{"id":968,"date":"2013-10-03T20:55:19","date_gmt":"2013-10-03T18:55:19","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=968"},"modified":"2013-10-03T20:59:06","modified_gmt":"2013-10-03T18:59:06","slug":"die-speyerer-fleisch-schrannen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=968","title":{"rendered":"Die Speyerer Fleisch-Schrannen"},"content":{"rendered":"<div>\n<h1>Die Speyerer Fleisch-Schrannen<\/h1>\n<p>Neben dem Geb\u00e4ude der Sparkassenfiliale &#8222;Alte M\u00fcnze&#8220; zieht sich das kleine unscheinbare Schranneng\u00e4sschen vom alten Marktplatz bis zur Gro\u00dfen Himmelsgasse. Die Speyerer k\u00f6nnen sich unter dem Wort &#8222;Schranne&#8220; wenig vorstellen, da es aus dem Speyerer Wortschatz verschwunden ist. Unter &#8222;Schranne&#8220; versteht man in S\u00fcddeutschland einen Platz, auf dem etwas verkauft wird, auch eine Bank zum Verkauf von Fleisch und Brot oder einen Platz, auf dem verhandelt wird (Gerichtsschranne).<br \/>\nIm Mittelalter gab es in Speyer drei Fleisch-Schrannen: eine innerhalb des Altp\u00f6rtels, eine zwischen Korngasse und Hauptstra\u00dfe und die dritte an der heutigen Schrannengasse. Alle drei lagen sie am oder wenigstens in der N\u00e4he des Speyerbaches, der ja erst im 19. Jahrhundert \u00fcberdeckt wurde. Diese Lage hatte seinen Grund darin, dass jeder Metzger und sein Gesinde &#8222;den Wust, so aus den Kutteln kommt und das Blut von den Steinen und Staffeln, diese sobald sie gemetzelt haben, in den Bach hinvor kehren&#8220; und wegschwemmen lassen musste (1538). An den Metzelpl\u00e4tzen f\u00fchrten Schlachtbr\u00fccken \u00fcber den Bach. Auch auf diesen wurde geschlachtet: &#8222;so sie uff den Schlachtbr\u00fccken metzeln&#8220;. Damals durften die Metzger das Fleisch nicht in ihren H\u00e4usern verkaufen, sondern mussten es nach dem Herrichten in die Schranne bringen, wo es vor dem Verkauf dem Marktmeister vorgezeigt werden musste (1541). Daraufhin weist eine stadtpolizeiliche Verordnung aus der Mitte des 14. Jahrhunderts: &#8222;welicher ful fleisch, vinnet fleisch oder suwen fleisch verkauffet an der stat, do er nit dun soll, der git zwene schillinge Spirscher den metzeler meistern&#8220;. Eine weitere Verordnung bestimmt: &#8222;die heringe und b\u00fcckinge veil habent, die sollent sten an den vastschragen iensite zwuschent den fleischschdragen unde der bach und nit an dem vischemarkete&#8220;.<br \/>\nNach dem Brand der Stadt im Jahre 1689 gab es in Speyer nur noch zwei Fleisch-Schrannen. Die kleine lag zwischen Hauptstra\u00dfe und Korngasse. Die Stadtbeschreibung von 1773 meldet dar\u00fcber: &#8222;Die kleine Fleisch-Schranne ist auf einer Br\u00fccke neben dem Alten Kaufhaus, unter welcher die Bach, vorne die Kr\u00e4mergasse (Hauptstra\u00dfe), hinten der Bronnen, so in der Korngasse steht&#8220;. Hinter dem Alten Kaufhaus, in der Korngasse, lag der Metzelplatz, breit 18, tief oder lang 34 Schuh. An die kleine Fleisch-Schranne erinnert nichts mehr.<br \/>\nDie gro\u00dfe Fleisch-Schranne lag am Platz der Sparkassenfiliale &#8222;Alte M\u00fcnze&#8220;. \u00a0Beim Einzug des Bischofs Rudolf von Frankenstein 1554 hei\u00dft es: &#8222;desgleichen ist auf dem Markt bey der Fleisch-Schrannen herab bis zum Bronnen von bewehrten und geharnischten B\u00fcrgern (usw.) eine Schlachtordnung gemacht gewesen&#8220;. 1599 wird von einer Behausung am Markt berichtet: &#8222;einseits Johann Volz, andererseits die Fleisch-Schranne, hinten die Mehlwaage in unserer Stadt Speyer.&#8220; Nach dem Brand von 1689 wurde diese Schranne wieder erbaut. Bereits 1701 war sie soweit wieder aus Schutt und Asche erstanden, dass man an das Decken des Daches gehen konnte. Die Stadt stellte daf\u00fcr 2000 Brennziegel zur Verf\u00fcgung, die aber bei weitem nicht ausreichten. 