{"id":1905,"date":"2015-08-25T07:41:23","date_gmt":"2015-08-25T05:41:23","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1905"},"modified":"2015-08-25T07:41:23","modified_gmt":"2015-08-25T05:41:23","slug":"als-im-salzturm-befragt-wurde","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1905","title":{"rendered":"Als im Salzturm &#8222;befragt&#8220; wurde"},"content":{"rendered":"<p><b>Nur ein Schild erinnert an das ber\u00fcchtigtste Speyerer Gef\u00e4ngnis am Fischmarkt<\/b><\/p>\n<p>Seit die Jugendarrestanstalt in der Hagedornsgasse vor Jahrzehnten in der Schifferstadter Jugendstrafanstalt aufging, hat Speyer kein Gef\u00e4ngnis mehr. Fr\u00fcher gab es mehrere. An eine der am meisten gef\u00fcrchteten, weil mit Folterungen verbundenen Speyerer &#8222;Kn\u00e4ste&#8220; erinnert ein Schild an einem mehrgeschossigen Wohnhaus am Fischmarkt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/speyer_stadtbefestigung_fischmarkt_1760.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1904\" alt=\"speyer_stadtbefestigung_fischmarkt_1760\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/speyer_stadtbefestigung_fischmarkt_1760-300x198.jpeg\" width=\"300\" height=\"198\" srcset=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/speyer_stadtbefestigung_fischmarkt_1760-300x198.jpeg 300w, http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/speyer_stadtbefestigung_fischmarkt_1760.jpeg 538w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&#8222;Auf dieser Stelle stand mehrere Jahrhundert lang ein peinliches Gef\u00e4ngnis, zum Salzturm genannt. Dieser dumpfe Kerker wurde niedergerissen und umgestaltet im Jahre 1819&#8220; (peinlich kommt aus der Strafprozessordnung und bedeutet &#8222;Leib und Leben betreffend&#8220;). Er soll laut des Speyerer Historikers Fritz Klotz 1280 erbaut worden sein und war Bestandteil des 21 \u00e4hnliche Bauwerke umfassenden Turmrings um die Innenstadt. F\u00fcr seine Verteidigung in Kriegszeiten hatte die Zunft der Salzgie\u00dfer, Seiler und \u00d6lh\u00e4ndler aufzukommen.<\/p>\n<p>Der Salzturm war 8,64 m hoch, 4,6 m breit und\u00a0 hatte vier Geschosse. Im untersten wohnte der Bettelvogt, der unter anderem Vagabunden zu beaufsichtigen hatte. Vermutlich war er auch f\u00fcr die Gef\u00e4ngnisinsassen zust\u00e4ndig; ob auch f\u00fcr deren &#8222;Befragung&#8220; ist nicht gewiss.<\/p>\n<p>Die besorgten vermutlich Henker und ihre Gehilfen. Jedenfalls wurde nach den Angaben eines Scharfrichters aus Neustadt die &#8222;Marterkammer&#8220; im dritten Stock des Speyerer Salzturms noch 1733 neu ausgestattet. &#8222;Glanzst\u00fcck&#8220; war ein Streckapparat. An ihm wurden Delinquenten mit nach hinten gezurrten Armen und am Boden festgebundenen F\u00fc\u00dfen so lange hochgezogen, bis sie zur Aussage bereit waren. Unter der &#8222;Marterkammer&#8220; befanden sich die sogenannten Bl\u00f6cke, zwei aufeinander gef\u00fcgte Balken mit Ausschnitten f\u00fcr Kopf und H\u00e4nde und einem Halseisen. Um die Opfer noch mehr zu strafen, waren diese Bl\u00f6cke in schmalen, nicht ganz zwei Meter hohen\u00a0 Holzh\u00e4uschen untergebracht, durch die kein Licht fiel.<\/p>\n<p>Klotz: &#8222;Das Ende des Salzturms als Ort des Schreckens kam\u00a0 vermutlich in den Tagen der Franz\u00f6sischen Revolution, als im Zeichen der erwachenden Freiheit die althergebrachten Marterinstrumente verbrannt oder zerschlagen wurden&#8220;.<\/p>\n<p>In Speyer wurden\u00a0 lange Gef\u00e4ngnisstrafen nur selten verh\u00e4ngt. Zwar gab es genug Inhaftierte, doch die warteten meist nur auf ihren Prozess, waren Untersuchungsgefangene. Der Grund, warum Verurteilte eher der Stadt verwiesen oder aber vom Leben in den Tod bef\u00f6rdert wurden, war einfach: Ihr Aufenthalt im Knast kostete Geld. Sie aufzufordern, f\u00fcr ihr Dasein hinter Mauern selbst aufzukommen, war sinnlos \u2013 die meisten waren bettelarm.<\/p>\n<p>Eingesessen werden musste in der Regel f\u00fcr Delikte wie kleiner Diebstahl, Betrug, Ehebruch, leichtfertiger Lebenswandel. \u201eLiederliche Dirnen\u201c kamen ins \u201eBetzenloch\u201c des Altp\u00f6rtels oder in die \u201eHurenstube\u201c des St. Georgen-Hospitals.\u00a0 Als Gef\u00e4ngnisse f\u00fcr M\u00e4nner dienten vorwiegend\u00a0 der Wei\u00dfe und der Rote Stadtturm, der Juden- und der Salzturm, das Alt- und Neup\u00f6rtel. Ferner gab es Gelasse im Hospital und unter dem Rathaus.<\/p>\n<p>Die Gef\u00e4ngnisse wurden aber oft Jahre lang nicht benutzt. Einige befanden sich in desolatem Zustand. Ausbr\u00fcche waren nicht eben selten; 1765 st\u00fcrzte ein H\u00e4ftling aus Venningen bei der Flucht aus dem Salzturm ab und starb kurz darauf.<\/p>\n<p>In einigerma\u00dfen gutem Zustand befanden sich 1626 das Gef\u00e4ngnisst\u00fcbchen im Hospital, das Salzturm-Blockhaus, der \u201eBackofen\u201c in der Elendherberge, der Wei\u00dfe Turm, das Alt- und Neup\u00f6rtel. Die anderen Haftlokale pr\u00e4sentierten sich verwahrlost, wie eine vom Rat in Auftrag gegebene richterliche Untersuchung ergab. Der Rote Turm hatte sogar keine Pforte mehr.<\/p>\n<p>Wer einsa\u00df, wurde nicht selten krank. Mangels richtiger Ern\u00e4hrung und wegen des Zustands der Zellen. 1774 wurde ein Gefangener lange Zeit in dem \u201eBeh\u00e4ltnis\u201c unter dem Rathaus gehalten, \u201eeinem finsteren, feuchtkalten Loch\u201c. Wenn H\u00e4ftlinge wegen ihrer Erkrankung besser untergebracht und ern\u00e4hrt wurden, war es oft zu sp\u00e4t. \u00a0<b>&#8211; Wolfgang Kauer<\/p>\n<p>Siehe auch: <a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1656\">Salztum<\/a> und <a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1659\">Salztor<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur ein Schild erinnert an das ber\u00fcchtigtste Speyerer Gef\u00e4ngnis am Fischmarkt Seit die Jugendarrestanstalt in der Hagedornsgasse vor Jahrzehnten in der Schifferstadter Jugendstrafanstalt aufging, hat Speyer kein Gef\u00e4ngnis mehr. Fr\u00fcher gab es mehrere. 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