{"id":1832,"date":"2015-05-03T19:47:25","date_gmt":"2015-05-03T17:47:25","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1832"},"modified":"2015-05-03T19:49:56","modified_gmt":"2015-05-03T17:49:56","slug":"weisse-flagge-auf-dem-altpoertel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1832","title":{"rendered":"Wei\u00dfe Flagge auf dem Altp\u00f6rtel"},"content":{"rendered":"<p><b>Am 24. M\u00e4rz 1945 Kriegsende in Speyer &#8211; Ein Journalist berichtete dar\u00fcber<\/b><\/p>\n<p>Sechs Wochen, bevor Deutschland\u00a0 am 8. Mai 1945 kapitulierte, war in Speyer und Umgebung der 2. Weltkrieg vorbei. Am 24. M\u00e4rz, einem Samstag vor 70 Jahren, rollten die Amerikaner ein. Gebeten von dem zwischen 1919 und 1943 sowie <!--more-->1945 bis 1946 amtierenden Oberb\u00fcrgermeister Karl Leiling, hielt der Speyerer Journalist Dr. Richard Mandler die Tage des Kriegsendes und eine kurze Zeit danach in seiner Heimatstadt fest.<b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Das Stadtarchiv hat Mandlers Artikel aufbewahrt. &#8222;Die Rheinpfalz&#8220; berichtet von den Erkenntnissen des zuerst bei der &#8222;Speyerer Zeitung&#8220;, nach deren Verbot bei der Lokalausgabe der &#8222;Neuen Abendzeitung f\u00fcr den Gau Saarpfalz&#8220; t\u00e4tigen Redakteurs.<\/p>\n<p><b>22. M\u00e4rz 1945:<\/b> Der elektrische Strom blieb aus. Damit war die Radioverbindung mit der Welt unterbrochen. Um die Mittagszeit heulte die Behelfsirene zum letzten Mal Vollalarm. Gleichzeitig setzte Gewehrfeuer<b> <\/b>an der Wormser Landstra\u00dfe ein &#8230;.. Ger\u00fcchte liefen wild um. In der Stadt richtete man sich auf l\u00e4ngeren Kelleraufenthalt ein. Die nationalsozialistischen Schilder und Aufschriften wurden entfernt.<\/p>\n<p><b>23. M\u00e4rz 1945:<\/b> Gegen 10.30 Uhr wurde die Rheinbr\u00fccke gesprengt &#8230;. Die Absatzgefechte um Speyer kamen in\u00a0 Gang, die von Ludwigshafen vorsto\u00dfenden Amerikaner hatten vor dem neuen Friedhof Gefechtsber\u00fchrung aufgenommen. Auf deutscher Seite standen Truppenreste, regul\u00e4re Soldaten, Arbeitsdienst und Volkssturm. Das Gefecht zog sich von der Wormser Landstra\u00dfe aus \u00fcber den Spitzrheinhof gegen die Celluloidfabrik hin. Im Ludwigshof war die amerikanische Gefangenensammelstelle. \u00dcber der n\u00f6rdlichen Vorstadt lag Artilleriefeuer.<\/p>\n<p>Gegen 15.30 Uhr verabschiedeten sich Kreisleiter Schmitt, Oberb\u00fcrgermeister Trampler und B\u00fcrgermeister Bechtel \u00fcber den Rhein. Amtmann Karpp \u00fcbernahm aushilfsweise die Leitung der Stadt (NSDAP-Gaupropagandaleiter Rudolf Trampler amtierte zwischen 1943 und dem 23. M\u00e4rz als Oberb\u00fcrgermeister seiner Geburtsstadt. Er war nach M\u00fcnchen gefl\u00fcchtet, wurde in Landau kurz interniert und kehrte 1949 nach Speyer zur\u00fcck. 1974 starb er).<b> <\/b><\/p>\n<p>Um 17 Uhr detonierte auf dem Festplatz ein voll beladener Munitionslastwagen. Er sollte erst vor dem Stadthaus auf der Hauptstra\u00dfe stehen gelassen werden, der technische Nothilfe brachte ihn weg.