{"id":1854,"date":"2015-06-21T09:57:25","date_gmt":"2015-06-21T07:57:25","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1854"},"modified":"2015-06-21T09:59:24","modified_gmt":"2015-06-21T07:59:24","slug":"speyer-und-umgebung-aus-der-sicht-der-regierungspraesidenten-im-19-jahrhundert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1854","title":{"rendered":"Speyer und Umgebung aus der Sicht der Regierungspr\u00e4sidenten im 19. Jahrhundert"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>STADTGESCHICHTE(N): Speyer und Umgebung aus der Sicht der Regierungspr\u00e4sidenten im 19. Jahrhundert<\/b><\/p>\n<p>Mit Kutsche, Eisenbahn und\u00a0 auch Dampfboot inspizierten in der Zeit des bayerischen Rheinkreises Pfalz die in der Speyerer Maximilianstra\u00dfe 5\u00a0 residierenden Regierungspr\u00e4sidenten drei oder auch vier der zw\u00f6lf Landkommissariate, darunter auch den Kanton Speyer. Sie taten das im 19. Jahrhundert auf Befehl aus <!--more-->M\u00fcnchen und vermutlich in Begleitung von Kantons\u00e4rzten. Die Landkomissariate hie\u00dfen sp\u00e4ter Bezirks\u00e4mter.<\/p>\n<p>Die durch k\u00f6nigliche Verordnungen geregelten Inspektionen &#8211; im Kanton Speyer in der Stadt selbst, in Berghausen, Heiligenstein, Mechtersheim, Harthausen, Hanhofen, Dudenhofen, Otterstadt, Waldsee und Schifferstadt &#8211; sollten informieren \u00fcber die Zust\u00e4nde in den Kommissariaten. Der Landauer Archivar Dr. Andreas Imhof gab bei einem Vortrag im Speyerer Stadtarchiv Einblick in die Ergebnisse dieser Dienstreisen.<\/p>\n<p>Im Jahr 1861, \u00fcber das der Kantonsarzt Dr. Michael Nockher ausf\u00fchrlich berichtete, z\u00e4hlte der Kanton Speyer mit seinen zehn Orten 24.202 Bewohner. Von denen lebten 11.242 in der Kreishauptstadt. Entfielen auf eine Speyerer Familie durchschnittlich 4,4 Personen, so waren es in den D\u00f6rfern 5,1. Laut Nockher gab es in Speyer &#8222;auff\u00e4llig viele kinderlose Ehepaare&#8220;. Was vermutlich damit zusammenhing, dass Speyer wegen seiner hygienischen Missst\u00e4nde als ungesunde Stadt galt und die Kindersterblichkeit hoch war.<\/p>\n<p>\u00dcber die Speyerer und die Bewohner der dazugeh\u00f6rigen D\u00f6rfer urteilte der Arzt so: &#8222;In manchen Jahren stellte der Kanton Speyer die sch\u00f6nsten, kr\u00e4figsten M\u00e4nner zur Conscription (Wehrpflicht), namentlich vom Landvolke. Die Frauenwelt ist minder sch\u00f6n. Im Wuchs meist klein, aber im allgemeinen reinlich und flei\u00dfig&#8220;. \u00dcberhaupt sei &#8222;Reinlichkeit oftmals bei Leuten niederen Standes zu finden, bei welchen er nicht vermutet wird&#8220;.<\/p>\n<p>Die Regierungspr\u00e4sidenten konzentrierten sich im Kanton Speyer auf drei Bereiche: Schulen, Zustand der \u00f6ffentlichen Geb\u00e4ude und auf den Hochwasserschutz.<\/p>\n<p>Bei der Beurteilung von Speyer war zu ber\u00fccksichtigen, dass die Stadt nach der Niederbrennung von 1689 lange Zeit unbebaut blieb. In einem Bericht hei\u00dft es: &#8222;Immer wieder trifft man entlang der Stra\u00dfen auf gro\u00dfe G\u00e4rten an Stellen, wo vorher H\u00e4user oder Kirchen standen&#8220;. Doch es ging aufw\u00e4rts, und 1866 hie\u00df es, dass &#8222;Speyer zu den vier baufreudigsten St\u00e4dten Bayerns geh\u00f6rt&#8220;. Noch 1864 fragte ein B\u00fcrger in einem Leserbrief des &#8222;Anzeiger&#8220;, ob &#8222;Speyer Stadt oder Dorf sein will&#8220;. Entscheide es sich f\u00fcr Stadt, dann m\u00fcsse verhindert werden, dass auf der Hauptstra\u00dfe Dung abgeladen wird oder Abtrittgruben ausgehoben werden.<\/p>\n<p>Und im September 1878 berichtete Regierungspr\u00e4sident Paul von Braun nach M\u00fcnchen: &#8222;Besichtigung der Canalisationsarbeiten im so genannten Choleraviertel (das waren Teile des Hasenpfuhls, aber auch andere Stadtteile). Der Stadtrat, von mir gezwungen, diese Arbeiten vorzunehmen, hat wenig Freunde daran. Die bisherigen Arbeit beweisen die Notwenigkeit der Ma\u00dfregeln sowie deren Zweckm\u00e4\u00dfigkeit zur Gen\u00fcge&#8220;. W\u00e4hrend der Cholera-Epidemie, ausgel\u00f6st durch unhygienische Zust\u00e4nde auf Stra\u00dfen und in H\u00e4usern sowie fehlende Kanalisation, starben 1873 in knapp drei Monaten 202 Speyerer.<\/p>\n<p><b>Lange Zeit &#8222;geheim&#8220;<\/b><\/p>\n<p>Aufschluss \u00fcber die Zust\u00e4nde in der Pfalz im 19. Jahrhundert und damit auch \u00fcber die in Speyer und Umgebung h\u00e4tte es schon lange geben k\u00f6nnen. Das dem nicht so war, liegt laut Andreas Imhof &#8222;an dem wenig spannenden Titel der im Landesarchiv Speyer lagernden acht Aktenb\u00fcndel. Bezeichnet als ,Dienstreisen der Regierungspr\u00e4sidenten&#8216; lie\u00dfen sie f\u00fcrchterlich Langweiliges erwarten, n\u00e4mlich Dienstreise-Antr\u00e4ge und Reisekosten-Abrechungen. Deshalb hat wohl niemand die Akten eingesehen. Aber w\u00e4ren sie schon vor 50 Jahren ,entdeckt&#8216; worden, w\u00fcssten wir mehr \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse in St\u00e4dten und D\u00f6rfern. Denn\u00a0 die Aktenb\u00fcndel enthalten nicht \u00f6de Abrechungen, sondern die Berichte der h\u00f6chsten staatlichen Vertreter \u00fcber Beobachtungen w\u00e4hrend ihrer Reisen quer durch die Pfalz&#8220;.\u00a0 (wk)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; STADTGESCHICHTE(N): Speyer und Umgebung aus der Sicht der Regierungspr\u00e4sidenten im 19. Jahrhundert Mit Kutsche, Eisenbahn und\u00a0 auch Dampfboot inspizierten in der Zeit des bayerischen Rheinkreises Pfalz die in der Speyerer Maximilianstra\u00dfe 5\u00a0 residierenden Regierungspr\u00e4sidenten drei oder auch vier der zw\u00f6lf Landkommissariate, darunter auch den Kanton Speyer. Sie taten das im 19. 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