{"id":1936,"date":"2015-11-27T16:12:44","date_gmt":"2015-11-27T14:12:44","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1936"},"modified":"2015-11-27T16:13:43","modified_gmt":"2015-11-27T14:13:43","slug":"speyerer-frauen-streik-1899-in-den-ziegelwerken-war-eine-sensation","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1936","title":{"rendered":"Speyerer Frauen-Streik 1899 in den Ziegelwerken war eine Sensation"},"content":{"rendered":"<p><b>&#8222;Ausgebeutete Proletarierinnen&#8220;<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0Speyerer Frauen-Streik 1899 in den Ziegelwerken war eine Sensation<\/b><\/p>\n<p>Bei Streiks geht es vorwiegend um eine bessere Entsch\u00e4digung. Darum ging es auch bei der vermutlich ersten Arbeitsniederlegung von Frauen und M\u00e4dchen in Deutschland &#8211; beim Streik 1899 in den Vereinigten Ziegelwerken von Speyer. Dabei ging es aber auch um die Beseitigung von &#8222;menschenunw\u00fcrdigen Zust\u00e4nden&#8220;, wie es 1899 in der Presse hie\u00df.<\/p>\n<p>Die in Ludwigshafen erscheinende, auch in Speyer und Umgebung gelesene &#8222;Pf\u00e4lzer Post&#8220; merkte zu einer Protestversammlung &#8222;von weit \u00fcber 200 Personen&#8220; in der Gastwirtschaft &#8222;Rheinstation&#8220; an: &#8222;Es ist ein sehr erfreuliches Zeichen, dass sich auch bei diesen ausgebeuteten Proletarierinnen endlich das bisher mit allen Mitteln niedergedr\u00fcckte Klassenbewusstsein bemerkbar macht. So unglaublich es auch klingen mag &#8211; die M\u00e4dchen und Frauen haben wirklich gestreikt&#8220;.<\/p>\n<p>Der &#8222;Weiberstreik von Speyer&#8220; galt in ganz Deutschland als Sensation. Um seine Ursache zu verdeutlichen, wird im Folgenden aus dem damaligen Artikel der &#8222;Pf\u00e4lzer Post&#8220; zitiert. Zumal es nicht nur um eine Lohnerh\u00f6hung ging (im Durchschnitt erhielten die meist elf Stunden an Pressen stehenden M\u00e4dchen und Frauen 1,60 Mark am Tag), sondern auch um eine Verbesserung der Werksbedingungen \u00fcberhaupt. Wobei in dem Zeitungsbeitrag darauf verwiesen wurde, &#8222;dass die ausnahmslos in Heiligenstein, Mechtersheim und anderen umliegenden Orten wohnenden M\u00e4dchen ihren Arbeitsplatz am Rhein in Speyer mangels anderer Gelegenheit zu Fu\u00df erreichen m\u00fcssen. Ihr Arbeitstag betr\u00e4gt also, die t\u00e4gliche Marschleistung eingerechnet, 13 bis 14 Stunden&#8220;.<\/p>\n<p>Zur Arbeitsverweigerung f\u00fchrten zudem: Die Arbeiterinnen konnten sich nicht s\u00e4ubern (Zitat: &#8222;Eine Wasserleitung ist vorhanden, aber wer sie benutzt, wird bestraft&#8220;), konnten ihr mitgebrachtes Essen nicht warm machen, bei Windst\u00f6\u00dfen fiel von der\u00a0 Fabrikdecke Ru\u00df, es gab keinen Umkleideraum und keine M\u00f6glichkeit, die gegen Arbeitskleidung getauschten Alltagskleider aufzubewahren, die zur Reinigung der Ziegelpressen ben\u00f6tigten Putzlappen und B\u00fcrsten &#8222;sind selbst anzuschaffen&#8220;.<\/p>\n<p>Wie lange der Streik dauerte, ob es mehr Lohn gab und ob \u00fcberhaupt etwas ver\u00e4ndert wurde, ist nicht \u00fcberliefert. Die Arbeitsniederlegung war jedoch insofern erfolgreich, da die Fabrikinspektion,\u00a0 ein Vorl\u00e4ufer der Gewerbeaufsicht, auf die Arbeitsverh\u00e4ltnisse in den Speyerer Ziegelwerken aufmerksam wurde. Zudem registrierte der bei der Protestversammlung das Wort f\u00fchrende Vertreter der &#8222;Nichtgewerblichen&#8220;, eine Gewerkschaftsorganisation, laut Zeitungsbericht, &#8222;ein betr\u00e4chtliche Anzahl Arbeiterinnen, die sofort ihren Beitritt zu dem\u00a0 Verband erkl\u00e4rten&#8220;. (wk)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ausgebeutete Proletarierinnen&#8220; \u00a0Speyerer Frauen-Streik 1899 in den Ziegelwerken war eine Sensation Bei Streiks geht es vorwiegend um eine bessere Entsch\u00e4digung. Darum ging es auch bei der vermutlich ersten Arbeitsniederlegung von Frauen und M\u00e4dchen in Deutschland &#8211; beim Streik 1899 in den Vereinigten Ziegelwerken von Speyer. 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