{"id":783,"date":"2013-08-31T11:54:17","date_gmt":"2013-08-31T09:54:17","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/?p=783"},"modified":"2013-09-03T20:28:34","modified_gmt":"2013-09-03T18:28:34","slug":"der-myriameterstein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=783","title":{"rendered":"Der Myriameterstein"},"content":{"rendered":"<p>Weil an einem f\u00fcr Kraftfahrzeuge gesperrten Waldweg postiert, bleibt ein St\u00fcck internationaler Rheinschifffahrts-Geschichte bei Speyer weitgehend unbeachtet.<br \/>\nNahe der ehemaligen &#8222;Anlage zum Freisch\u00fctzen&#8220; auf der Herrenwiese steht etwa eineinhalb Kilometer s\u00fcd\u00f6stlich der Schiffswerft zwischen dem Hauptdeich und dem von einem Altrheinarm durchsetzten Gebiet bis zum Leinpfad ein Myriameter-Stein. Das ist eine vor \u00fcber 100 Jahren aufgestellte, mit heute etwas geheimnisvollen Angaben versehene Vermessungsmarke f\u00fcr die damalige Rhein-Schifffahrt.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/img.geocaching.com\/cache\/8278af2b-6627-4b88-b93c-b9cd3ebefdcf.jpg\" width=\"600\" height=\"400\" \/><\/div>\n<p>1864 ordnete die &#8222;Central Commission f\u00fcr die Rheinschifffahrt&#8220; an, den Rhein ab der Mitte der mittleren Baseler Rheinbr\u00fccke bis zu seiner M\u00fcndung zu vermessen. Neu zu vermessen, denn vor und w\u00e4hrend der Tulla&#8217;schen Rheinbegradigung war dies zwischen 1817 und 1839 schon einmal geschehen. Doch die von verschiedenen Anliegerstaaten ermittelten Ma\u00dfe verwirrten offenbar.<\/p>\n<p>Zuvor musste die Verwirrung freilich noch gr\u00f6\u00dfer gewesen sein, waren doch die Schiffer auf dem abschnittsweise stark verzweigten Rhein auf die alten Ma\u00dfeinheiten angewiesen. Und die schwankten mit 550 bis 1100 Kilometern Rhein-Gesamtl\u00e4nge betr\u00e4chtlich.<\/p>\n<p>Die Kommission sorgte f\u00fcr Durchblick. Sie schrieb vor, dass die viereckigen Vermessungsmarken aus \u00fcberwiegend gelbbraunem Sandstein aus Ibbenbueren im n\u00f6rdlichen Westfalen zu bestehen sowie samt Sockel etwa 120 Zentimeter hoch und auf vier Seiten je etwa 50 Zentimeter breit zu sein hatten und zudem mit einer flachen Pyramide zu &#8222;deckeln&#8220; waren.<\/p>\n<p>Alle vier Seiten waren zu beschriften, tal- und bergw\u00e4rts des Stroms sowie dem Wasser zu- und weggeneigt. Die Angaben hatten Myriametern zu entsprechen. Das Wort &#8222;myria&#8220; kommt aus dem Altgriechischen und steht f\u00fcr zehntausend beziehungsweise zehntausendfach. Die Steine waren demnach in Myriaden aufzustellen: also alle zehn Kilometer.<\/p>\n<p>Postiert ist der Stein nahe des heutigen Rheinkilometers 394 (direkt bei Speyer: 400). Das besagt, dass es von da aus bis Konstanz 394 Rheinkilometer sind, denn 1939 wurde der Ausgangspunkt der Vermessung von Basel nach Konstanz verlegt. Ob der Stein urspr\u00fcnglich an seinem jetzigen Platz stand, ist fraglich. Der von Tulla begradigte Strom flie\u00dft 150 Meter \u00f6stlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weil an einem f\u00fcr Kraftfahrzeuge gesperrten Waldweg postiert, bleibt ein St\u00fcck internationaler Rheinschifffahrts-Geschichte bei Speyer weitgehend unbeachtet. Nahe der ehemaligen &#8222;Anlage zum Freisch\u00fctzen&#8220; auf der Herrenwiese steht etwa eineinhalb Kilometer s\u00fcd\u00f6stlich der Schiffswerft zwischen dem Hauptdeich und dem von einem Altrheinarm durchsetzten Gebiet bis zum Leinpfad ein Myriameter-Stein. 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