{"id":1991,"date":"2016-06-12T17:46:53","date_gmt":"2016-06-12T15:46:53","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1991"},"modified":"2016-06-12T17:46:53","modified_gmt":"2016-06-12T15:46:53","slug":"geradezu-trostloser-zustand","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=1991","title":{"rendered":"&#8222;Geradezu trostloser Zustand&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><b>STADTGESCHICHTE(N):\u00a0 Speyerer Dichter Schandein und die Stra\u00dfen seiner Stadt<\/b><\/p>\n<p>Handelten die Speyerer Stadtv\u00e4ter gro\u00dfm\u00fctig oder unwissend? Denn ausgerechnet einer der M\u00e4nner, sie 1925 mit der Benennung einer Stra\u00dfe auszeichneten, hatte den Zustand des Stra\u00dfennetzes mit einem Namen belegt, den die &#8222;Speierer Zeitung&#8220; w\u00e4hrend <!--more-->des 1. Weltkriegs &#8222;zwar zutreffend, aber unaussprechlich&#8220; hielt. Der Volkskundler, Mundartdichter und Kreisarchiv-Direktor Ludwig Schandein (1831 &#8211; 1894) hatte offenbar kein Blatt vor den Mund genommen.<\/p>\n<p>Schandein d\u00fcrfte die \u00f6rtlichen Stra\u00dfen schon in den 1880-erJahren so vorgefunden haben, wie sich sich noch Jahrzehnte sp\u00e4ter pr\u00e4sentierten. Jedenfalls erregte sich die erw\u00e4hnte Zeitung in einem f\u00fcr die damals \u00fcbliche Lokalberichterstattung ungew\u00f6hnlich deutlichen Bericht \u00fcber den &#8222;geradezu trostlosen Zustand, \u00fcber den sich die Stra\u00dfen der Kreishauptstadt befinden&#8220;. Ausgel\u00f6st hatte die Schilderung die Beschaffenheit der Stra\u00dfen im seinerzeit strengen Winter.<\/p>\n<p>&#8222;Wegen des Mangels an Kanalisation flie\u00dfen die schmutzigen Hausabw\u00e4sser \u00fcber die Fu\u00dfsteige auf den Stra\u00dfen und gefrieren sofort. Stra\u00dfen und Fu\u00dfsteige sind in ihrer ganzen Breite mit Eis bedeckt und gleichen zugefrorenen Gew\u00e4ssern. Von Sandstreuen ist nat\u00fcrlich kaum die Rede, und wenn es taut, verwandeln sich die innerst\u00e4dtischen Stra\u00dfen in Seen. Hoffentlich kann die Kanalisation zur Ausf\u00fchrung kommen&#8220;.<\/p>\n<p>Die &#8222;Speierer Zeitung&#8220; r\u00fcgte vor 100 Jahren aber nicht nur die Stadtverwaltung: \u201eNach einem sommerlichen Gewitter mit Gussregen sind die Stra\u00dfen ebenfalls \u00fcberschwemmt. Aber daran tr\u00e4gt nicht allein der Mangel an Kanalisation die Schuld, auch die Hausbesitzer und anderen Einwohner. Denn die Stra\u00dfenrinnen werden nicht freigehalten. Zudem erregt die skandal\u00f6se, flegelhafte Verunreinigung der Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze den Unwillen eines jeden einigerma\u00dfen anst\u00e4ndigen Menschen&#8220;. Au\u00dferdem sei es schwer, &#8222;bei Dunkelheit den Weg nach Hause zu finden. Die Anregungen, Richtlaternen brennen zu lassen wie zum Beispiel in Frankenthal hat in Speyer nat\u00fcrlich auch noch keinen Erfolg gehabt&#8220;.<\/p>\n<p>Wenn sich auch die Zust\u00e4nde im Laufe der Jahrhunderte wesentlich gebessert haben &#8211; bei seinem Dienstantritt 1919 hatte B\u00fcrgermeister Karl Leiling die Stadt als r\u00fcckst\u00e4ndig empfunden: &#8222;Zwei Drittel der Gassen und Stra\u00dfen sind nur geschottert und erst ein Drittel gepflastert&#8220;. Inzwischen hat im Bereich der Innenstadt nur noch die R\u00fctzhaubstra\u00dfe einen Belag, der weder mit Auto,<br \/>\nRoller und Fahrrad\u00a0 gut zu befahren ist. Gut beleuchtetet dagegen ist diese buckelige Kopfsteinpflaster-Strecke ebenso wie die meisten anderen Speyerer Stra\u00dfen. (wk)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>STADTGESCHICHTE(N):\u00a0 Speyerer Dichter Schandein und die Stra\u00dfen seiner Stadt Handelten die Speyerer Stadtv\u00e4ter gro\u00dfm\u00fctig oder unwissend? 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