{"id":2058,"date":"2017-06-29T08:01:24","date_gmt":"2017-06-29T06:01:24","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=2058"},"modified":"2017-06-29T08:01:24","modified_gmt":"2017-06-29T06:01:24","slug":"zwangsarbeit-in-speyer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=2058","title":{"rendered":"Zwangsarbeit in Speyer"},"content":{"rendered":"<p><b>Der englische Bildhauer Robert Koenig erinnert daran mit 45 h\u00f6lzernen Skulpturen<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ab dem 19. Mai 2017 sind 45 h\u00f6lzerne Skulpturen des Bildhauers Robert Koenig Teil des Speyerer Stadtbildes. Damit will der Engl\u00e4nder aus Manchester auch seiner Mutter gedenken, die w\u00e4hrend der Nazi-Zeit als polnische Zwangarbeiterin in den Flugzeugwerken t\u00e4tig werden musste.<\/p>\n<p>Der Geschichtslehrer Jan Storre wird dar\u00fcber am Sonntag, 11. Juni (11 Uhr), in einer gemeinsamen Volkshochschul-Veranstaltung des Stadtarchivs und des Historischen Vereins in der Villa Ecarius berichten.\u00a0 Mit der &#8222;Zwangsarbeit in Speyer 1939 bis 1945&#8220; befasste er sich in seiner Staatsexamensarbeit f\u00fcr die Universit\u00e4t Mainz. Unabh\u00e4ngig davon hat sich Diplomarchivarin Katrin Hopstock vom Stadtarchiv Speyer mit diesem Theme besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Mehrere Speyerer Betrieben wie den Flugzeugwerken Saarpfalz, dem Gro\u00dfunternehmen Siemens &amp; Halske, der Firma He\u00df, der Schuhfabrik Rovo, Tabakfabrik Brinkmann und Gem\u00fcsekonserve-Firma Wirth hatten mehr oder minder freiwillige Zivilarbeiter, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene besch\u00e4ftigt. Auch kleinere Betriebe der Landwirtschaft, kommunale und kirchliche Einrichtungen nutzten diese M\u00f6glichkeit zu &#8222;preiswerten&#8220; Arbeitskr\u00e4ften, die vorwiegend aus Polen, der damaligen UdSSR\u00a0 und aus Frankreich kamen. Im Dezember 1943 gab es in Speyer 1942 Fremdarbeiter und -arbeiterinnen, von den \u00fcber die H\u00e4lfte aus der Sowjetunion kamen.<\/p>\n<p>Au\u00dferhalb der Arbeit lebten diese Arbeitskr\u00e4fte in Firmenunterk\u00fcnften, zu Schlafr\u00e4umen umfunktionierten Gasthauss\u00e4len und in mehreren st\u00e4dtischen Lagern, so auf der Kuhweide, am Eselsdamm, an den Flugzeugwerken und an der Waldeslust. An den mit Draht umzogenen Wohnbarackenlagern f\u00fcr Kriegsgefangene waren Schildern angebracht mit der mehrsprachigen Inschrift &#8222;Halt! Wer den Warndraht \u00fcberschreitet, wird ohne Anruf erschossen&#8220;.<\/p>\n<p>Storre\u00a0 berichtet auch von Zwischenf\u00e4llen. So von der Arbeitsniederlegung franz\u00f6sischer Zivilarbeiter am 12. Juni 1943 in der Tabakfirma Brinkmann. Die deswegen alarmierten Kriminalpolizei hielt fest, &#8222;sie haben\u00a0 angegeben, vor M\u00fcdigkeit nicht mehr arbeiten zu k\u00f6nnen&#8220;. Der Streik sei g\u00fctlich beigelegt worden.<\/p>\n<p>Meist weniger glimpflich endeten Diebst\u00e4hle von Lebensmitteln und Tabakwaren. So wurden zwei &#8222;Ostarbeiterinnen&#8220; in ein Konzentrationslager eingeliefert. Drei Franzosen erhielten offenbar wegen eines &#8222;Tauschgesch\u00e4fts&#8220; Gef\u00e4ngnisstrafen zwischen sechs und 18 Monaten. Sie versuchten zweimal aus dem Speyerer Amtsgericht auszubrechen. Das misslang. Die Folge: Die Strafkammer Frankenthal verurteilte die Franzosen im Juli 1944\u00a0 wegen &#8222;Gefangenenmeuterei&#8220; zu hohen Gef\u00e4ngnisstrafen.<\/p>\n<p>Streng verboten war der &#8222;n\u00e4here&#8220; Kontakt zwischen Ausl\u00e4ndern und einheimischen Frauen. Storre fand heraus: &#8222;Die \u00f6ffentliche Diffamierung einer einheimischen Arbeiterin, der ein Verh\u00e4ltnis mit einem Franzosen nachgesagt wurde, blieb in Speyer die Ausnahme&#8220;.<\/p>\n<p>Anmerkung: Auch in Dudenhofen gab es ein Lager f\u00fcr Zwangsarbeiterinnen; sie waren in der \u00f6rtlichen Firma Walter und der Speyerer Rovo besch\u00e4ftigt. Der Historiker Paul <b>\u00a0<\/b>Warmbrunn vom Landesarchiv Speyer berichtete vor einiger Zeit dar\u00fcber. \/wk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der englische Bildhauer Robert Koenig erinnert daran mit 45 h\u00f6lzernen Skulpturen &nbsp; Ab dem 19. Mai 2017 sind 45 h\u00f6lzerne Skulpturen des Bildhauers Robert Koenig Teil des Speyerer Stadtbildes. Damit will der Engl\u00e4nder aus Manchester auch seiner Mutter gedenken, die w\u00e4hrend der Nazi-Zeit als polnische Zwangarbeiterin in den Flugzeugwerken t\u00e4tig werden musste. 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