1712 baten die beiden Zunftmeister Joh. Sebastian Rohr und Jerg Herr den Rat um Genehmigung eines Darlehens von 100 Reichstalern vom st\u00e4dt. Waisenhaus zur Errichtung ihrer Zunftstube. Ein Aquarell aus der Mitte des 18. Jahrhunderts im Museum zeigt links die Schranne mit einkaufenden Frauen und zwei Metzgerkarren. Die Stadtbeschreibung von 1773 berichtet \u00fcber die Schranne: &#8222;das Metzgerzunft Haus und gro\u00dfe Fleisch-Schranne, einer Ehrw\u00fcrdigen Metzgerzunft-Stube ist 2-st\u00f6ckig, nebst einem Hof&#8220;. Das Haus hat eine Breite von 10 Meter am Markt, in der Schrannengasse eine L\u00e4nge von 20 Meter. In den unteren R\u00e4umen, der &#8222;Schranne&#8220;, boten die Metzger ihr Fleisch feil. Gegen den Markt zu befanden sich zwei Gattertore von je 2,80 Meter Breite und 3,50 Meter H\u00f6he. Den davorliegenden Platz sch\u00fctzte ein auf drei S\u00e4ulen ruhendes Schr\u00e4gdach, das fast so lang wie die Hausfront und 3,50 Meter breit war. Unter ihm lag der eingang zum Keller. Die Schranne hatte zwei gro\u00dfe R\u00e4ume, die durch Pfeiler gest\u00fctzt wurden. Zwei Deckentr\u00e4gerskulpturen werden als einzigster Rest der Schranne im Museum aufbewahrt. Im Obergeschoss, gegen den Marktplatz zu, befand sich die gro\u00dfe Zunftstube. In ihr trafen sich die Speyerer Metzger bei ernsten und frohen Anl\u00e4ssen. So auch &#8211; in der alten Schranne &#8211; als 1479 Bischof Ludwig von Helmst\u00e4dt einzog: &#8222;Nachts gab es auf der G\u00e4rtner-Stuben vor dem Alt-P\u00f6rtlein, auch auf der Metzger-, Fischer- und Hasenpf\u00fchlerzunftstuben von dem fremden Volk gro\u00df Geschell, es wurden viel verwundet und hielten sich die B\u00fcrgermeister ohnerschrocken bei dem Tumult und die B\u00fcrger und Knecht bei ihnen&#8220; (Lehmann).<br \/>\nW\u00e4hrend der Revolutionskriege 1793, als die Kaiserlichen wieder zur\u00fcckgingen, war die Schranne von genesenden Ungarn belegt. &#8222;Dadurch wurde der Fleischverkauf benachteiligt, bisher h\u00e4tte man geschwiegen, nun aber werde die Schweinerei, welche die rekonvaleszierenden Ungarn auch in der Schranne anrichteten, unertr\u00e4glich, da sie nicht allein auf den Fleischb\u00e4nken ihre K\u00f6pfe s\u00e4ubern, so dass man \u00f6fters ganze B\u00fcschel mit L\u00e4usen vermischte Haare darauf antrifft, welche die ganzen Bl\u00f6cke infizieren, sondern auch allenthalben Haufen hinsetzen&#8220;. Soweit die &#8222;malerische&#8220; Beschreibung durch die beiden Metzger Joh. Daniel Freytag und Friedrich Christian Schultz.<br \/>\nZu Beginn des 19. Jahrhunderts machte man aus der Schranne ein Mauthaus, ein Warenhaus des Zollamts. Die Lagergeb\u00fchren, die der Stadtkasse zuflossen und 4 Kreuzer f\u00fcr den Zentner betrugen, waren so hoch, dass wenig Waren mehr darin gelagert wurden. Nicht ohe Seufzen stellte man 1839 fest, dass das Handelshaus Scharpff in der Rheinschanze (heute Ludwigshafen), &#8222;der bekannt gl\u00fccklichere Nebenbuhler des Speyerer Handelsverkehrs&#8220;, ganz freies Lager g\u00e4be. Als aber im August 1839 der Speyerer Freihafen er\u00f6ffnet wurde, kam fast nichts mehr in die Lagerhalle. Daher beschloss der Stadtrat am 3.7.1839, die Lagergeb\u00fchren ganz zu erlassen. In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts kam die Schranne in den Besitz des Schuhfabrikanten M\u00fcller. Dieser lie\u00df die Hausfront neu aufbauen, so wie sie noch 1937 zu sehen war. Nach ihm kam das Haus in den Besitz des Schuhhauses Weckbach. Dann kam 1937 der Abbruch und endlich 1950 die Fertigstellung der neuen Sparkasse.<\/p>\n<p>Quelle: Beitr\u00e4ge zur Speyerer Stadtgeschichte Heft 1, Fritz Klotz, Stadtgeschichtliche Miszellen<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Speyerer Fleisch-Schrannen Neben dem Geb\u00e4ude der Sparkassenfiliale &#8222;Alte M\u00fcnze&#8220; zieht sich das kleine unscheinbare Schranneng\u00e4sschen vom alten Marktplatz bis zur Gro\u00dfen Himmelsgasse. Die Speyerer k\u00f6nnen sich unter dem Wort &#8222;Schranne&#8220; wenig vorstellen, da es aus dem Speyerer Wortschatz verschwunden ist. 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