Vers\u00f6hnung.<\/p>\n<p>Unter dem Einsatz der &#8222;Schiedsrichter&#8220; Ritter Eckebrecht von D\u00fcrkheim und Werner von Ruppertsberg f\u00fcr den Bischof und den Ratsherren Johann Kleemann aus Mainz und Heilmann Holtmuth aus Worms f\u00fcr die Stadt Speyer wurde am Rande des Schifferstadter Waldes drei Wochen lang verhandelt. Bis nach dem Eid des Bischofs ein &#8222;Nichtangriffspakt&#8220; zu Stande kam. Der Speyerer Weinkrieg war vorbei.<\/p>\n<p><b>Bedeutender Umschlagsort<\/b><\/p>\n<p>Im Mittelalter wurde Wein in- und au\u00dferhalb der Domstadt angebaut, aber die Rebfl\u00e4che\u00a0 war zu klein. Die \u00f6rtlichen Weinh\u00e4ndler und der Klerus bezogen ihre Ware daher von der Haardt und aus dem Badischen. Dort hatten die Stadt, reiche B\u00fcrger, der Bischof, das Domstift und die Kl\u00f6ster\u00a0 ihre Wingert.<\/p>\n<p>Zudem war Speyer ein bedeutender Umschlagsort f\u00fcr Weine. 1416 zum Beispiel gingen 8000 Fuder rheinabw\u00e4rts, das sind 7000 Hektoliter oder 700.000 Liter. Die Hauptabnehmer sa\u00dfen in Frankfurt, K\u00f6ln, Duisburg und Utrecht.<\/p>\n<p>Wein macht Speyer noch immer auf besondere Weise bekannt. Dann als 1910 das Historische Museum der Pfalz am Domplatz sein neues Domizil bezog, wurde dort auch das \u201eWeinmuseum\u201c als weltweit erste \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Spezialsammlung ihrer Art er\u00f6ffnet. Etwa 250 Exponate geben hier einen Einblick in die Kulturgeschichte des Weinbaus und des Weinkonsums \u00fcber einen Zeitraum von 2000 Jahren hinweg. Bekanntestes Exponat ist der R\u00f6merwein aus Speyer aus der Zeit um 300 nach Christus. Er gilt als der \u00e4lteste, fl\u00fcssig erhalten gebliebene Rebenwein der Welt. (wk)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Speyer war im Jahre 2015 zum dritten Male Gastgeber der Messe &#8222;Wein am Dom&#8220;. Das pf\u00e4lzische Weinforum verlief wiederum zur Zufriedenheit der meisten Beteiligten. Das war im Mittelalter nicht so. 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