{"id":330,"date":"2012-10-02T20:16:49","date_gmt":"2012-10-02T18:16:49","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/?p=330"},"modified":"2013-09-03T17:18:41","modified_gmt":"2013-09-03T15:18:41","slug":"die-hammelbrucke","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=330","title":{"rendered":"Die Hammelbr\u00fccke"},"content":{"rendered":"<p>Wer die alte Rheinh\u00e4user Stra\u00dfe zum Altrhein geht, muss \u00fcber die Hammelbr\u00fccke. Es ist eine alte verwitterte Steinbr\u00fccke. Sie \u00fcberquert einen schmalen Wassergraben, der vom Tafelsbrunnen herkommend, in die Goldgrube zieht. Von der Goldgrube, einst ein sehr ertragreiches Fischwasser, das mit dem Rhein in Verbindung stand, ist nicht mehr viel zu erkennen. Sie erstreckt sich ostw\u00e4rts der Br\u00fccke und ist heute zum gro\u00dfen Teil verlandet. S\u00fcdwestlich der Br\u00fccke, zwischen Hochwasserdamm und Wassergraben, zieht die Hammelweide hin, nach der die Br\u00fccke ihren Namen hat. Heute liegt die Hammelbr\u00fccke abseits des Verkehrs. Nur hie und da, wenn amerikanische Truppen am nahen Altrhein \u00dcbungen abhielten, fuhren schwere Lastwagen und Amphibienfahrzeuge \u00fcber die alte Br\u00fccke. Aber sonst ist es hier einsam.<\/p>\n<div><a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Hammelbruecke.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Hammelbruecke\" alt=\"\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Hammelbruecke-300x204.jpg\" width=\"300\" height=\"204\" \/><\/a><\/div>\n<p>Fr\u00fcher war das einmal anders. Bevor im 19. Jahrhundert die neue Rheinh\u00e4user Stra\u00dfe angelegt wurde, musste, wer \u00fcber die Rheinh\u00e4user F\u00e4hre ins Rechtsrheinische wollte, die Hammelbr\u00fccke \u00fcberqueren. Einst z\u00e4hlte diese unscheinbare Br\u00fccke zu den wichtigsten weit und breit. \u00dcber sie zog eine der verkehrsreichsten Handels- und Poststra\u00dfen des alten Reiches. Ihre h\u00f6chste Bedeutung erlangte sie unter Kaiser Maximilian, der zwischen seinen \u00f6sterreichischen Erblanden und den burgundisch-habsburgischen Besitzungen im heutigen Belgien einen st\u00e4ndigen Botendienst einrichtete. Reitende Boten verkehrten zwischen Innsbruck im S\u00fcden und Br\u00fcssel im Norden. Hier bei Rheinhausen setzten sie \u00fcber den Rhein. Sp\u00e4ter verlor diese Stra\u00dfe ihre Bedeutung immer mehr. Sie blieb aber noch bis zur Franz\u00f6sischen Revolution die wichtigste Verbindungsstra\u00dfe zwischen den links- und rechtsrheinischen Besitzungen des F\u00fcrstbistums Speyer. Nach dem Untergang des F\u00fcstbistums riss fast jede Verbindung ab und die Rheinh\u00e4user F\u00e4hre hatte nur noch lokale Bedeutung. Als die neue Stra\u00dfe nach Rheinhausen den bescheidenen Verkehr an sich zog, vereinsamte die Hammelbr\u00fccke vollends.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/hammelneu.