Vortrag 20.04.2015: Zünfte in Speyer im 13. und 14. Jahrhundert

Referentin: Dr. Andrea Clemens (Hochdorf-Assenheim)

 
Zünfte in Speyer im 13. und 14. Jahrhundert
Die Entwicklung der Zünfte im Mittelalter ist eng mit dem Aufblühen der Städte verbunden. Markt, Stadt und Zunft stehen in einer engen Wechselbeziehung zueinander und ergänzen sich gegenseitig. Sie waren allerdings keine statischen Gebilde, sondern unterlagen vielfältigsten Entwicklungen, für die das 13. und 14. Jahrhundert eine entscheidende Phase darstellte. Auch in der Reichsstadt Speyer bildeten sich Zünfte heraus, deren Zunftordnungen und hierarchische Gliederung eine maßgebliche Grundlage für die innerstädtische Ordnung bildeten und ein Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse in der Stadt waren. Die darin zusammengeschlossenen Handwerker besaßen schon früh als vollwertige Bürger Rechte und Pflichten innerhalb der Stadtgemeinde. Auf der Basis der Zunftorganisation bildete sich im Rahmen der innerstädtischen Auseinandersetzungen des 14. Jahrhunderts eine Zunftherrschaft heraus, die zu einem neuen Zunftbegriff führte und das Funktionsspektrum der Speyerer Zünfte um einen herrschaftlich-politischen Aspekt ergänzte. Somit bildeten die Zünfte ein konstitutives Element der städtischen Verfassung.

Der Riese von Speyer

Jahrhunderte lang demonstrierte die Speyerer Stadtobrigkeit ihre Stärke, indem sie und ihr Rat öffentlich vorzeigten, dass ihnen selbst ein Gigant nicht gewachsen ist.

Am alten Ratshof auf dem heutigen Domhof-Gelände an der Himmelsgasse und anfänglich auch am Toreingang des 1726 bezogenen Rathauses an der Maximilianstraße (damals Krämergasse) waren gewaltige Gebeine angebracht. Es sei die Hinterlassenschaft eines gewissen Olps, eines enorm großen Kerls, der einst die Stadt bedroht habe und im vierten Jahrhundert bei einem Angriff ums Leben kam.

Wie erst 1824 herausgefunden  wurde, stammten die enormen Knochen nicht von einem Menschen. Zunächst machte der seinerzeit „hoch geschätzte“ Medizinalrat Ehrmann den Knochen, der im Gegensatz zum anderen den Stadtbrand von 1689 offenbar nicht sehr beschädigt überstanden hatte, als „das Wirbelbein eines Walfischs, den Grönlandfahrer nach Speyer gebracht haben“aus.

1869 aber, als das „Museum der Pfalz“ im Realgymnasium an der Wormser Straße (heute Direktion der Kreis- und Stadtsparkasse) untergebracht war, erkannten die Konservatoren Mayrhofer und Harster in dem Gebein „den Wirbelknochen von einem Mammut“. Als solcher kam er 1910 in das gerade eröffnete Historische Museum der Pfalz. Das überließ ihn vor einigen Jahren dem Pfalzmuseum für Naturkunde Bad Dürkheim, bzw. dessen Zweigstelle auf der Burg Lichtenberg bei Kusel.

Mit der Geschichte des Speyerer Riesen Olps – vermutlich die mundartliche Wiedergabe von „Alp“ (böser Kobold) –  beschäftigten sich 1927 der auch in Speyer tätige Gymnasiallehrer und Heimatforscher Lukas Grünenwald und 2005 Ludwig Wien in „Speyer – Geschichte und Geschichten“. Beide berufen sich auf Erkenntnisse, die der auch als Schilderer des 1689 zerstörten Speyer bekannten Franzosen  Jean Du Mont, Baron de Carlscroon, in seinem Bericht „Nouveau voyage au Levante“ und 1734 der Pater Aloysius Bega als Beauftragter seines Ordens aus dem französischen Trévoux/Region Rhone-Alpes festgehalten hatten. Du Mont sah die beiden Knochen offenbar noch selbst.

Nach der Überlieferung müsste der Riese Olps zwischen zehn und 14 Metern groß gewesen sein, der erhalten gebliebene (Mammut-)Knochen deutet darauf hin. Funde dieser prähistorischen Rüsselträger gab es auch im Speyerer Raum. 1926 entdeckte Willi Fix auf einer Kiesbank nahe der Rheinhäuser Fähre einen 1,70 m langen Stoßzahn.  – Wolfgang Kauer