<\/p>\n<p>Bei der Verteidigung Speyers sind 23 Mann gefallen, die Amerikaner haben ihre Toten selbst begraben (die Anzahl ihrer Gefallenen ist nicht bekannt; die Red.).<\/p>\n<p><b>24. M\u00e4rz 1945: <\/b>Die Amerikaner drangen am Rheintor, in der Bahnhofstra\u00dfe und am St.-Guido-Stifts-Platz mit ihren Panzern in Stadt ein&#8230;.. Kurz nach 7 Uhr sicherten ihre Panzer die Stra\u00dfenkreuzung der Hauptstra\u00dfe. Die Panzer hatten schwarze Besatzungen. Gegen 8 Uhr tauchten erste Infanteriestreifen auf und schlichen schussbereit durch die n\u00f6rdlichen Stra\u00dfen. Um 8 Uhr \u00fcbergab Amtmann Karpp die Stadt auf dem Marktplatz am Eingang zur Schrannengasse (der Amerikaner stand im Rang eines Obersten; die Red.). Karpp wurde anschlie\u00dfend mit der Verwaltung der Stadt beauftragt.<\/p>\n<p>Im Lauf des Samstagvormittags kamen immer mehr Panzer, Fu\u00dftruppen und Kolonnen in die Stadt. Auffallend war die gro\u00dfe Ruhe und Disziplin, mit der sich das alles vollzog. Das \u00fcppige Mittagesessen der Truppen erregte das Staunen den Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p><b>25. M\u00e4rz 1945: <\/b>Am Sonntag wurden Plakattafeln errichtet und die neuen Verordnungen angeschlagen. Sie enthielten zum Teil ganze, bzw. teilweise Sperrungen von Bankguthaben.<\/p>\n<p>Es wurde ein Ausgehverbot verh\u00e4ngt, die Bev\u00f6lkerung durfte nur von 9 bis 11 Uhr und von 15 bis 17 Uhr auf die Stra\u00dfe. Die Gesch\u00e4fte waren geschlossen\u00a0 die Telefone bis Juni gesperrt. Unruhe in den Stra\u00dfen. Fotoapparate, Ferngl\u00e4ser und Waffen wurden beschlagnahmt.<\/p>\n<p>In der Nacht zum Montag gab es deutschen Artilleriebeschuss &#8211; Streufeuer vom Rhein her\u00fcber. Die Amerikaner sollen versucht haben, den Strom beim Angelhof zu \u00fcberqueren. Bei der Kollerinsel haben sie offenbar Erfolg.<\/p>\n<p><b>29.\u00a0 M\u00e4rz 1945: <\/b>Am Gr\u00fcndonnerstag wurde um Mannheim gek\u00e4mpft. Die bei Speyer in Stellung gegangene amerikanische Batterie feuerte unabl\u00e4ssig ins Badische hin\u00fcber. Der Luxhof wurde in Tr\u00fcmmer gelegt.<\/p>\n<p>Ebenfalls am Gr\u00fcndonnerstag tauchten die ersten Franzosen in Speyer auf. Mit einem Schlag wurde es wieder lebhaft auf den Stra\u00dfen. Auf der Hauptra\u00dfe begr\u00fc\u00dfen franz\u00f6sische Fremdarbeiter temperamentvoll ihre Landsleute. Am selben Tag kam zweitweise auch der elektrische Strom wieder und damit die Radioverbindung mit der Au\u00dfenwelt.<i>.<\/i><\/p>\n<p><b>30.\/31. M\u00e4rz 1945: <\/b>Frankreichs Staatpr\u00e4sident Charles de Gaulle war am Karfreitag und Karsamstag in Speyer, am 30. M\u00e4rz nahm er vor dem Dom eine Parade ab. Aus Sicherheitsgr\u00fcnden musste der Hasenpfuhl vollst\u00e4ndig ger\u00e4umt werden. Nach drei Tagen durften die Leute wieder einziehen<\/p>\n<p>In gro\u00dfem Ausma\u00df wurden \u00fcber die Osterfeiertage Gesch\u00e4fte und verschiedene \u00c4mter gepl\u00fcndert. Daran beteiligten sich fremdl\u00e4ndische V\u00f6lker und deutscher Mob.