{"id":974,"date":"2013-10-28T08:01:26","date_gmt":"2013-10-28T06:01:26","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=974"},"modified":"2013-10-28T08:01:26","modified_gmt":"2013-10-28T06:01:26","slug":"von-alten-steinkreuzen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=974","title":{"rendered":"Von alten Steinkreuzen"},"content":{"rendered":"<div>\n<div id=\"inhalt\" style=\"text-align: justify;\">In der Umgebung von Speyer stehen einige verwitterte Sandsteinkreuze. Sie sind grob zugehauen und zeigen &#8211; mit einer Ausnahme &#8211; weder Schriftzeichen noch Jahreszahl. Teils hat man sie mit der Schlacht am Speyerbach im Jahre 1703 in Verbindung gebracht, teils sollen sie an Mord und Totschlag erinnern. Wie dem auch sei, der Phantasie bleibt viel Spielraum.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Im Schifferstadter Wald stehen zwei dieser Kreuze. Das eine, aus wei\u00dfem Sandstein, findet man etwas s\u00fcdostw\u00e4rts der Ranschbr\u00fccke. Es hat eine H\u00f6he von 1,35 m. Der \u00f6stliche Kreuzarm ist abgebrochen und eine Eisenklammer h\u00e4lt den Kreuzstamm am Sockel fest. Als einziges Zeichen erkennt man das Schifferstadter Hufeisen, ein Wappenzeichen, das auch auf den Grenzstein eingemei\u00dfelt und wohl eine sp\u00e4tere Zutat ist.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/div>\n<div><a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/100_7784.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-983 aligncenter\" alt=\"100_7784\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/100_7784-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/div>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Waldgewann &#8222;Kleines Land&#8220; findet man 150 m ostw\u00e4rts von Kilometerstein 4 und in etwa 30 m s\u00fcdlich der Schifferstadter Stra\u00dfe das zweite Kreuz. Es ist aus Rotsandstein und 1,55 m hoch.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/100_7785.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-982 aligncenter\" alt=\"100_7785\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/100_7785-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Gemarkung von Harthausen befinden sich ebenfalls zwei derartige Steinkreuze. Eines steht in der &#8222;Heid&#8220; beim Modenbach und hat eine H\u00f6he von 1,05 m. Das andere findet man in einer Wiese, westlich der Stra\u00dfe nach Hanhofen. Am oberen Kreuzarm ist die Harthausener Bannmarke &#8211; das Pflugmesser &#8211; eingemei\u00dfelt. Diese beiden Kreuze wurden von einem verdienten Speyerer Heimatforscher Dr. Gr\u00fcnenwald ausf\u00fchrlich beschrieben (s. Palatina S. 124).<a href=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/100_7779.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-981 aligncenter\" alt=\"100_7779\" src=\"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/html\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/100_7779-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Speyerer Wald findet man in der N\u00e4he des Rinkenberger Hofes, s\u00fcdlich der Schifferstadter Stra\u00dfe, ein Steinkreuz mit der nicht mehr vollst\u00e4ndigen Inschrift: &#8222;.. IG DES LORENZ HEISELS&#8220;. Es ist etwa 70 cm hoch. Schon die Inschrift verr\u00e4t, dass dieses Kreuz in Verbindung mit der untergegangenen St.-Laurentius-Kapelle von Rinkenberg steht. Es ist das einzige derartige Kreuz in der Speyerer Umgebung, \u00fcber das die schriftlichen Quellen Auskunft geben. Das Speyerer Ratsprotokoll von 1616 meldet dar\u00fcber: &#8222;Ao (Anno) 1616 ist das monumentum uf den platz wo die lorentzen Capele gestanden und abgangen, ufgerichtet worden mit der aufschrift in stein gehauen: WARZEIG DES LORENZ-HEISELS&#8220;. Vermutlich wurde es bei der Abtragung des &#8222;Lorenzen-Buckels&#8220; &#8211; dieser lag ja n\u00f6rdlich der Schifferstadter Stra\u00dfe und auf ihm stand die Kapelle &#8211; an seine heutige Stelle gesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis in die drei\u00dfiger Jahre stand ein Steinkreuz von 1,30 m H\u00f6he an der Stra\u00dfe nach Dudenhofen, gegen\u00fcber der Gie\u00dferei J.Vogel (heute Dudenhoferstr. 