{"id":2118,"date":"2017-12-02T11:47:36","date_gmt":"2017-12-02T09:47:36","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=2118"},"modified":"2017-12-02T11:47:36","modified_gmt":"2017-12-02T09:47:36","slug":"die-sache-mit-der-adolf-hitler-strasse-in-speyer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=2118","title":{"rendered":"Die Sache mit der Adolf-Hitler-Stra\u00dfe in Speyer"},"content":{"rendered":"<p>Bald soll der Stadtrat entscheiden, welche Speyerer Stra\u00dfe oder Allee nach dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl benannt werden wird. \u00dcber Benennungen dieser Art wurde w\u00e4hrend der Nazi-Zeit nicht diskutiert. Falls nicht schon in jeder Stadt und in jedem gr\u00f6\u00dferen Dorf auf Anweisung \u00f6rtlicher Parteigenossen geschehen, erging aus Berlin die Anordnung, sich auf diese Weise vom F\u00fchrer &#8222;beschenken&#8220; zu lassen. Das war in Speyer nicht anders.<\/p>\n<p>In der Domstadt lag die &#8222;Adolf-Hitler-Stra\u00dfe&#8220; nicht etwa im Zentrum wie anderswo zumeist, sondern am westlichen Stadtrand. Aufm\u00fcpfigkeit gegen die Reichsf\u00fchrung etwa? &#8222;Das Gegenteil war der Fall&#8220; fand Ferdinand Schlickel heraus, ein auch mit der Speyerer Stadtgeschichte vertrauter fr\u00fcherer Journalist.<\/p>\n<p>Danach hatten die Speyerer Nazis\u00a0von einer Prunkallee zwischen dem Wasserturm (dort bestand bereits eine Adolf-Hitler-Stra\u00dfe) und der Iggelheimer Landstra\u00dfe geschw\u00e4rmt und diesen Plan in Berlin vorgelegt. Die NS-F\u00fchrung reagierte offenbar umgehend und rekrutierte f\u00fcr diese k\u00fcnftige kilometerlange Prachtstra\u00dfe, die sich zu gro\u00dfartigen Einz\u00fcgen in die Stadtmitte eignen w\u00fcrde, den Namen des &#8222;F\u00fchrers&#8220;.<\/p>\n<p>Doch als es sich ab 1943 zeigte, dass es wohl nichts werden w\u00fcrde mit dem &#8222;Tausendj\u00e4hrigen Reich&#8220;, wurde der Plan einer Prunkallee fallen gelassen. Daf\u00fcr sollte eine gro\u00dfe Stra\u00dfe inmitten der Stadt den Namen Adolf Hitlers tragen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wurde daf\u00fcr die Bahnhofstra\u00dfe vorgeschlagen. &#8222;Das lehnte der damalige zweite B\u00fcrgermeister Cornelius Bechtel ab&#8220;, berichtete Schlickel. Das Argument des B\u00fcrgermeisters: &#8222;Eine Stra\u00dfe, die seit 1860 so hei\u00dft und zum Bahnhof f\u00fchrt, wird f\u00fcr die B\u00fcrger immer die Bahnhofstra\u00dfe bleiben. Das ist nicht gro\u00df und nicht erhaben genug f\u00fcr den F\u00fchrer&#8220;. Zusammen mit Karl Delobelle, dem NS-Aufpasser des B\u00fcrgermeisters Karl Leiling, brachte Bechtel die Wormser und die Johannesstra\u00dfe ins &#8222;Adolf-Hitler-Spiel&#8220;.<\/p>\n<p>Leiling sprach dagegen. Er verwies vor dem Stadtrat darauf, welche Schwierigkeiten dem Grundbuch- und Katasteramt durch die Umbenennung entstehen w\u00fcrden und behauptete, &#8222;das will der F\u00fchrer in diesen Zeiten nicht&#8220;. Dieses Argument zog. Die Stra\u00dfe mit dem Namen Adolf Hitler blieb auf das relativ kurze St\u00fcck &#8222;Am Wasserturm&#8220; beschr\u00e4nkt. So hei\u00dft sie wieder, seit sie &#8211; wie f\u00fcnf andere Speyerer Stra\u00dfen auch &#8211; nach dem Krieg &#8222;entnazifiziert&#8220; wurde. \u00a0<b>&#8211; wk<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bald soll der Stadtrat entscheiden, welche Speyerer Stra\u00dfe oder Allee nach dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl benannt werden wird. \u00dcber Benennungen dieser Art wurde w\u00e4hrend der Nazi-Zeit nicht diskutiert. 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