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Vortrag: Michael von Faulhaber als Bischof von Speyer 1911-1917

Am kommenden Montag, 12. März, spricht Dr. Dominik Schindler über

 

Michael von Faulhaber als Bischof von Speyer 1911-1917

 

Michael von Faulhaber zählt zu den bekannten deutschen Bischöfen des 20. Jahrhunderts. Doch kaum einer denkt heute noch daran, dass der gebürtige Franke zuerst Bischof von Speyer war, bevor er über viele Jahre als Erzbischof von München und Freising wirkte. In rasch wechselnden sozio-politischen Konstellationen war Faulhaber eine Persönlichkeit, die sich am Puls der Zeit orientierte und pointiert zu aktuellen Ereignissen Stellung bezog. In der Forschung blieb die Speyerer Amtszeit bislang nahezu unberücksichtigt, obwohl sie einen überaus facettenreichen und fortschrittlichen Bischof zeigt.

Neben dem politischen Engagement, das in der bisherigen Forschung im Mittelpunkt stand, soll vor allem das seelsorgliche Wirken des Bischofs betrachtet werden. Faulhaber war in erster Linie Priester, Theologe und Kirchenmann. Dadurch, dass eine unbekannte Seite des Speyerer Bischofs erhellt wird, gewinnt die Persönlichkeit insgesamt an Gestalt und Kontur.

Wie wurde Faulhaber überhaupt Bischof von Speyer? Was waren die pastoralen Gegebenheiten der Speyerer Diözese zu dieser Zeit? Ausgewählte Arbeitsschwerpunkte Faulhabers werden umrissen. Auch das Wirken im Ersten Weltkrieg wird thematisiert werden. Schließlich wird der Versuch unternommen, das theologische System Faulhabers darzustellen und das bischöfliche Wirken mit diesem in Verbindung zu setzen.

 

Der Referent Dr. Dominik Schindler promovierte über Faulhaber als Bischof von Speyer an der Ludwig-Maximilans-Universität in München. Begleitend erstellte er eine Sammlung von „Predigten, Ansprachen und Veröffentlichungen der Bischofsjahre 1911–1917“, die 2017 in den „Schriften des Diözesan-Archivs Speyer“ erschien. Dr. Schindler besuchte das Priesterseminar St. German in Speyer und ist nach seiner Priesterweihe im Juni 2017 Kaplan in der Pfarrei Hl. Martin in Kaiserslautern.

Zum Vortrag laden die Volkshochschule Speyer und die Bezirksgruppe Speyer des Historischen Vereins der Pfalz ein. Der Vortrag findet in der Villa Ecarius statt und beginnt um 19.30 Uhr. Der Vortrag ist öffentlich und kostenlos – wie allgemein die Vorträge des Historischen Vereins.

 

Informationen über die Bezirksgruppe Speyer erhalten Sie unter http://historischer-verein-speyer.de/

 

Die Glockengießer von Speyer

Zwischen 1152 und 1970 erwähnt – Keine geschlossene Überlieferung

Eine früher als “türmereich” geschilderte und dargestellte Stadt wie Speyer hat auch eine Geschichte der Glockengießerei. Sie stellt sich nicht in fortlaufender Geschlossenheit dar und endet 1970, nachdem das heute als Metallpresswerk Baumgartner GmbH & Co. KG bestehende Unternehmen die letzte Glocke gegossen hatte.

In der Anfangszeit der Glockenherstellung waren die Gießer Wanderhandwerker, da die Glocken meist vor Ort an der Kirche gegossen wurden. Der Transport von einer zentralen Gießerei zu den Bestimmungsorten war zu beschwerlich, zudem hätte die Glocke beschädigt werden können. Das ist mit ein Grund für die spärliche Geschichtsbeschreibung der Glockengießerei.

Nach Aufsätzen der Historiker Hans Fritzen und Ludwig Anton Doll in den Ausgaben 1952 der “Pfälzer Heimat” ist die älteste Erwähnung eines Speyerer Glockengießers einer 1905 erschienenen Abhandlung über eine Kirche im rheinhessischen Wörrstadt zu entnehmen. Demnach war die große Glocke dieser 1152 eingeweihten Kirche “von Meister Theobaldus zu Spire” gegossen worden.