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"hammelneu\" alt=\"\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/hammelneu-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/a><br \/>\n1606 wurde die Hammelbr\u00fccke zum ersten Male mit Steinen gew\u00f6lbt. Vorher war sie wohl aus Balken gef\u00fcgt. Das Ratsprotokoll meldet dar\u00fcber: \u201cDie Baumeister referieren, dass sie die Schafbr\u00fccke \u2013 das ist eigentlich der richtige Name \u2013 nicht wie von alters von Holz, sondern von Steinen zu machen verdingt und haben sie die Werkmeister anders nicht denn 150 Gulden wollen behandeln lassen\u201d. Die st\u00e4dtischen Baumeister vergaben also die Br\u00fcckenarbeiten an die Werkmeister um 150 Gulden. 1689, als die t\u00fcrmereiche Stadt in Schutt und Asche sank, scheint auch die Schafbr\u00fccke demoliert worden zu sein.<br \/>\nDaraufhin deutet auch folgender Vorfall: Am Himmelfahrtstag des Jahres 1714 zogen, wie seit alters her, die bisch\u00f6flichen Untertanen aus dem \u00fcberrheinischen Amt Philippsburg in einer Prozession zur Speyerer Bischofskirche. Damit nun die althergebrachten Rechte auch beachtet wurden, mussten jedesmal 16 bisch\u00f6fliche und 16 reichsst\u00e4dtische Geleitsreiter die Prozession begleiten. An diesem Himmelfahrtstag nun ritten \u00fcber 50 bisch\u00f6fliche Geleitsreiter mit. Au\u00dferdem waren sie, nicht wie sonst, nur mit Pistolen und Seitengewehren bewaffnet, sondern auch mit Karabinern. Die Reichsstadt Speyer stellte dagegen nur zwei Geleitsreiter. Der Hinweg verlief ohne besondere Vorkommnisse. Auf dem R\u00fcckweg aber ereignete sich dann ein bedauerlicher Zwischenfall. Dort ungef\u00e4hr, wo sich heute die Rheinh\u00e4userstra\u00dfe in die alte und die neue teilt, zog die Prozession nicht wie \u00fcblich auf dem alten Weg weiter, der \u00dfber die Hammelbr\u00fccke und an der Goldgrube vorbeizieht, sondern schlug einen Fu\u00dfpfad ein, der diesen Umweg abk\u00dfrzte. Die st\u00e4dtischen Geleitsreiter versuchten die Prozessionsteilnehmer daran zu hindern. Es kam zu h\u00e4sslichen Reden und zornigem Geschrei. Zu guter Letzt beendeten die bisch\u00f6flichen Geleitsreiter den Streit dadurch, dass sie die st\u00e4dtischen Reiter gefangennahmen und nach Philippsburg schleppten. Daraufhin brachte der Rat zwei bisch\u00f6fliche Untertanen, die er in der Stadt festnehmen lie\u00df, ebenfalls hinter Schloss und Riegel. Diese gegenseitigen \u00dcbergriffe f\u00fchrten schlie\u00dflich, nachdem noch andere Streitigkeiten dazugekommen waren, zu dem sogenannten \u201cSpeyerer Bauernkrieg\u201d im Jahre 1716.<br \/>\nWegen des Zwischenfalls am Himmelfahrtstag 1714 stellte sich der f\u00fcrstbisch\u00f6fliche Zollschreiber Lump auf den Standpunkt: \u201cDie Prozession w\u00fcrde nimmermehr \u00fcber die Weid gegangen sein, wenn die Schafbr\u00fccke gemacht gewesen w\u00e4re\u201d. Trotzdem wurde aber am Zustand der Br\u00fccke kaum etwas ge\u00e4ndert, denn einige Jahre sp\u00e4ter, 1719, sprachen die Ratsherren B\u00fcst und Meurer bei dem f\u00fcrstbisch\u00f6flichen Vizekanzler Streit vor und baten ihn, er m\u00f6ge daf\u00fcr sorgen, dass die bisch\u00f6flichen Untertanen, auch die f\u00fcrstliche Hofkammer und das Domkapitel, nicht mehr den sogenannten Bischofsweg \u00fcber die Rheinh\u00e4user Weide benutzten und dadurch \u201cdie Weid ruinierten m\u00f6gten\u201d. Vizekanzler Streit erkl\u00e4rte dagegen, \u201cdass dieses Begehren ganz billig sei, nur m\u00f6ge die Schafbr\u00fccke in brauchbaren Stand wieder hergestellt werden\u201d. Auf diese Unterredung hin beschloss der Rat, \u201cdie Schafbr\u00fccke so bald als m\u00f6glich zu reparieren\u201d. Das war im April 1719.