{"id":977,"date":"2013-12-26T18:51:42","date_gmt":"2013-12-26T16:51:42","guid":{"rendered":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=977"},"modified":"2013-12-26T18:51:42","modified_gmt":"2013-12-26T16:51:42","slug":"die-sonnenbruecke","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/historischer-verein-speyer.de\/?p=977","title":{"rendered":"Die Sonnenbr\u00fccke"},"content":{"rendered":"<p>Die Sonnenbr\u00fccke ist die einzige, noch fast im urspr\u00fcnglichen Zustand erhaltene mittelalterliche Br\u00fccke in Speyer. Vor 1242 zum erstenmal genannt, hie\u00df sie damals noch &#8222;Nikolausbr\u00fccke&#8220;.<\/p>\n<p>N\u00f6rdlich des Kaiserdoms, ganz in der N\u00e4he des heutigen Ehrenmals f\u00fcr gefallene Pioniere, stand im Mittelalter eine kleine Kapelle, Sankt Nikolaus geweiht. Der nahe Stadtmauerturm &#8211; den im \u00fcbrigen die Speyerer Schneider zu verteidigen hatten &#8211; und die zur Br\u00fccke f\u00fchrende Gasse erhielten deshalb den gleichen Namen wie die Kapelle. Darum zun\u00e4chst auch &#8222;Nikolausbr\u00fccke&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/firetex.de\/images\/stories\/geschichte\/sonnenbruecke\/Sonnenbruecke%2001.jpg\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p>Woher aber kommt der heutige Name, &#8222;Sonnenbr\u00fccke&#8220;?<\/p>\n<p>Er entstand vermutlich im 16. Jahrhundert, als sich auf der n\u00f6rdlichen Bachseite, seit mindestens 1574, eine Herberge, das Wirtshaus &#8222;Zur Sonne&#8220; etablierte. Die Sonnengasse, in Verl\u00e4ngerung der Br\u00fccke, f\u00fchrte also schon in die Hasenpfuhl-Vorstadt des mittelalterlichen Speyers. Als die Franzosen unter General Montclar 1689 die gesamte Stadt brandschatzten, wurde auch die Sonnenbr\u00fccke besch\u00e4digt, bald darauf aber wieder instandgesetzt.<\/p>\n<p>Wie heute noch an verschiedenen Stellen zu sehen ist, bestand die in zwei B\u00f6gen \u00fcber den Speyerbach gespannte Br\u00fccke aus typisch gotisch bearbeiteten Gro\u00dfquadern. Die charakteristischen Zangenl\u00f6cher beweisen dem Baukunst-Interessierten die sp\u00e4tmittelalterliche Entstehungszeit. B\u00f6gen und Br\u00fcstungen erneuerte man aber nach der 1689er Besch\u00e4digung in Backstein. Erst im\u00a019. Jahrhundert, bei einer Br\u00fcckenerweiterung, erhielt die westliche Br\u00fcstung anstatt des Mauerwerks ein Eisengel\u00e4nder. Doch seit Fr\u00fchjahr 1987 erstrahlt das mittelalterliche Prunkst\u00fcck in neuem, &#8222;urspr\u00fcnglichem Glanz&#8220;. Denn nach der Renovierung erscheinen beide Br\u00fcstungen wieder wie fr\u00fcher als Backsteinmauerwerk, mit den aus barocker Zeit charakteristischen angemauerten Sitzb\u00e4nken. Damit das &#8222;Br\u00fccken-Schmuckst\u00fcck&#8220; von Speyer noch lange erhalten bleibt, darf sie nur als Fu\u00dfg\u00e4nger- und Radfahrerverbindung genutzt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/firetex.de\/images\/stories\/geschichte\/sonnenbruecke\/Sonnenbruecke%2002.jpg\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p>Im 18. Jahrhundert verband sich mit der Sonnenbr\u00fccke au\u00dferdem eine heutzutage heiter anmutende Gesetzesvorschrift. Denn die alte Hasenpf\u00fchler-Zunftordnung von 1702 schreibt: &#8222;Tr\u00fcge sich zu, dass einer (Schiffer), an dem die Ordnung w\u00e4re abzufahren, deshalb nicht fahren wollte, dass es keine ganze Fahrt und vollkommende Ladung ist, so m\u00f6gen die anderen Mitz\u00fcnftigen nach altem\u00a0Gebrauch auf der Sonnenbr\u00fccke um solche Fahrt werfen&#8220;. Aliae iactae sunt.<\/p>\n<p>Hier noch einige Informationen \u00fcber die im Herbst 1986 begonnenen Sanierungsarbeiten am Prunkst\u00fcck der Speyerer Br\u00fccken. Der sehr schlechte Bauzustand &#8211; entstanden durch zu hohe Verkehrsbelastungen und Umwelteinfl\u00fcsse &#8211; machten es erforderlich, die Br\u00fccke f\u00fcr den gesamten Kraftfahrzeugverkehr zu sperren. Die statisch-konstruktive Untersuchung ergab, dass die Sperrung auch nach der Sanierung erforderlich war.