<\/p>\n<p><b>Die Stadtretter<\/b><\/p>\n<p>Eine auf dem Altp\u00f6rtel von dem als Stadtoberhaupt eingesetzten Stadtamtmann Adam Karpp aus Hanhofen gehisste weisse Flagge zeigte die Kapitulation an. Darum gebeten hatte ihn der Polizei-Inspektor Richard Seither. Beide riskierten damit ihr Leben. Zwar hatten sich in der Nacht zum 24. M\u00e4rz die letzten deutschen Kampfeinheiten \u00fcber den Rhein abgesetzt \u2013 die Rheinbr\u00fccke hatten sie am Vortag gesprengt -, doch es war nicht sicher, ob sich nicht noch ein 45-Mann-Trupp des \u201eSicherheitsdienstes des Reichsf\u00fchrers SS\u201c in Speyer aufhielt.<\/p>\n<p>Das Fahnehissen\u00a0 wurde m\u00f6glicherweise durch eine nicht weniger mutige Tat ausgel\u00f6st. Am 23. M\u00e4rz waren etwa 40 Frauen vors Rathaus gezogen und hatten die kampflose \u00dcbergabe der Stadt verlangt. Polizei-Inspektor Seither erinnerte sich: \u201eIch erkl\u00e4rte den Frauen, dass der Oberb\u00fcrgermeister nicht mehr da war und dass hierf\u00fcr nur der Kampfkommandant\u00a0 zust\u00e4ndig sei. Daraufhin wollten sie zur Kaserne ziehen, worauf ich ihnen sagte, sie sollten das unterlassen, denn er Kampfkommandant lie\u00dfe vielleicht auf sie schie\u00dfen. Daraufhin begaben sie die Frauen wieder in ihre Wohnungen\u201c.\u00a0 Kampfkommandant Timpel,\u00a0 Hauptmann oder Oberst und Ritterkreuztr\u00e4ger, hatte noch am 22. M\u00e4rz angeordnet, die Stadt sei &#8222;bis zuletzt zu verteidigen&#8220;.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von\u00a0 Richard Seither und Karpp bewahrte ein weiterer Speyerer am 24. M\u00e4rz 1945 die Stadt vor einem m\u00f6glichen Beschuss der Amerikaner. Der Offizier Alfons Kaufmann, den ein Blinddarmdurchbruch vor dem Russland-Einsatz bewahrt hatte und der in seiner Heimatstadt \u201ewiederverwendet\u201c wurde, war mit einigen Soldaten zur Sicherung einer Panzersperre am St. Guido-Stifts-Platz befohlen. Als ein Anwohner eine wei\u00dfe Flagge auf die Sperre gesteckt hatte, lie\u00df sie der Offizier nicht entfernen und\u00a0 &#8211; nachdem die GI\u2019s herangekommen waren &#8211;\u00a0 nicht auf den die Sperre \u00f6ffnenden US-Soldaten feuern. (wk)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 24. M\u00e4rz 1945 Kriegsende in Speyer &#8211; Ein Journalist berichtete dar\u00fcber Sechs Wochen, bevor Deutschland\u00a0 am 8. Mai 1945 kapitulierte, war in Speyer und Umgebung der 2. Weltkrieg vorbei. Am 24. M\u00e4rz, einem Samstag vor 70 Jahren, rollten die Amerikaner ein. Gebeten von dem zwischen 1919 und 1943 sowie<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[75,210,15],"class_list":["post-1832","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-stadtgeschichte","tag-kauer","tag-kriegsende","tag-speyer"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1832","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1832"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1832\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1835,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1832\/revisions\/1835"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1832"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1832"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1832"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}