6-8). Am Schnittpunkt der Kreuzbalken war eine Schere eingemei\u00dfelt. Darunter befand sich eine schildf\u00f6rmige Vertiefung, in die wohl urspr\u00fcnglich eine Metallplatte eingelassen war. Dieses Kreuz lie\u00df Dr. Gr\u00fcnewald im Oktober 1924 wieder aufrichten und beschrieb es auch ausf\u00fchrlich (s. Palatina 1924, S. 174: Das Kreuz am Sch\u00fctzenbuckel). Wo ist es heute? Der Speyerer Geschichtsschreiber und Konrektor Georg Litzel (1694 &#8211; 1761) berichtet in seinen Schriften von einer ganzen Anzahl solcher Kreuze. Zu seiner Zeit (1747) standen an der Stra\u00dfe nach Worms &#8222;auf einem Platz \u00fcber 30 steinerne Kreuze, da eine ganze Hochzeitsgesellschaft, die vom Spitzenrheinhof zur\u00fcckkam, von feindlichen Reutern (Reitern) angegriffen und umgebracht worden&#8220;. Die Erz\u00e4hlung von der Hochzeitsgesellschaft ist wohl eine Sage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Dudenhofen standen bis 1863 an der Stra\u00dfe nach Harthausen drei Steinkreuze. \u00dcber ihr Aussehen und ihre Form ist nichts bekannt. Die Kreuze von Dudenhofen, Harthausen und das vom Sch\u00fctzenbuckel in Speyer werden mit der Schlacht am Speyerbach im Jahre 1703 in Verbindung gebracht. Diese Annahme ist aber sehr zweifelhaft. Derartige Kreuze sind im allgemeinen \u00e4lter. Im Mittelalter war ein Totschl\u00e4ger oder dessen Angeh\u00f6rige verpflichtet, zur Bu\u00dfe an der Mordstelle oder in deren N\u00e4he ein steinernes Kreuz, das &#8222;S\u00fchnekreuz&#8220;, errichten zu lassen. Die Vor\u00fcbergehenden sollten am Kreuz ein kurzes Gebet f\u00fcr die Seele des Erschlagenen sprechen. Daher fanden diese Kreuze zumeist an Wegen Aufstellung. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts kam diese Sitte au\u00dfer Gebrauch, da der &#8222;Ewige Landfrieden&#8220; und die Halsgerichtsordnung statt der Bu\u00dfen bestimmte Strafen festsetzten. Aber auch weiterhin wurden derartige Kreuze errichtet, allerdings nicht mehr als S\u00fchnekreuze, sondern als Erinnerungsmale an einen Ungl\u00fccksfall bei Gewitter, beim Holzmachen, bei der Jagd usw. Dieser Erinnerungsmale wurden von den Angeh\u00f6rigen aufgestellt. Generationen sp\u00e4ter war der Anlass dazu beim Volk oft schon vergessen, und nun wurden sie, gleich den S\u00fchnekreuzen, mit Mord und Totschlag in Verbindung gebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Namen sind auf den S\u00fchnekreuzen verst\u00e4ndlicherweise nicht zu finden. Der T\u00e4ter oder dessen Angeh\u00f6rigen wollten der Nachwelt so wenig wie m\u00f6glich von der Tat berichten.<br \/>\nEs kommt auch vor, dass solche Kreuze als Grenz- oder Gemarkungszeichen Verwendung fanden und daher mit der jeweiligen Bannmarke versehen wurden (das Kreuz beim Hanhofener Weg und das bei der Ranschbr\u00fccke). Einem \u00e4hnlichen Zwecke diente wohl das ehemalige Kreuz am Otterstadter Weg. Mit einem danebenstehenden Gemarkungsstein zeigte es die Gemarkungsgrenze zwischen Speyer und Otterstadt an. Auf dem Speyerer Flurplan von 1715 ist das Kreuz noch eingezeichnet. Heute erinnert daran der Gewannname &#8222;am Kreuz&#8220;. An der Stelle, wo einst dieses Kreuz stand, befinden sich heute eigent\u00fcmlicher Weise zwei sich ber\u00fchrende Grenzsteine.\u00a0Vielleicht soll einer von ihnen die Stelle des verschwundenen Kreuzes markieren. Das ist durchaus m\u00f6glich, da fr\u00fcher abgebrochene Grenzzeichen &#8211; und das Kreuz diente ja als Grenzzeichen &#8211; an Ort und Stelle durch neue ersetzt wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: Beitr\u00e4ge zur Speyerer Stadtgeschichte Heft 1, Fritz Klotz, Stadtgeschichtliche Miszellen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiterf\u00fchrende Informationen zu Steinkreuzen auf <a href=\"http:\/\/www.suehnekreuz.de\/\" target=\"_blank\">S\u00fchnekreuz.de<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Umgebung von Speyer stehen einige verwitterte Sandsteinkreuze. Sie sind grob zugehauen und zeigen &#8211; mit einer Ausnahme &#8211; weder Schriftzeichen noch Jahreszahl. Teils hat man sie mit der Schlacht am Speyerbach im Jahre 1703 in Verbindung gebracht, teils sollen sie an Mord und Totschlag erinnern. Wie dem auch sei, der Phantasie bleibt viel [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[63,251,62],"class_list":["post-974","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-stadtgeschichte","tag-suehnekreuz","tag-stadtgeschichte","tag-steinkreuz"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/974","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=974"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/974\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1001,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/974\/revisions\/1001"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=974"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=974"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=974"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}