Ein Kollege namens Volmar wird um 1307 in der Domstadt erwähnt. Aus seiner Gießerei soll die große Domglocke stammen. Deren Vorgängerin hatte sich aus unbekanntem Grund in Anwesenheit des Königs Albrecht aus ihrer Befestigung gelöst und einige Gewölbe durchschlagen haben. Beim Aufschlag auf den Boden zersprang sie in drei Teile.

In den Jahrhunderten danach 1411 erwähnen die Aufzeichnungen in der “Pfälzer Heimat” folgende Glockengießer, die entweder in Speyer wohnten oder tätig waren: Jürgen von Spier (1411), Hans Reinhart (1413), Hans zur Glocken und Otto von Lautern (1452), Peter zur Glocken und Georg von Guntheim (1470), Jörg von Spier (1473, 1483), Hans von Speier (1480, 1486; lebte offenbar auch in Sulz/Elsass).

Es geht weiter mit Jorig Buchsenmeister, genannt Gunthem oder Guntheim (1490), 1508 Jörge Guntheim von Spire, Peter Ammons (ebenfalls 1508; er und Jörge Guntheim sollen zeitweise gemeinsam auch eine Gießerei in Straßburg betrieben haben), Paul Kessel (1594), Georg Wolfskehl (1624), Georg Graisser (1650), Michel Salomon Strernecker (1651), Melchior König (1677), Hans Melchior König (1681),Johann Georg und Johann Melchior König (1719), Philipp Friedrich Brechtel (1771, 1780)), Johann Paul Strobel oder Strubel (1766), Otto Siedle (1906), Hermann Baumgartner (ab 1954). /wk

Turm der Retscherkirche: Unterschiedlich hoch

Turm der Retscherkirche: Unterschiedlich hoch

In der Pfalz sind die Speyerer die Größten. Zumindest, was die Höhe ihres höchsten Kirchturms betrifft, dem der Gedächtniskirche der Protestation. Der Turm der “Retscherkärch” misst nach Angaben des Bauvereins der Gedächtniskirche “genau 100 Meter”. Doch das stimmt nicht, ebenso nicht die in manchen Notizbüchern vermerkten 103 m und auch nicht die bei Wikipedia unter “Die welthöchsten Kirchtürme” angegebenen Höhenmaße.

Dort ist der Turm der Speyerer Gedächtniskirche mit
96,75 m notiert. Damit ist er zwischen der Predigerkirche in Zürich (97,00 m) und der Mikael-Agricola-Kirche in Helsinki (96,70 m) auf dem 86. Platz eingeordnet (am höchsten ist das Ulmer Münster mit 161,53 m). Nicht ganz richtig ist auch eine 2001 von dem damaligen Dekan der Gedächtniskirche, Friedhelm Jakob angeregte Messung. Sie ergab 98,10 m.

Die unterschiedlichen Angaben veranlassten zur Nachfrage bei einem Experten. Bernd Ehrhardt, technischer Leiter der Bauabteilung der Evangelischen Landeskirche der Pfalz, hat beim Blick aus seinem Büro in der Roßmarktstraße den Retscher-Kirchturm stets im Visier. Doch um die Frage der Zeitung bis auf den Zentimeter genau beantworten zu können, schaut er in seine Unterlagen, erstellt nach dem ziemlich komplizierten Vorgang einer photogrammetrischen Vermessung.

Die besagt: Gemessen vom Haupteingang aus (Halle mit dem Luther-Standbild) ist der Kirchturm 96,40 m hoch; gemessen vom Chor aus (Ende des Kirchenschiffs) 97,40 m; gemessen ab der Straßenhöhe 97,60 m bis 97,70 m. Jeweils dazugezählt ist laut Bernd Ehrhardt der 40 cm hohe Aufsatz des Blitzschutzes.

Andere hohe Gebäude in Speyer: St. Josefs-Kirche: Westtürme
90 m/Osttürme 40 m – Dom: Osttürme 71,20 m/Westtürme 65,60 m – Altpörtel: 55 m – DRV-Hochhaus (früher LVA-Hochhaus): 54 m – Max und Moritz-Hochhäuser: 48 m – Wasserturm: 36 m – Diakonissenanstalt, Krankenhaus-Hochhaus: 34 m.

Das höchste Speyerer Gebäude war mit 200 m der große Kamin der Raffinerie. Er wurde 1978 gebaut und 1986 abgerissen.  – wk