Moby Dick auf dem Fischmarkt

Stadtgeschichte(n): Moby Dick auf dem Fischmarkt

Längst ist er kein Thema mehr, vor 35 Jahren aber war er Stadtgespräch: Die umstrittenste Denkmalfigur der neueren Speyerer Zeit – der Fisch an dem damals neu angelegten Fischmarkt-Brunnen. Stelzenfisch oder Moby Dick nennt heute noch der Volksmund das, was am 16. Juli 1982 erstmals Wasser spie.

1980 hatte die Stadt einen landesweiten Wettbewerb zur Verschönerung des historischen Fischmarkt-Areals veranlasst, das zu einem gesuchten Wohngebiet geworden war. 120 Künstler wurden zu Vorschlägen aufgefordert, 21 reichten Arbeiten ein.

Eine Jury entschied sich nach langer Diskussion für den Vorschlag des Landauers Bildhauers Stefan Forler. Der zweite Preis ging an Gernot Rumpf (Neustadt an der Weinstraße), der dritte an den Speyerer Franz Müller-Steinfurth.

Kaum hatten DIE RHEINPFALZ und die “Tagespost” die Wahl des Preisgerichts bekannt gemacht, schwappten Wogen mehr oder minder ausgereifter Diskussionen durch Speyer. “Blechmonster” oder “schwangerer Karpfen” lauteten die noch nobleren Bezeichnungen hierbei. Es folgen Parteienhader, Zeitungsbeiträge und jede Menge Leserbriefe. Der Oberbürgermeister jener Jahre, Christian Roßkopf, wollte in den beiden Speyerer Zeitungen “mindestens 3000 Zeilen” zum Dauerthema Fischbrunnnen oder Brunnenfisch gezählt haben.

Die Folge: Im Frühjahr 1981 entschied der Stadtrat auf Vorschlag des Oberbürgermeisters, den Fischmarktbrunnen-Plan in der Bürgerschaft zur Diskussion zu stellen. Roßkopf: “Eine Kunst, die über die Köpfe hinweg ginge, würde meines Erachtens ihr Ziel verfehlen. Kunst braucht einen Adressaten, Kunst braucht Publikum, Kunst braucht Bürger, die sich von ihr ansprechen lassen”.

Die Künstler Forler, Rumpf und Müller-Steinfurth wurden aufgefordert, ihre Entwürfe zu überdenken und sich gegebenenfalls zu überarbeiten. Mit dem, was dabei herauskam, beschäftigte sich im September 1981 ein Unterausschuss des Stadtrats. Ergebnis: Es blieb bei der Entscheidung des Preisgerichts vom November 1980. Im Mai 1982 begannen die Arbeiten für den Brunnen und sein Wahrzeichen, drei Monate darauf folgte die Einweihung.

Seit dem rauscht es am Fischmarkt nicht mehr, sondern es plätschert. /wk

Aktuell: Rundbrief 02/2017

Diese Woche wurde der neue Rundbrief verschickt. Wie jedesmal stehen auch hier wieder viele Neuigkeiten und natürlich das Programm für das zweite Halbjahr 2017 drin.
Um Porto zu sparen, bieten wir auch für alle Mitglieder an, den Rundbrief in Form einer Mail zu erhalten. Bitte senden Sie uns Ihre aktuelle Mailadresse an rundbrief @historischer-verein-speyer.de . Denken Sie bitte auch daran, dass Sie nach Änderung Ihrer Mailadresse uns das wissen lassen!

Mitgliederinformationen 2. Halbjahr 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit diesem Rundbrief möchten wir Sie über Vorträge und weitere Aktivitäten der Bezirksgruppe Speyer im Historischen Verein der Pfalz e.V. im 2. Halbjahr 2017 informieren. Wir würden uns freuen, Sie zahlreich bei den Vorträgen und den weiteren Veranstaltungen begrüßen zu dürfen. Bitte beachten Sie, dass die
Vorträge schon um 19.30 Uhr beginnen!!!
Vortragsreihe und weitere Veranstaltungen
25. September, VHS (Villa Ecarius), 19.30 Uhr: Dr. Martin Armgart (Speyer), Neues
zur mittelalterlichen Geschichte von St. Magdalena
23. Oktober, VHS (Villa Ecarius), 19.30 Uhr: Dr. Ulrich Wien (Landau), Kaiser Karl
V. und die Reformation
13. November, VHS (Villa Ecarius), 19.30 Uhr: Prof. Dr. Karsten Ruppert
(Römerberg), Wie die Pfälzer Pfälzer wurden – Identität und Pfalzbewusstsein im 19.
Jahrhundert
4. Dezember, VHS (Villa Ecarius), 19.30 Uhr: Hans-Peter Schwan (Harthausen),
Die Schlacht am Speyerbach
Der Historische Verein der Pfalz lädt im Rahmen der Reihe ,Geschichte im Forum’ zu
folgendem Vortrag im ein:
19. Oktober 2017, Historischen Museum der Pfalz, 18.00 Uhr: Dr. Daniela Blum
(Tübingen), Spinnefeind, aber pragmatisch – das Zusammenleben der Konfessionen
im frühneuzeitlichen Speyer