<br \/>\nIm August 1719 wurde schon an der Br\u00fccke gearbeitet, aber nicht so, wie es der Ratsbeauftragte Herr Schreyer gern gesehen h\u00e4tte. Er gab n\u00e4mlich folgendes zu Protokoll: \u201cDass bei Legung des Fundaments an der neuen Schafbr\u00fccke, der Bauschaffner \u2013 das war damals Christian Dathan (er war von 1710 bis zu seinem Tode im Jahre 1744 Bauschaffner der Stadt) \u2013 zwei Tage abwesend zu Roth und Altdorf gewesen, welches ihm nicht geb\u00fchrt hatte. Wenn demnach die Br\u00fccke \u00fcber kurz oder lang Schaden leide, wolle er entschuldigt sein. Bei dergleichen kostbarer Arbeit m\u00fcsse der Bauschaffner notwendig gegenw\u00e4rtig sein\u201d. Daraufhin beschloss der Rat: \u201cDem Bauschaffner soll seine Nachl\u00e4ssigkeit verwiesen und erinnert werden, seinem Amt flei\u00dfiger abzuwarten\u201d.<\/p>\n<p>1742 wurde wieder an der Schafbr\u00fccke gearbeitet. Daran erinnert noch die \u00fcber dem westlichen Durchlass eingemei\u00dfelte Jahreszahl 1742.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/hammelinschrift.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"hammelinschrift\" alt=\"\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/hammelinschrift-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Ratsprotokoll berichtigt \u00fcber diese Arbeiten: \u201cVon wegen l\u00f6blichen Bauamts zeigt Herr Altmeister Hoffmann (gemeint ist der Altb\u00fcrgermeister Andreas Hoffmann) an, dass \u201cweil n\u00f6tig seie, die Schafbr\u00fccke mit einem Dol, wie vormals beschlossen worden, herzustellen, als w\u00e4ren zwei \u00fcberschl\u00e4g gemacht worden, welche er zugleich exhibierte (vorlege), da nach des Bauschaffners seinem (\u00dcberschlag) die Arbeit zu 70 bis 75 Gulden, nach des Deberts (ein Speyerer Maurermeister) seinem (\u00dcberschlag) aber zu 90 Gulden angerechnet worden\u201d. Der Rat beschloss: \u201cWird die Accordierung der Arbeit l\u00f6blichem Bauamt \u00fcberlassen. Doch w\u00e4re wegen dermaligem gro\u00dfen Wasser (Hochwasser) die Sache noch zu besserer Saison auszusetzen\u201d. Man wollte die Arbeit erst bei niedrigem Wasserstand ausgef\u00fchrt haben.<br \/>\nSeitdem ist die Schafbr\u00fccke \u00fcber zweihundertsechzig Jahre \u00e4lter geworden. Des Ratsherrn Schreyer Bef\u00fcrchtungen, \u201cdass sie \u00fcber kurz oder lang Schaden leide\u201d, haben sich nicht bewahrheitet.<\/p>\n<p>Quelle: Beitr\u00e4ge zur Speyerer Stadtgeschichte Heft 1, Fritz Klotz, Stadtgeschichtliche Miszellen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer die alte Rheinh\u00e4user Stra\u00dfe zum Altrhein geht, muss \u00fcber die Hammelbr\u00fccke. Es ist eine alte verwitterte Steinbr\u00fccke. Sie \u00fcberquert einen schmalen Wassergraben, der vom Tafelsbrunnen herkommend, in die Goldgrube zieht. 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