{"id":207,"date":"2012-08-18T12:31:34","date_gmt":"2012-08-18T10:31:34","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/?p=207"},"modified":"2013-09-03T17:58:22","modified_gmt":"2013-09-03T15:58:22","slug":"von-der-galgmuhle-zum-sagewerk","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=207","title":{"rendered":"Von der Galgm\u00fchle zum S\u00e4gewerk"},"content":{"rendered":"<p>Au\u00dferhalb der Stadtmauer standen hier zwei M\u00fchlen, die erstmals im 13. Jahrhundert erw\u00e4hnt wurden, die Galgm\u00fchlen. Dabei hatte dieser Name nichts mit dem Galgen zu tun, zu dem n\u00e4mlich der Armens\u00fcnderweg f\u00fchrte. Das alte Wort \u201cGalgo\u201d bedeutet Kreuz. Vermutlich hat ein dort stehendes Feldkreuz die Bezeichnung verursacht. Sp\u00e4ter waren die M\u00fchlen als die obere und untere \u201cSchie\u00dfberger M\u00fchle\u201d bekannt. Diese beiden M\u00fchlen, die in ihrer letzten Form erst 1889 durch einen M\u00fchlengro\u00dfbrand einge\u00e4schert wurden, hatten ein wechselvolles Schicksal, das mit dem der Stadt Speyer eng verbunden war. Alte Urkunden weisen aus, dass sie am 5. Juli 1462 in der sogenannten \u201cMainzer Bischofsfehde\u201d niederbrannten. Im Jahre 1554 wird von neuer Zerst\u00f6rung und Wiederaufbau berichtet. Im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Kriege fielen sie zweimal den Kriegsst\u00fcrmen zum Opfer. 1687 waren sie wieder aufgebaut, 1689 teilten sie das Schicksal der alten Kaiserstadt. Da die Urkunden l\u00fcckenhaft sind, werden die M\u00fchlen in den Zwischenzeiten sicherlich noch mehrfach zerst\u00f6rt sein. Aber immer wieder erstanden sie neu und imer wieder war der Speyerbach es, dessen Wasserkraft ihnen neues Leben schenkte.<br \/>\nDass \u00fcberhaupt so viele Urkunden gerade \u00fcber diese M\u00fchlen erhalten sind, verdanken wir den mannigfaltigen Streitigkeiten, meist um eben diese Wasserkraft, die aufgezeichnet sind. Da waren M\u00fchlen im Oberlauf und am Woogbach, die das Wasser abschnitten, Querb\u00e4ume, die zur Wiesenbew\u00e4sserung oberhalb gelegt wurden, Holzfl\u00f6\u00dferei auf dem Rehbach, die zu Verstopfungen f\u00fchrte. Hinzu kam, dass Domstift und Allerheiligenstift, die urspr\u00fcnglichen Besitzer, oft mit der Stadt in Streit lagen um die Abgaben der M\u00fchlen, um die Besetzung mit neuen M\u00fcllern, um das \u201cBachfegen\u201d, die Bachreinigung, um die Rechte neuer st\u00e4dtischer M\u00fchlen und so weiter. So entstanden viele Urkunden von Verhandlungen und Vergleichen, die heute noch von dem Schicksal der \u201cGalgm\u00fchlen\u201d erz\u00e4hlen.<br \/>\nEs blieb auch nicht dabei, dass die Wasserkraft des Speyerbachs nur zum Mahlen des Getreides, zur Herstellung von Mehl benutzt wurde. W\u00e4hrend des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges war hier auch eine Pulverm\u00fchle im Gang, die den Getreidem\u00fchlen das Wasser fortnahm, aber in diesen Kriegszeiten bevorzugt war. 1712 wird auch erstmals eine \u00d6lm\u00fchle erw\u00e4hnt und ebenso eine Schneidm\u00fchle zum Holzschneiden, erste Vorl\u00e4uferin also des S\u00e4gewerkes, das endg\u00fcltig im Jahre 1864 errichtet wurde.<br \/>\nEs steht ja fest, dass der Speyerbach ein k\u00fcnstlicher Wasserlauf ist, w\u00e4hrend der urspr\u00fcngliche Lauf des Baches weiter n\u00f6rdlich im Zuge des Woogbachs verlief. Nur \u00fcber die Zeit, in der dieser Bach entstand, besteht keine Einigkeit. Manche Forscher f\u00fchren ihn schon auf die R\u00f6mer zur\u00fcck, die wahrscheinlichste Deutung ist aber wohl, dass er zur Zeit des Dombaues, also im 11. Jahrhundert, angelegt wurde, um Baumaterial zum Dom zu transportieren. Die Wasserkraft, damals die einzige Kraftquelle, wurde au\u00dfer von den Galgm\u00fchlen, von einer ganzen Reihe von M\u00fchlen im Stadtgebiet ausgenutzt. Es war also durchaus verst\u00e4ndlich, dass die Nutznie\u00dfer dieser Kraft eifers\u00fcchtig dar\u00fcber wachten, dass an der Hanhofer Scheid gen\u00fcgend Wasser in den Speyerbach floss, dass der Wasserzulauf des Gesamtbaches nicht schon oberhalb durch willk\u00fcrliche Entnahmen oder Ableitungen geschm\u00e4lert wurde.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/DSCF4818.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"DSCF4818\" alt=\"\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/DSCF4818-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><br \/>\nNoch bis in die Neuzeit hinein haben sich Gerichte mit solchen \u201cWasserschikanen\u201d besch\u00e4ftigen m\u00fcssen. Wer Zeit hat, sich in alte Akten zu versenken, kann mancherlei Kuriosit\u00e4ten \u00fcber diese \u201cWasserk\u00e4mpfe\u201d, die mit allen Mitteln gef\u00fchrt wurden, ausgraben. Selbst die beiden M\u00fchlen, die sp\u00e4ter Mauer an Mauer grenzten, standen oft miteinander in hitzigem Streit, weil einer dem anderen \u201cdas Wasser abgrub\u201d.<br \/>\n1828 taucht dann in der Geschichte der M\u00fchlen erstmals der Name Steiner auf, der dem S\u00e4gewerksbetrieb den Namen gibt. Johann Jakob Steiner aus B\u00f6chingen heiratete damals die Tochter des Besitzers der Unterm\u00fchle, Reinhard. Er ging sofort mit gro\u00dfer Tatkraft daran, die offensichtlich verwahrloste M\u00fchlenanlage einzurei\u00dfen und 1835 wieder neu aufzubauen. Im Laufe der Jahe wurde dann ein umfangreicher Landbesitz hinzuerworben und 1869 kam dann auch die Oberm\u00fchle mit Wohnhaus in den Besitz der Familie Steiner. Schon f\u00fcnf Jahre fr\u00fcher, 1864 wurde das S\u00e4gewerk errichtet, das sich, st\u00e4ndig weiter ausgebaut, besonders auch nach dem Brand 1889, der die beiden alten Getreidem\u00fchlen ein\u00e4scherte, zu dem heutigen Anwesen entwickelte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Au\u00dferhalb der Stadtmauer standen hier zwei M\u00fchlen, die erstmals im 13. Jahrhundert erw\u00e4hnt wurden, die Galgm\u00fchlen. Dabei hatte dieser Name nichts mit dem Galgen zu tun, zu dem n\u00e4mlich der Armens\u00fcnderweg f\u00fchrte. Das alte Wort \u201cGalgo\u201d bedeutet Kreuz. Vermutlich hat ein dort stehendes Feldkreuz die Bezeichnung verursacht. 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