(…)

Zwangsarbeit in Speyer

Der englische Bildhauer Robert Koenig erinnert daran mit 45 hölzernen Skulpturen

 

Ab dem 19. Mai 2017 sind 45 hölzerne Skulpturen des Bildhauers Robert Koenig Teil des Speyerer Stadtbildes. Damit will der Engländer aus Manchester auch seiner Mutter gedenken, die während der Nazi-Zeit als polnische Zwangarbeiterin in den Flugzeugwerken tätig werden musste.

Der Geschichtslehrer Jan Storre wird darüber am Sonntag, 11. Juni (11 Uhr), in einer gemeinsamen Volkshochschul-Veranstaltung des Stadtarchivs und des Historischen Vereins in der Villa Ecarius berichten.  Mit der “Zwangsarbeit in Speyer 1939 bis 1945″ befasste er sich in seiner Staatsexamensarbeit für die Universität Mainz. Unabhängig davon hat sich Diplomarchivarin Katrin Hopstock vom Stadtarchiv Speyer mit diesem Theme beschäftigt.

Mehrere Speyerer Betrieben wie den Flugzeugwerken Saarpfalz, dem Großunternehmen Siemens & Halske, der Firma Heß, der Schuhfabrik Rovo, Tabakfabrik Brinkmann und Gemüsekonserve-Firma Wirth hatten mehr oder minder freiwillige Zivilarbeiter, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene beschäftigt. Auch kleinere Betriebe der Landwirtschaft, kommunale und kirchliche Einrichtungen nutzten diese Möglichkeit zu “preiswerten” Arbeitskräften, die vorwiegend aus Polen, der damaligen UdSSR  und aus Frankreich kamen. Im Dezember 1943 gab es in Speyer 1942 Fremdarbeiter und -arbeiterinnen, von den über die Hälfte aus der Sowjetunion kamen.

Außerhalb der Arbeit lebten diese Arbeitskräfte in Firmenunterkünften, zu Schlafräumen umfunktionierten Gasthaussälen und in mehreren städtischen Lagern, so auf der Kuhweide, am Eselsdamm, an den Flugzeugwerken und an der Waldeslust. An den mit Draht umzogenen Wohnbarackenlagern für Kriegsgefangene waren Schildern angebracht mit der mehrsprachigen Inschrift “Halt! Wer den Warndraht überschreitet, wird ohne Anruf erschossen”.

Storre  berichtet auch von Zwischenfällen. So von der Arbeitsniederlegung französischer Zivilarbeiter am 12. Juni 1943 in der Tabakfirma Brinkmann. Die deswegen alarmierten Kriminalpolizei hielt fest, “sie haben  angegeben, vor Müdigkeit nicht mehr arbeiten zu können”. Der Streik sei gütlich beigelegt worden.

Meist weniger glimpflich endeten Diebstähle von Lebensmitteln und Tabakwaren. So wurden zwei “Ostarbeiterinnen” in ein Konzentrationslager eingeliefert. Drei Franzosen erhielten offenbar wegen eines “Tauschgeschäfts” Gefängnisstrafen zwischen sechs und 18 Monaten. Sie versuchten zweimal aus dem Speyerer Amtsgericht auszubrechen. Das misslang. Die Folge: Die Strafkammer Frankenthal verurteilte die Franzosen im Juli 1944  wegen “Gefangenenmeuterei” zu hohen Gefängnisstrafen.

Streng verboten war der “nähere” Kontakt zwischen Ausländern und einheimischen Frauen. Storre fand heraus: “Die öffentliche Diffamierung einer einheimischen Arbeiterin, der ein Verhältnis mit einem Franzosen nachgesagt wurde, blieb in Speyer die Ausnahme”.

Anmerkung: Auch in Dudenhofen gab es ein Lager für Zwangsarbeiterinnen; sie waren in der örtlichen Firma Walter und der Speyerer Rovo beschäftigt. Der Historiker Paul  Warmbrunn vom Landesarchiv Speyer berichtete vor einiger Zeit darüber. /wk