<\/p>\n<p>Wegen der fehlenden Isolierung und der Durchfeuchtung des Bauwerks waren Sch\u00e4den an den Mauerziegeln, vor allem durch Tausalze, entstanden. Dies f\u00fchrte zum Teil zu einer v\u00f6lligen Zerst\u00f6rung der Steine. Weiterhin zeigten sich durchgehende, bis zu 10 cm breite Risse an den Gew\u00f6lbeuntersichten.<\/p>\n<p>Die westliche Stirnwand hatte sich ebenfalls bis zu 10 cm nach au\u00dfen verschoben. Zu weiteren Rissebildungen hat mit Sicherheit auch die unsachgem\u00e4\u00dfe Befestigung der Gehwegverbreiterung aus dem 19. Jahrhundert beigetragen. Die Stahlkostruktion dieser Verbreiterung\u00a0war durch Korrosion ebenfalls sehr geschw\u00e4cht.<\/p>\n<p>Nach einem Beschluss des Bau- und Planungsausschusses der Stadt sollte in erster Linie die Bausubstanz erhalten bleiben und die Sanierung unter Mitwirkung des Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege (Mainz) nach historischen Pl\u00e4nen erfolgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/firetex.de\/images\/stories\/geschichte\/sonnenbruecke\/Sonnenbruecke%2003.jpg\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst musste der gesamte alte Pflasterbelag entfernt und die westliche Br\u00fcckenverbreiterung abgebrochen werden. Der aus sp\u00e4tmittelalterlichen Quadern bestehende Pfeiler blieb dabei erhalten. Danach erfolgte die Freilegung der beiden Gew\u00f6lber\u00fccken. Nun konnte eine Spezialfirma die Mauerwerksanierung ausf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Verschmutzung sowie der Algen- und Moosbewuchs wurde durch leichtes Sandstrahlen entfernt. Danach erfolgte der Steinaustausch bzw. die Erg\u00e4nzung am Mauerwerk mit handgefertigten Vollmauerziegeln in Klosterformat. Anschlie\u00dfend wurde die Verfugung mit besonderem Tra\u00dfkalkm\u00f6rtel ausgef\u00fchrt und die Risse mit gips- und sulfatbest\u00e4ndigem M\u00f6rtel verpresst.<\/p>\n<p>Die Sicherung der westlichen Stirnwand und der Gew\u00f6lbekappen erfolgte mit horizontal eingebauten Nadelankern aus Spezialstahl. Zur weiteren Stabilisierung der beiden Gew\u00f6lbe wurde die Baugrube nicht mit kiesigem Material, sondern mit Beton (ca. 100 cbm) bis \u00fcber den Gew\u00f6lbescheitel aufgef\u00fcllt.<\/p>\n<p>Im Anschluss an diese Arbeiten konnten die westliche Br\u00fcstungsmauer, mit der dazugeh\u00f6rigen Sitzbank, und die abgetragene \u00f6stliche Sitzbank mit neuen handgeformten Vollziegeln in Reichsformat wieder aufgemauert und somit dem vorhandenen Verband angepasst werden.<\/p>\n<p>Entsprechend der historischen Ausf\u00fchrung der Ostseite erhielt die westliche Br\u00fcstungsmauer einschlie\u00dflich Sitzbank Sandsteinabdeckungen. Vor Wiederherstellung der Oberfl\u00e4che mit dem vorhandenen Natursteinpflaster wurde die gesamte Br\u00fccke mit einer horizontalen Isolierung versehen.<\/p>\n<p>Die Gesamtkosten f\u00fcr die Sanierung und die Oberfl\u00e4chenbefestigung betrugen rund 250000 Euro. Mit dem Abschluss der Sanierungsarbeiten konnten die denkmalpflegerischen Auflagen erf\u00fcllt und der historische Zustand des Bauwerks wiederhergestellt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/firetex.de\/images\/stories\/geschichte\/sonnenbruecke\/Sonnenbruecke%2004.jpg\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sonnenbr\u00fccke ist die einzige, noch fast im urspr\u00fcnglichen Zustand erhaltene mittelalterliche Br\u00fccke in Speyer. Vor 1242 zum erstenmal genannt, hie\u00df sie damals noch &#8222;Nikolausbr\u00fccke&#8220;. N\u00f6rdlich des Kaiserdoms, ganz in der N\u00e4he des heutigen Ehrenmals f\u00fcr gefallene Pioniere, stand im Mittelalter eine kleine Kapelle, Sankt Nikolaus geweiht. 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